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Dienst des Hofes. Von hier wegen seiner Liebe zu einer Palastdame verbannt, trat er, da er weder eine passende Stellung noch Beachtung als Poet fand, freiwillig in den Kriegsdienst. Er focht im Kampfe vor Ceuta mit gegen die Mauren und verlor dabei ein Auge. Zurückgekehrt nach Lissabon, gelang es ihm nicht, eine staatliche Stellung noch Anerkennung als Dichter zu finden. Voll Ingrimm über den Undank des Vaterlandes schiffte er sich 1553 nach Indien ein. Hier nahm er thätig an verschiedenen Feldzügen teil, da er kein passendes Amt erhalten konnte. Beim Vicekönig durch Veröffentlichung einer Satire gegen behördliche Misswirtschaft-bald in Ungnade gefallen, schen wir ihn gegen arabische Corsaren im roten Meere kämpfen, treffen ihn mehrere Jahre in Ternate, um ihn schliesslich in Macao wiederzufinden, wo er das bescheidene Amt eines Administrators der Verstorbenen bekleidete. In Macao dichtete er sein Nationalepos„os Lusiadas“ zum Ruhme seines geliebten Vaterlandes, für das er so viel gelitten und gestritten, das aber keinen Dank für seine Dienste hatte. Durch die Ankunft eines neuen Vicekönigs schienen für Camödes die Verhältnisse in Indien sich bessern zu wollen. Doch auf der Fahrt nach Goa erlitt er Schiffbruch an der Mündung des Me-khongflusses, nur das nackte Leben und sein vom Meereswasser durchtränktes Lusiadenmanuskript rettend, und in Goa selbst, wo er endlich Anerkennung und passende Stellung zu finden gehofft hatte, brachte ihn Verläumdung ins Gefängnis. Nachdem so alle seine Hoffnungen vernichtet waren, verliess er Indien, gebrochen an Kraft und Mut, nachdem gute Freunde noch die Kosten der Überfahrt nach Portugal bezahlt hatten. Nach Mühsalen und Widerwärtigkeiten jämmerlichster Art, die ihn an Afrikas Ostküste erwarteten, kehrte er endlich bettelarm und als gebrochener Mann nach 16jähriger Abwesenheit ins Vaterland zurück. Hatte er mit der Hoffnung den heimischen Boden betreten, nach allem Elend endlich bessere und glücklichere Tage zu sehen, so sah er sich bitter getäuscht— sein Elend wurde immer grösser. Schon die Zeit seiner Ankunft war sehr ungünstig für ihn. In Lissabon wütete die Pest, dann nahmen die Zurüstungen zum afrikanischen Feldzuge des König Sebastian das Interesse aller Portugiesen gänzlich in Anspruch, niemand gedachte des Dichters, dessen freimütige Sprache ohnehin nicht gefallen mochte. Selbst der König, dem die Lusiaden gewidmet waren, hatte nichts anderes für den Dichter, als die jämmerliche Leibrente von 25 Thalern. Lebte auch Camödes Poesie im Munde seiner Landsleute, so kümmerte sich doch niemand um des Dichters Person, um ihn, der so herrlich Portugals und der Portugiesen Ruhm im Liede verkündet hatte. Ein treuer Sklave erbettelte in den Strassen Geld zu Brot und Arznei für den kranken Dichter. Von Armut und Krankheit aufgezehrt starb endlich Camdes 1580, kurz nachdem er noch das Schrecklichste hatte erleben müssen, das ihn, den Vaterlandsfreund treffen konnte, den Untergang des über alles geliebten Vaterlandes, den König Sebastians unglücklicher Zug gegen Marokko zur Folge hatte,
Bei der Person des Dichters, was er als Mensch war seiner Veranlagung, seinem Wollen nach, dabei müssen wir länger verweilen, um so durch ein Verständnis des Mannes zu einem Verständnis seines Hauptwerkes, des Epos os Lusiadas zu gelangen. Wenn je einer, so ist Camöes ein Sohn seiner Zeit zu nennen. Die Natur hatte ihn ausgestattet mit den herrlichsten Gaben des Geistes und Körpers, die durch Bildung und sorgfältiges Studium auf das herrlichste ausgebildet erscheinen. Auch das hatte sie ihm zu teil werden lassen, was sie so oft gleichzeitig dabei ihren Günstlingen verleiht, ein Feuer und eine Leidenschaftlichkeit in allem Thun, die oft verderblich werden können. Dennoch ist alles Kraft und Gesundheit an ihm, fast nirgend ist etwas Kränkliches und Krankhaftes zu entdecken; alles an ihm aber zeigt einen Eifer, eine Leidenschaftlichkeit, die uns mit Bangen erfüllt. Es beseelt ihn ein Drang nach Thaten, ein Sehnen verzehrt ihn nach Gelegenheit, grosses zu vollbringen, Ruhm bei Mit- und Nachwelt sich zu erwerben, das Glück zu erringen, sei,es ein Ideal, sei es in greifbarer Gestalt. Die Folge davon ist eine wahre Sucht nach Abenteuern, ein Suchen der Gefahr, ein unstätes Jagen bald nach diesem, bald nach jenem Ziele, das aber, wenn


