— Wär' er derselbige noch an Gestalt und mutigen Thaten, Als wie Odysseus ihn, gen Troia schiffend, zurücklieſs, Sicherlich würdest du jetzo die Kraft und die Schnelle bewundern. Trieb er ein Wildbret auf im dichtverwachsenen Waldthal, Nimmer entfloh es ihm; denn er war auch ein weidlicher Spürhund.
Diese letzte Eigenschaft war um so notwendiger, als die dichten Waldungen das Wild den Blicken selbst eines schnellen Hundes jeden Augenblick wieder entzogen. Einem einzigen Hunde war es wohl selten vergönnt, eine Jagd selbständig zu Ende zu führen, wie es von Argus gerühmt wird; für gewöhnlich scheinen zu solchen Hatzen, bei denen die Hunde das Wild auch selbst zur Strecke brachten, zwei gehört zu haben, die mit Ausdauer „anhielten“, was bei Homer, da, wo er von zwei einen Hasen hetzenden Hunden sprichtꝰ), durch νεες e* ereiyer“„unablässig immerdar nachdrängen“ zum Ausdruck gebracht wird. Und wenn er die beiden Hunde eldre dijoœσ nennt, so betont er damit ein weiteres Er- fordernis, eine solche Jagd erfolgreich zu machen: Das bloſse Nachrennen that es nicht, die Hunde mufsten sich auch auf die besondere Jagdart verstehen, d. h. nicht nur durch Erfah- rung die Manöver kennen, durch die das Wild seinen Verfolgern zu entgehen versucht, sondern auch gelernt haben, ihnen durch planmäſsige Arbeitsteilung zu begegnen. Und wie Homer„stets diejenige Eigenschaft eines Körpers nützt, welche das sinnlichste Bild von der Seite erweckt, von welcher er ihn braucht“, so auch hier: Er nennt die beiden Hatzriden „.αυναdοve„scharfzahnig“, und ohne daſs er ein weiteres hinzufügt, wissen wir, daſs die Katastrophe bevorsteht: im nächsten Augenblick wird das schon in Todesangst klagende Tier(uενευ³⁶ε) eingeholt, von scharfen Zähnen gefaſst und zu Boden geworfen sein. Eine Tugend müssen diese Hunde aufserdem schon besessen haben, die Homer nicht erwähnt, die der Selbstbeherrschung: sie muſsten der Versuchung tapfer widerstehen, ein Stück anzu- schneiden, wenn sie es niedergerissen und gewürgt hatten. Konnten sie aber selbst eines Wildes, das nicht mehr fortkonnte und sich zur Wehr setzte, nicht Herr werden, muſsten sie es solange verbellen, bis der herbeieilende Jäger ihm den Todesstoſs gab.
Von jenem Argus heiſst es, daſs er auf wilde Ziegen, Hirsche und Hasen geführt, sei. Die zu dieser Jagd gebrauchte Hunderasse kam also auf der Saujagd nicht zur Verwendung, denn im anderen Falle wäre ein stillschweigendes Ubergehen dieses nach griechischer Auf- fassung edelsten Wildes bei Homer undenkbar. Es liegt nahe, daſs man zu diesem nicht ungefährlichen Jagdbetrieb eine besonders kräftige und mutige Rasse verwandte, die dem selbst zum Angriff übergehenden Keiler standhielt.—
Die wenigen und unbestimmten Züge, die Homer von seinen Hunden gibt, lassen keinen Schlufs auf das Auſsere oder nur die Art dieser Tiere zu; denn während der eine Zug einen Fingerzeig zu geben scheint, verbietet gleich ein anderer wieder der auf- steigenden Vermutung weiter Raum zu geben. So macht es das Hetzen im Wald, die gute Nase und die Treue, die eine zwanzigjährige Trennung überstand, unmöglich, in Argus
*) II. 10, 360 f. Vgl. I, p. 14.


