Druckschrift 
3 (1890)
Entstehung
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12 Verschiedene Jagdarten. Die Hasenjagd).

Meist zog der Jäger in aller Frühe mit seinem Ingesinde zur Hasenjagd hinaus, denn schon mit Tagesanbruch sollten die Netze gestellt werden. War das Revier, das man ab- suchen wollte, bewaldet und das Gelände vielgestaltig, von Hohlwegen, Schluchten und Wasserläufen durchzogeu, dann kamen die kurzen und leichten Hasengarne in Anwendung, die man in allen Bodensenkungen und Falten, die der flüchtige Hase gern annimmt, und auf den Pässen zum Fange stellte. Auf weiten und offenen Ebenen spannte man das lange Zeug, auf gebahnten Wegen und von den durch das Getreide führenden Hasenpfädchen auf das rechts und links an dieselben anstoſsende Land das Jagdzeug mittlerer Gröſse: die Wegnetze. ²). Daraus ergibt sich die allgemeine Regel, der man folgte: Je sicherer die Richtung vorauszubestimmen war, die der Hase einschlagen würde, desto kürzer konnten die Netze sein.

Zunächst stieſs man die Stellstangen etwas schräg in die Erde und zwar derjenigen Seite zugeneigt, von welcher man den Hasen erwartete?), denn die auf der entgegengesetzten Seite angehängten Netze, wenigstens die schwereren, konnten die Stangen immerhin ein wenig nach dieser Seite ziehen; standen sie nun von vornherein senkrecht, so lag die Gefahr eines verfrühten Abgleitens der Zugleinen nahe. Zunächst schob man die Maschen nach der Mitte hin etwas zusammen, so daſs zwischen je zwei Stangen, wenn mehrere nötig waren, also namentlich bei dem langen Zeug, möglichst gleichviele Maschen) zu hängen kamen. Dann legte man die Oberleine auf die flachen Kerben oder Gabeln, befestigte, damit der eingefallene Hase den unteren Teil des Netzes nicht nach vorn mit sich ziehen und entkommen konnte,

¹) 6, 5 ff. ²) 6, 9: val εe τνν rοιμιν αds τα ασυναρρν. Alle mir bekannten Erklärungsversuche dieser Worte sind gesucht und thuen zum Teil dem Text Gewalt an: Dörner übersetzt, wie er selbst gesteht, aufs Gerate- wohlvor den Steigen an die Stellen, wo die Spuren zusammenlaufen Lenz:da wo die Stellwege(d. h. Schneisen) sich vereinigen, Weiske:an Orte, welche aus schmäleren Pfaden(in einen breiteren Weg) zusammenlaufen. Die Bedeutung von reοειιε hat Dörner zu 3, 7 mit grofser Wahrscheinlichkeit dargethan: es kann nichts anderes darunter verstanden sein als Pfädchen, wie sie die Hasen durch Getreidefelder anlegen. Diese Bedeutung ist an allen Stellen, an denen das Wort bei Xenophon vorkommt, zutreffend, überdieſs beweist 4, 9, dafs rouwot in der That nur auf angebautem Felde gedacht werden. Aber àxν 1. ze. heifst niemalsvor den Steigen, sondernvon den Steigen aus, giebt also hier den Ausgangs- und Anfangspunkt des Netzestellens an, das dabeistehende ie u⁵εevν dem ent- sprechend die Richtung. An der Bedeutung von ααραςνradas anstoſsende Gelände dürfte wohl kaum jemand Anstoſs nehmen. Vgl. 1( ouverjrexra(nε⁴τ) Herm. Hes. 444 s. dbyevetwco. Verbesserungsversuche dieser Stelle sind danach wohl überflüssig. ³) dno d xyνμera ᷣααι οσντονον 6, 7. ¹) 6, 7: Inl*ε dρe οαε rous Bodrous inεero at dμuν drεεειeετ, dalor s auoo röy zexoννσαα. Der Kürze des Ausdrucks wegen, um das Objekt nicht wechseln zu müssen, ist stattman lege die Zugleine oben auf und verteile die Maschen gleich- mälſsig nicht ganz zutreffend gesagtman lege die gleichen Maschen oben auf, weil mit der Leine zugleich diese gehoben wurden. Da wo Xenophon vom Stellen der tervsa und 2ꝛ αα spricht, sagt er: uerakv 1ονν αμααςemταν(zwischen den Saummaschen) tnt dxεαας εmπιναοω⁷ o 2eνπαοα‿ον, was den Vorgang genauer wiedergiebt. Sauppes Interpunktion 6, 9: nnrur ras altdas usraku rdν dασαςdeνν, eemnt Arxgæs ιαdaνeν rοuς mαερσοs ist nicht haltbar, da ein Durch- stecken der Stellstangen zwischen den Saummaschen das Herabfallen des Netzes unmöglich gemacht hätte. Die Be- merkung bei Xenophon 6, 8, man solle die Garne lang und hoch stellen, dafs der Hase sie nicht überspringen könne, erscheint als unglücklicher Zusatz; denn die Garne wurden sehr oft kurz gestellt, und die Höhe war ein für alle mal durch die Höhe der Stellstangen bedingt. UÜberdies heifst es an einer anderen Stelle: 5, 26 ff. dafs der Hase infolge seiner schwachen Sehkraft in das Netz falle, ehe er noch bemerkt habe, was es eigentlich sei.