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und seinesgleichen Windhunde zu sehen, wenn auch die Schnelligkeit, die Fähigkeit den flüchtigen Hasen zu fangen, das Hetzen zu zweit dazu verleiten könnten.
Anders steht es, wenn wir ein halbes Jahrtausend überspringen und Xenophon, Gryllus' Sohn, zu Rate ziehen. In dem Bewuſstsein, daſs die schlechten Jagdhunde, die einem alle Jagdliebhaberei verleiten könnten ³), in der Überzahl vorhanden seien¹) und daſs nur die genaue Beobachtung der Rassekennzeichen bei der Erwerbung eines Hundes und bei der Anzuchtꝰ) vor Enttäuschungen bewahre, gibt er den Typus eines glatthaarigen Jagdhundes in seinen einzelnen„Points“ mit einer Sorgfalt, die der unserer heutigen Kynologen nur wenig nachgibt. Maſsgebend sollen seine Kennzeichen für diejenigen Hunde sein, die in Griechenland zu seiner Zeit auf der Hasenjagd mit Nutzen geführt wurden, die Kastor- und Fuchshunde, Namen, die zwar unterschiedene, aber nicht so verschiedene Unter- arten des glatthaarigen Hasenhundes bezeichneten, daſs nicht der von Xenophon aufgestellte Typus auf beide gleich gut gepaſst hätte. Der Name der Kastorhunde und seine Bedeutung ist schon erwähnt, den Namen der Fuchshunde, der dœůπεtdes, erklärt Xenophon daraus, daſs sie von Hund und Fuchs abstammten, fügt aber hinzu, daſs sich in der Länge der Zeit die Natur dieser Tiere vermischt habe, womit er wohl meint, daſs von dem Kuſsern des Fuchses nicht viel mehr an ihnen wahrzunehmen sei. Mit seinem Typus des Hundekörpers hat der des Fuchses wenigstens nichts gemein. Die ganze Ahnlichkeit wird sich auf die wohl am häufigsten beobachtete fuchsige Färbung(10 ⁴νια Tοο), die Xenophon unter die zulässigen Hundefarben rechneté), und den buschigen Schwanz beschränkt haben. Horaz nennt die lakonischen Hunde, denen die dl‿]erides zugehören?), rotgelbs). Es hat jener Jägerglaube keine gröſsere Berechtigung als die Annahme, die indischen Hunde stammten von Tiger und Hündin?), wenngleich die Kreuzung zwischen Hund und Fuchs nicht wie die zwischen Hund und Tiger in das Gebiet der Unmöglichkeit gehört¹e). Wir müssen an- nehmen, daſs die Liebhaberei an der roten Färbung die griechischen Jäger mit ganz be- sonderer Vorliebe von Hunden und Hündinnen dieser Farbe züchten liefs, so daſs diese die vorherrschende wurde.
Nach Xenophons Vorgang hat auch der Bithynier Arrian aus Nikomedia, unter Hadrian Statthalter von Kappadocien, in seinem Buch über die Jagd Rassenkennzeichen für einen Hasenhund aufgestellt, indem er seine Aufstellung derjenigen seines Vorgängers auf- pfropfte; da er aber einen ganz andern Hund als Xenophon dabei vor Augen hatte, sind seine Angaben keineswegs dazu angethan, Xenophon zu ergänzen oder zur Korrektur des überlieferten Textes zu dienen, wie man wohl angenommen zu haben scheint ¹¹). Arrian selbst hat nicht bedacht, daſs das, was bei der einen Rasse ein charakteristisches Zeichen der Reinheit ist, es nicht auch notwendig bei der andern zu sein braucht, und korrigiert
⁵) 3, 11: aAl roiνοτa uter oPd orεs dnorgeνyεaeν deν roς eννιαενυuras uvy²to. ¹⁴) 3, 2: Xætooue dt zat n Jetoue al Toια⁵ε, uurοα ν. r. 2. ⁵) Uber die Sorgfalt in der Auswahl der Zuchthunde vgl. auch Plato, rep. 5, 459, A. ⁴) 4, 7 f.*) Arist. h. a. 8, 28: 2½ dενο el de ot uxwwixot. 8) Epod. 6, 5: fulvus Lacon. ⁹) Herod. 5. 1. ¹⁰) Tschudi, Tierleben der Alpenwelt, p. 423. ¹¹) Vgl. unten p. 12, 3.


