Druckschrift 
3 (1890)
Entstehung
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löste die Hunde, deren Warteplatz wohl gleich mit in den eingestellten Raum gezogen war, und setzte sich in Linie gegen das Lager in Bewegung. Ein erfahrener Jäger übernahm die Führung der Hunde, die andern folgten still und in groſsen Zwischenräumen, um in dem Falle, dass das flüchtige Schwein durchbreche, leicht zur Seite ausweichen zu können. Gerieten die Hunde an das Schwein, so gabs zunächst einen heiſsen Kampf zwischen den erbitterten Gegnern. Mit dem Gewehr suchte es sich loszuschlagen, und wehe dem Hunde, der unvorsichtig ihm auf den Kopf losrannte: geschlagen wurde er in die Luft geschleudert. Ging das Schwein vor den Hunden durch und geriet in das Fallnetz, ohne dals es ihm gelang, sich durch dasselbe zu schlagen, dann war der Gang nach Xenophon wörtlich folgender:

Ist der Boden, sagt er,(auf dem das Netz das Schwein aufhält)eben, so wird es sofort mit sich selbst beschäftigt stehen bleiben. In diesem günstigen Augenblick werden es die Hunde anfallen. Dann müssen die Jäger selbst es von hinten und in achtungsvoller Entfernung umstellen und mit Speeren und Steinen nach ihm werfen, bis es, sich nach vorn drängend, die Unterleine des Netzes anspannt. Dann muſs der erfahrenste und handfesteste der Anwesenden von vornher an es herantreten und ihm mit der Saufeder den Fangstols geben. Hierbei ist die Rolle der Hunde eine etwas zweifelhafte. Wir müssen annehmen, wenn anders die Stelle nicht durch spätere Hand unpassende Zusätze erhalten hat, daſs sie das Schwein im Netz nur stellten und nicht packten, denn sonst hätten die Jäger es trotz aller Vorsicht bleiben lassen sollen, mit Wurfspeeren in den Knäuel zu schielsen. Wollte das Schwein trotz aller Speer- und Steinwürfe das Netz nicht straff ziehen, sondern liels es(das Netz) los, d. h. doch wohl: wenn es ihm gelang, sich herauszuschlagen, dann galt es das- selbe auflaufen zu lassen. Dies Verfahren war dasselbe, wie das noch bis in die neue Zeit hinein in Deutschland und andern Jagdländern gebräuchliche. Der griechische wie der deutsche Weidmann, der den Mut und die Kaltblütigkeit besaſs, sich dem zornigen Keiler entgegen zu stellen, faſste die Schweinsfeder mit der linken Hand vorn, mit der andern hinten; mit dieser drückte er das Ende des hölzernen Stiels fest an den Leib, mit der Vorderhand gab er dem Eisen die Richtung, indem er unverwandt das Auge des Tieres und dessen Kopfbewegungen beobachtete; dabei streckte man das rechte Bein nach hinten aus und setzte es fest ein, das linke vorwärts und im Knie gekrümmt. Sobald das Schwein blindwütig heranschoſs, richtete er das Fangeisen so, dafs die Spitze innerhalb der Schulter- blätter unter der Kehle, also auf den Unterhals oberhalb des Brustbeins zu stehen kam, und der Stoſs des anrennenden Schweins war denn auch regelmäſsig so heftig, daſs bei richtigem Gebrauch der Waffe die ganze Spitze bis zu dem Knebel dem Wildschwein in die Brust fuhr, ihm das Herz durchbohrend. Wurde hierbei einem Ungeschickten die Waffe aus der Hand geschlagen, dann war er natürlich im höchsten Grade gefährdet.

Xenophon sagt:Man lege die Schweinsfeder mit aller Vorsicht aus, damit das Tier sie nicht durch einen Seitenhieb mit dem Kopf aus der Hand schlage, denn der Wucht des