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3 (1890)
Entstehung
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ist; folgende Gründe können für die letztere Auffassung sprechen: Unmittelbar nachher ist der gleiche Ausdruck( ⁴ανος) unzweifelhaft von der wagerechten Ausdehnung sowohl der Wegnetze als des langen Jagdzeugs gebraucht. Die Kürze dieser Netze braucht aber deshalb nicht aufzufallen, weil man diese Art meist an Orten stellte, die wenig Ausdehnung gestatteten, in Schluchten, Wasserrissen und ähnlichen ²¹). Es wäre endlich nicht recht zu begreifen, warum Netze, die alle demselben Zwecke dienten, durch Herabfallen einen Hasen zu fangen, in verschiedener Höhe angefertigt werden sollten, die Garne nämlich fünf Spannen oder 1,15 m hoch, die Wegnetze aber und die langen Netze höher; beide scheinen 1,5 m senkrechte Ausdehnung gehabt zu haben, worüber unten, und diese Höhe hatten darum wohl auch die Garne, deren Maschenweite überdies dieselbe war, wie an jenen beiden.

Die Wegnetze waren ein wenig stärker ²²) und wurden in einer Länge von 2, 3 und 5 Klafter oder von 3,70, 7,40 und 9,25 m hergestellt. Zur Angabe der Höhe dient bei Xenophon die Angabe der Knotenzahl in einer Maschenreihe, denn diese meint er jedenfalls, wenn er verlangt, die Netze sollten dreiſsigknotig sein; eine von dreiſsig Knoten gebildete Reihe enthält aber 10 Maschen(Fig. 1) und da auch hier die Maschen 15 cm maſsen, so ergiebt dies eine Netzbreite von 1,5 m. Diese Berechnung hat deshalb groſse Wahrschein- lichkeit für sich, weil die ermittelte Höhe vollauf dem Zwecke entspricht. Denn hier handelt es sich einerseits ausschliefslich um Netze für den Hasenfang, die nicht höher als 1 m hoch ein Drittel der Höhe ging für den Busen ab zu stehen brauchen, um so weniger, als der Hase blindlings hineinrennt und gar nicht an ein Uberspringen denkt, eine Erfahrung, die auch die Alten gemacht hatten, denn bei der Naturgeschichte des Hasen betont Xenophon ausdrücklich, daſs der Hase infolge seiner schwachen Sehkraft ins Netz falle, ehe er noch gemerkt habe, was es eigentlich sei. Andererseits durfte man die Breite der Netze nicht über das ausreichende Maſs ausdehnen, da dadurch zugleich der Transport für die Träger ganz unnötiger Weise erschwert wurde. Aus denselben Gründen entbehrt Dörners Berech- nung ²²), der eine Höhe von 7 ½ Fuſs rh. d. h. von 2 ¼ m. herausgerechnet hat, der Wahr- scheinlichkeit ²⁴).

Das lange Jagdzeug(d dixzrc), in etwa doppelt so starkem Bindfaden als die Garne hergestellt ²⁵), hatte dieselbe Höhe und Maschenweite wie die Wegnetze und wurde gleich- falls in verschiedenen Längen zu 10, 20 und 30 Klafter, d. h. ca. 18, 37 und 55 m angefertigt.

Die Saunetze ²⁶) waren aus Stricken geknüpft, die fünfmal so stark waren als das Garn der leichten Hasennetze, und noch um die Hälfte stärker waren die Zugleinen. Von

²1) 6, 5. ²²) Aus 12 Fäden. ²⁸) Anm. 9 zu 2. 6. ²⁴) Die groſse Verschiedenheit in der Berechnung erklärt sich dadurch, dafs Dörner, wie es scheint, sich die Maschen so gestrickt denkt, dafs zwei Seiten beim gestellten Netz senkrecht zu den Zugleinen stehen; so findet er aus 30 Knoten die Zahl von 15 Maschen, was nicht ganz genau ist, da 30 Knoten nur 14 Maschen bilden, und seine 15 Maschen ergeben jene Höhe. Ich nehme, gestützt auf die Grundbedeutung von dνυυ³αναν, schrägen Lauf der Bindfaden an und erreiche dadurch zugleich ein passenderes Resultat für die Höhe der Netze. ²⁸) 2. 5. ²⁸) 10. 2.