Druckschrift 
3 (1890)
Entstehung
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breit den Boden eine Schneehülle bedeckte und weder allzuheftiger Wind die Spuren durch Schneewehen überschüttete, noch fortdauernder Schneefall sie immer aufs neue verbarg, noch Tauwetter sie verwischte, wenn es also dem Jäger nicht schwer war, selbst den Fährten eines Hasen nachzugehen, dann liefs man die Netze hinausbefördern und ging selbzweit ans Werk, indem man vom bebauten Land(in der Nähe der Ortschaften) aus, dem die Hasen der Asung wegen während der Dunkelheit ihren Besuch abzustatten pflegen, nach den Bergen zu suchte. Auf der leicht gefundenen Spur bewegte sich der Jäger vorwärts, suchte an solchen Stellen, wo sie durch Widersprünge verworren wurde, das weiterführende Ende und machte Halt, sobald die Fährte nach einer gedeckten oder abhängigen Stelle mit Uber- wind führte. Durch vorsichtiges Umkreisen überzeugte man sich, ob die Spur wirklich ihr Ende erreicht hatte oder nicht, merkte sich im ersteren Fall den Platz und machte dann auf dieselbe Weise das Lager noch einiger Hasen aus, indem man sich dabei nach der im ganzen zur Verfügung stehenden Zeit richtete. Dies Verfahren war dann wohl am meisten von Erfolg gekrönt, wenn der Schnee erst in der letzten Nacht gefallen war, da erfahrungs- gemäſs die Hasen nach einer gefallenen Neue sehr gut halten; wir dürfen annehmen, daſs auch der griechische Jäger diese Erfahrung besaſs und danach handelte. Jeder einzelne Hase wurde hierauf durch Netze völlig umstellt und aufgejagt. Dabei kam es wohl vor, dafs das ins Netz gefallene Opfer sich herauswand, dann muſste der weidgerechte Jäger ver- suchen, das neue Lager des Hasen, der nach Xenophons Angabe sich bald wieder drückte, auszumachen und ihn von neuem zu umstellen oder er mufste ihm, wenn er nicht halten wollte, folgen und hatte dabei, wenn wir unserm Gewährsmann glauben wollen, auch Erfolg, da nach dessen Angabe die Hasen im Schnee bald ermatteten.

Hirschjagd.

Die Jagd auf Kälber, mit der Xenophon dieses Kapitel ¹) beginnt, wird einem Weid- mann unserer Zeit wenig zusagen. Da der Jäger im Verlauf der Jagd suchen mulste, ein Kalb mit der Hand zu fangen, so konnte hier nur von Tierchen in den ersten Lebenstagen die Rede sein. Denn wenn das Kalb nur eine Woche überlebt hatte, würde die Mühe ver- geblich gewesen sein, seiner ohne Netze habhaft werden zn wollen. Damit stimmen die eigenen Worte des Schriftstellers, der von neugesetzten unter den Kälbern spricht, die man im Frühjahr jagen müsse, wo sie zur Welt kämen ²).

Der Jäger, den um diese Zeit nach solchem zartem Wildbret gelüstete, pirschte fleiſsig den Rand eines Waldes ab, in dem Wild stand, um die Stelle zu erkunden, wo ein Rudel Muttertiere und Kälber ins Freie herauszutreten pflegte; da das Rotwild in der Regel abends, wenn es auf die Asung, und morgens, wenn es zu Holze zieht, und einen Tag wie den andern genau Wechsel hält, so bot das keine Schwierigkeiten. Hatte er sich so von dem Vorhandensein von Milchkälbern überzeugt und sich mit dem Wechsel bekannt gemacht, begab er sich morgens vor Tagesanbruch ohne Geräusch dorthin, lieſs die Hunde natürlich in solcher Entfernung am Waldrande anbinden, daſs sie beim Einwechseln des Wildes nicht auf-

¹) Cap. 9. ²) 9, 1: roue ube veoyrods Tdν ve od‿ν roν S»ο ãr raurhr päg ijr dar pypoyrar.§ 8: O!*⁵οε

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