Druckschrift 
2 (1889)
Entstehung
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Xenophon einige Male, obgleich er selbst sagt, dafs dieser seinen Hund nicht gekannt haben könne¹²).

Der Hund des Xenophon ist ein Jagdhund im engeren Sinne, der des Arrian ein Windhund. Beide werden auf Hasen geführt, jener als Spürer und Hetzer bei der Netzjagd, dieser als Hetzer und Fänger ohne Anwendung von Netzen¹³); jener fängt wohl aus Zufall einmal einen Hasen¹⁴), diesem entgeht er fast nie, und wenn er ihm entgeht diese Stelle¹⁵) charakterisiert den ganzen Hund so ist das ungünstige Gelände: ein schützender Wald oder eine tiefe Erdsenke oder ein Graben daran schuld, der dem hindurchrennenden Hasen Deckung vor den Augen des Verfolgers gewährt. Denn dann ist er mit seinem Latein am Ende, weil er nur mit den Augen hetzt und ihm die gute Nase jener Hunde abgeht. Darum spricht Arrian nichts über das Gebahren seines Hundes auf der Fährte, während Xenophon sehr eingehend davon handelt ¹⁶); und während der griechische Hund seine Thätig- keit von dem Augenblick an beginnt, mit dem man das Jagdrevier betritt, hebt des andern Arbeit erst an, wenn der Hase durch die Jäger aus dem Lager gestoſsen isti?). Überdies stimmt die von Arrian sehr anziehend beschriebene Hasenjagd bis ins einzelne mit der Wind- hundsjagd, wie sie noch heute hier und da betrieben wird, überein.

Die Hunde Arrians sind keltischen Ursprungs und heiſsen Vertragi(0060τ0ά ,GĩƷ, dein keltischer die Schnelligkeit ausdrückender Name¹s), sie entsprechen also auch hierin unserm Windhund. In Kleinasien, dem Heimatlande Arrians, mögen sie im dritten Jahrhundert v. Chr. gleichzeitig mit der Niederlassung keltischer Wanderscharen bekannt geworden sein.

Eine genaue Nebeneinanderstellung der Rassenkennzeichen der beiden zur Hasenjagd gebrauchten Hunde, der lakonischen Kastor- und Fuchshunde und des gallischen Vertragus, wird den auch in der äuſseren Erscheinung groſsen Unterschied dieser Tiere zeigen und sich zugleich zu einer Würdigung der Feststellungen des xXenophon vom weidmännischen Stand- punkte aus gestalten. Denn während Arrian gar oft Dinge, die nach unserer Auffassung keinEntweder oder zulassen, als gleichgültig oder nebensächlich bezeichnet, ent- scheidet sich sein gröſserer Vorgänger für ein einziges Merkmal und gibt so der Sorgfalt des modernen Hundezüchters, dem es mit seiner Sache ernst ist, nichts nach.

Der Hund des Xenophon¹⁵). Der Hund des Arrian¹). 1. Allgemeine Erscheinung. Grofs und kräftig und wohlpröpor- Langgestreckt vom Kopf nach der

tioniert(doxνοασ τ Gυνμαμνε οι ₰⁴, 2). Rute hin(œο τꝛ d*επ ντέιαεα ενιν οεοσe Gesichtsausdruck freundlich(dmπα denn keins von allen Kennzeichen am Hunde- GV ·ͥñD α⁵eσασ⁵, 2). körper deutet so sicher auf Flüchtigkeit und

. ²²) 2, 1. ¹³) Arrian, cyneg. 2, 4. ¹⁴) Xen. 5, 29. ¹⁵) Arr. 2, 3. ¹⁶) 3, 4 ff. ¹*) 19 ff. ¹s) 3, 6. ¹⁶) 3, 1 3 u. 4, 1 8. Wo die nähere Bezeichnung des Paragraphen fehlt, ist 4, 1 gemeint. Fig. A stellt den Versuch dar, das Bild dieses Hundes, des lakonischen, nach Xenophons Angaben und den erhaltenen Bildern(vgl. Fig. 3 u. 4 und die eingehendere Erörterung unten!) zu vergegenwärtigen. ²⁰) Cap. 46. Das Bild eines Windhundes bei Brehm, Säugetiere I, p. 593 entspricht der Schilderung Arrians.