Druckschrift 
1. Hälfte (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Betracht ſeiner erworbenen Bildung, von der bis hierhin beſtandenen Curatel auf immer entbunden und ihm die eigene Verwaltung ſeines Vermögens überlaſſen. Nun machte er mit ſeinem ebenfalls taubſtummen Bruder Damian eine große Reiſe durch Baiern, Oeſtreich und Steiermark. Auf derſelben begegnete er vie⸗ len Taubſtummen, deren trauriges Loos einen ſo tiefen Eindruck auf ihn machte, daß er ſich entſchloß, eine Privatanſtalt für Taubſtumme in ſeiner Vaterſtadt Camberg zu errichten. Mit Freuden und tiefer Rührung ergriffen viele Eltern dies wohlwollende Anerbieten, die ſo ſehnlichſt gewuͤnſchte Gelegenheit, ihre taub⸗ ſtummen Kinder unterrichten zulaſſen. Aus der Nähe und Ferne wurden der Pri⸗ vatanſtalt des menſchenfreundlichen Freiherrn Hugo von Schüutz alsbald mehrere Zöglinge zugeführt. In kurzer Zeit hatte er eine Schule von 16 Schülern bei⸗ ſammen, deren Unterweiſung er ſich mit dem größten Eifer und mit aufopfernder Liebe hingab. Seine Bemühungen wurden reichlich geſegnet; der Lehrer hatte die Freude, daß der Ruf ſeiner Anſtalt ſich immer mehr verbreitete und der Andrang zu derſelben immer größer wurde, wozu ihm ſeine eigenen Kräfte nicht mehr aus⸗ zureichen ſchienen. Um jedoch namentlich ſeinem Vaterlande durch ſeine erworbe⸗ nen Kenntniſſe nützlich zu werden und den Taubſtummen desſelben zur Verbeſſe⸗ rung ihres äußeren und inneren Lebens, ſo viel in ſeinen Kräften ſtand, behilflich zu ſein, faßte er den Entſchluß, ſeinen Wirkungskreis zu erweitern und wünſchte daher ſein Privatinſtitut zu einer Staatsanſtalt erhoben zu ſehen. Dieſen Plan theilte er ſeinem Freunde, dem Herzoglich Naſſauiſchen Schulinſpector und Pfarrer Casper Halm zu Idſtein, mit, der denſelben nun mit der größten Freude und reinſten Liebe zur quten Sache bei Herzoglich Naſſauiſcher Landes⸗Regierung zu realiſiren ſuchte. Ungeſäumt machte er hoher Landes⸗Regierung von dem Aner⸗ bieten des H. von Schütz berichtliche Vorlage. Seine Dnrchlaucht der verſtor⸗ bene Herzog Wilhelm vernahm mit gerührtem Herzen dieſes ächt menſchen⸗ freundliche Anerbieten, und in Erwägung, daß durch eine ſolche Anſtalt ſo viele unglückliche Kinder ſeines Landes aus trauriger Geiſtesdumpfheit geriſſen und der menſchlichen Geſellſchaft als gute und brauchbare Glieder zugeführt würden, be⸗ ſchloß Hochderſelbe in ſeinem weiſen Regentenſtnne, die Schule des Freiherrn von Schütz als eine Landesanſtalt zu begründen.

Die Herzoglich Naſſauiſche Landes⸗Regierung ließ darauf am 9. November