Druckschrift 
3 (1890)
Entstehung
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Schlages folgt es selbst nach. Die auf diese Worte folgenden drei§§ 13 15 und von§ 16 die Worte-r00G% ν§ϑε τπ⁴ἀQι ⁷τ⁶ν α τον ταρσmπον passen nicht recht an diese Stelle, denn sie unterbrechen, einen besonderen Fall einführend, in schleppender und hemmender Weise die Belehrung an ihrem Höhepunkt und entsprechen dem wirklichen Sachverhalt nicht. Denn das in ihnen für Notfälle angegebene Mittel, sich durch schnelles Niederwerfen auf die Erde vor dem Hieb eines anrennenden Keilers zu retten, ist zwar an sich richtig und auch heute noch zu empfehlen, wenn man sich nicht rechtzeitig anders der Gefahr entziehen kann, denn der Keiler kann nur von der Seite und nach oben, nie nach unten schlagen; aber dieses Mittel kann nur retten, wenn der Jagdheld sich rechtzeitig zu Boden geworfen hat. Davon kann aber in unserm Fall keine Rede sein. Wenn ein den Menschen annehmendes Schwein, das unglaublich schnell gefahren kommt, erst so nahe ist, daſs es ihm das Eisen aus der Hand schlägt, dann ist auch der blitzschnelle Hauer schon längst ins Fleisch gefahren, ehe der Getroffene selbst an ein Niederwerfen denkt ³); wohl aber kann der ungeschickte zugleich sehr unsanft von dem Schwein zu Boden gerannt werden. Das Schwein hält sich übrigens selten auf, noch weniger kehrt es wieder um. Xenophon wulste das alles aus Erfahrung, darum ist es nicht wohl anzunehmen, dafs er an dieser Stelle diesen Rat gegeben haben sollte.

Weit besser würden die betreffenden Paragraphen ihre Stelle im unmittelbaren An- schluſs an§ 8 haben. Dort heiſst es, nachdem den Jägern der Rat gegeben ist, sich dem Lager des Schweins in groſsen Zwischenräumen zu nähern, damit man im Notfalle auf die Seite springen könne, weiter:Denn wen es annimmt, an dem läſst es seinen Zorn aus. Und daran schlieſst sich unsere Stelle ungezwungen und sachgemäſs an:Wem dies aber zustöſst, d. h. auf wen der Keiler geradenwegs losrennt,der werfe sich aufs Gesicht und halte sich am Gestrüpp fest, denn eben nicht ein jeder warerfahren und handfest genug, das Schwein mit der Feder zu erwarten. Nun heilst es weiter:Das Tier kann, wenn es ihn in solcher Lage annimmt, wegen der Krümmung der Hauer den Körper nicht von unten fassen; nimmt es ihn aber in aufrechter Stellung an, so wird er rettungslos geschlagen. Es versucht daher den Daliegenden zu heben, und wenn ihm dies miſslingt, so tritt es auf ihm herum. Die Befreiung aus dieser gezwungenen Lage ist die Sache eines der Jagdgenossen; (Xenophon sagt nicht, wie man wohl erwarten könnte, des nächsten, denn nur einer, der sich getraute einen Waffengang mit dem Schwein zu machen, konnte wirksame Hilfe leisten) der geht mit dem Fangeisen auf das Schwein los und thut, als wolle er es werfen, aber werfen darf er nicht, um den Daliegenden nicht zu treffen. Alsdann wird das Schwein den, welchen es unter sich hat, verlassen und voll Zorn und Wut gegen den sich wenden, der es reizt. Jener aber muſs schnell aufspringen, ohne das Fangeisen zu vergessen, denn nicht schön ist die Rettung anders als für den Sieger.

Vergegenwärtigen wir uns nun einmal selbst, wie sich ein solcher Vorgang weiter abspielen konnte: Das wütende Schwein hat den Retter angenommen; diesem bleibt nichts anderes übrig, als es auflaufen zu lassen; denn erst zur Hilfe herbeizueilen und dann dem Beispiel des ersten Jagdhelden zu folgen und sich zu Boden zu werfen, um an dessen Stelle die keineswegs zarten Rippenstölſse des Keilers zu erdulden, würde lächerlich gewesen sein.

s) Vgl. Odyss. 19, 447 fl.