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Die Jagd auf Schwarzwild'¹).
Die hinausziehende Jagdgesellschaft war, wenn es galt Sauen zu jagen, eine zahl- reichere als bei andern Jagden ²), und auch das Jagdgesinde war grölſser, da vor allem der Transport der schweren und langen Netze und das Stellen eine gröſsere Mannschaft forderte. Von einem Fortschaffen des Jagdzeuges auf Wagen ist nirgends die Rede, und dies war bei den Wegeverhältnissen wohl auch ausgeschlossen.
Die Hatze war eine gemischte; indische, kretische, lokrische und lakonische Hunde werden genannt; ein lakonischer Leithund und Finder diente dazu, das Schwein zu bestätigen, indische waren wahrscheinlich als Saupacker bevorzugt, kretische nahm man wohl dann hinzu, wenn man sich auf die Schnelligkeit der andern nicht verlassen konnte, für den Fall, daſs das Schwein ausbrach; Hunde anderer Art vervollständigten die Meute und halfen das Wild stellen ³). Uber die Zahl ist keine Angabe gemacht.
Die Jagd ward eröffnet mit der Bestätigung der Sau. Nachdem die ganze übrige Meute angebunden war, suchte einer der Jagdgenossen mit einem der lakonischen Hunde. Sobald dieser zeichnete, folgten die anderen Jäger, indem sie zugleich auf die Spuren: Fährten und Gebräche, in Dickungen auf geknickte Astchen und auf die Merkmale der schlagenden Gewehre an den Rinden der Bäume(?) achteten, die meist sicher zum Ziele führten, da das Schwein und jede starke einzelne Sau fast täglich dasselbe Lager wieder aufsucht. Gab der Hund in einer Dickung durch Lautwerden zu verstehen, daſs er dem Schwein im Lager nahe sei, zogen sich die Jäger, da ein solchergestalt bestätigtes Schwein sich sehr selten erhob ⁴), mit dem Spürer rasch zu der Stelle zurück, wo die übrigen Hunde angebunden waren. Dort legte man auch jenen an, und die Umstellung des Dickichts mit Netzen begann.
Diese stellte man da, wo es am bequemsten ging ⁵), indem man die Maschen vermöge der Fangleinen auf gegabelte stellstangenähnliche Stämmchen des Waldes legte ⁶). Solche natürliche Stellstangen waren im Walde leicht zu haben und herzustellen, indem man einen vorstehenden Ast nahe dem Stamm abschnitt und dadurch einen Zapfen aus ihm machte. Die Maschen zog man soweit zusammen, daſs ein starker Busen entstand, den man innen durch Reiser sprieſste, damit das Übereinanderliegen der Maschen verhindert würde, durch welches die scharfäugende Sau leicht auf die ihr drohende Gefahr aufmerksam gemacht werden konnte. Die Unterleine(des ersten und letzten zur Verwendung kommenden Netzes) befestigte man aus naheliegenden Gründen an einem starken Baumstamm. Über solche Stellen, wo die langen Netze mit den untern Maschen den Boden nicht erreichten, wo sie gewissermaſsen keinen Ankergrund fanden, also über breite Gräben, Wasserrisse und ähn- liche Zerklüftungen des Bodens liels man sie weiterlaufen und verstopfte die unter dem
¹) Xen. C. 10. ²) uæνpera' oοτοοœσνν ydo οtεον μ‿ν zœ deno or dtοuera 10, 3. ³) Vgl. Progr. v. 1889 p. 23 ff. ⁴) 10, 7. ⁵) S. unten! ³⁶) αeνιοmταμάσαα* dTe diod. Obige Übersetzung scheint mir dem Wortlaut am meisten zu entsprechen; jedenfalls ist sie sachgemäſs. Andere anders.


