Druckschrift 
3 (1890)
Entstehung
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5 merksam und laut wurden, und legte sich selbst nahe dem Wechsel auf die Lauer. War dann das Wild nahe bei ihm wieder zu Holze gezogen, dann verfolgte er es von seinem Beobachtungs- posten aus mit den Augen. Da Mutterwild mit Kälbern nicht tief ins Holz zieht, wenn es nicht beunruhigt wird, so war es dem Jäger wohl meist möglich, sich ungefähr die Stelle zu merken, wo ein Kalb sich niederthat. Xenophon rät, dabei die Örtlichkeit genau im Auge zu behalten, da ein Gelände sich oft beim Nähergehen anders darstelle, als man von weitem meine. Nun galt es, sich an das Kalb heranzupirschen und es zu fangen, was nicht immer gelang, denn nicht immer drückte es sich und verhielt sich ruhig, namentlich nicht, wie Xenophon behauptet, wenn es beregnet war. Liels es sich aber greifen, übergab man es der Obhut eines Sklaven und machte sich bereit, die auf sein Klagegeschrei herbeieilende Mutter zu empfangen, indem man die Hunde an sie hetzte und sie mit den Wurfspeeren zu erlegen suchte. Die Hunde wurden wohl bis zu diesem Augenblicke vom Hundejungen an der Leine geführt, denn sonst wäre es doch wohl kaum bis zum Aufgreifen des Kalbs ge- kommen ³). Wurde ein Kalb bei dem Herannahen des Jägers flüchtig, lieſs man es von der Meute verfolgen.

Gröſsere Kälber verursachten mehr Mühe ¹).

Eine andere Jagdart begann mit dem Legen von Fuſsfallen). Es sind dies die oben beschriebenen 7106 19. An den Wechseln hob man für jede Falle den Boden etwa 40 cm tief so aus, daſs der obere Rand der Grube den Kranz der Falle aufnehmen konnte, sie sich aber nach unten allmählich verengte. Ebenso stellte man ein Lager für den Strick und den Block her. Nachdem dann jeder Teil der Falle richtig angebracht war, bedeckte man sie mit einer Distelart und Laub und schlieſslich sorgfältig mit Erde, um dem Tier die Stelle unmerklich zu machen. Fand man beim Nachsehen, daſs die Falle aus dem Boden gerissen und von dem Hirsch entführt war, löste man die Hunde und folgte auf der Spur des ge- schleiften Blockes, die deutlich genug sein mochte. Der Hirsch wurde auf der Flucht von den Hunden leicht eingeholt, da der Block ihm gegen den Körper, namentlich gegen die Läufe schlug. Bisweilen war es ihm überhaupt von der Stelle zu kommen unmöglich, wenn das Stück Holz sich zwischen gabelförmige Stämmchen klemmte und es ihm in diesem Falle nicht gelang, den Strick zu zerreilsen. Kam man dem Hirsch auf Schuſsweite nahe, so tötete man ihn durch einen Speerwurf, denn ihn in nächster Nähe anzugreifen, war wegen der Angriffe mit dem Geweih zu gefährlich.

Zu diesen Jagdarten kam aufserdem die zwar nicht weniger grausame, aber, weil sie auch an den Mut und die Ausdauer des berittenen Jägers Ansprüche stellte, weidgerechtere Hatze.

³) Xenophon sagt freilich, sobald das Kalb sich niedergethan habe, solle man die Hunde lösen(rs ναςα 1Ddα]), aber das wird so zu verstehen sein, dals man die Hunde auf ein Zeichen des Jagdherrn zwar von den Bäumen losband, doch noch an der Leine hielt. ³) Die§§ 810 sind in der überlieferten Fassung nicht recht klar. Die Worte al αnoονονdmωörar dd‿νοντœι, ν uεαασνς, deει n0099y, 5* ϑ 16 3αοσεά d³νdæ. scheinen zu bedeuten, dafs diese Kälber auf der Flucht mit dem Rudel sich meist in der Mitte der Alttiere oder ganz vorn, selten hinten halten, da gesagt wird, die Tiere wehrten sich für sie, indem sie nach den Hunden mit den Läufen schlügen. Dann sollte ein Jäger, und hier kann nur von einem vorzüglich berittenen die Rede sein, das Rudel sprengen, worauf die Kälber schliefslich trotz ihrer Flucht von den Hunden gefangen würden.) Xen. 9, 11.