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betrieben. ²⁵) Erst in dieser Zeit, also erst durch hellenistische Anregung erhielten auch die Römer diese Passion, der sie bis dahin fast ganz ablehnend gegenübergestanden hatten. ²⁰)
Daſs die Jagd, wie zu allen Zeiten, auch früher oft nur des Vergnügens und gleich- falls zu allen Zeiten nur des Nutzens wegen betrieben wurde, ist ja natürlich. Das letztere geschah vor allen von den Landleuten, die das erbeutete Wild des Erlöses wegen in die Städte zu Markte brachten. ²7) Daſs diese damals wie heute die bei geringer Kunst und Anstrengung am meisten Erfolg versprechende Art des Fanges, z. B. mit Schlingen und Netzen, die sie zur Nachtzeit auf die Wechsel stellten, ²³) allen andern vorzogen, liegt in der Natur des erwerbsmäſsigen Zwecks. Insbesondere war für den Hirten der keulenähnliche, oben gekrümmte Stab, dessen er sich bediente, um zurückbleibende oder abirrende Tiere seiner Herde durch geschickten Wurf zur Pflicht zurückzurufen, ²*) eine überaus geeignete Waffe, um gelegentlich mit gleicher Geschicklichkeit einen aus dem Lager aufgescheuchten Hasen zu erlegen. Dieser Krummstab, von Homer αᷣοoν genannt, erhielt später, als der Jäger wohl dem Hirten seinen Gebrauch abgesehen hatte, den Namen 1 60, der ein Werkzeug bezeichnet, mit dem man den Hasen trifft, behielt aber bezeichnend genug diesen Namen auch da, wo nur der Hirtenstab darunter zu verstehen ist. ³⁰)
Dem modernen Jäger wird die Frage nahe liegen, wie sich sein griechischer Kunst- genosse den landschaftlichen Reizen gegenüber gestellt habe. Es ist klar, daſs die Jagd- liebhaberei einerseits gröſsere Freude an der Natur erweckt haben, andererseits selbst durch diese hervorgerufen sein kann. Aber in der ganzen Zeit vor Alexander dem Groſsen sind bei den Griechen überhaupt sichere Spuren einer bewuſsten Annäherung an die landschaft- liche Schönheit und darum auch die Freude an ihr nicht als Antrieb zur Jagd nachzuweisen. In der hellenistischen Zeit erscheint dagegen eine ganz veränderte persönliche Stellung des Menschen zur Natur,³¹) schwärmt ja doch sogar bei Theokrit der Cyklop für landschaftliche Reize,*²) und es wird daher angenommen werden dürfen, daſs jetzt die Jagdliebhaberei auch oft durch die Freude an der Natur wesentlich beeinfluſst worden sein kann.
Zum Schluſs bedarf die Frage der Jagdfreiheit noch einer kurzen Erörterung. Zum Fangen und Töten des Wildes war jedermann berechtigt. Damit aber die, welche nachts dem Wilde nachstellten und durch ihre Schlingen den Wildstand stark verringerten, den jungen Jägern die Jagdgelegenheit nicht schmälerten, bestand in Athen wegen der erzieh- lichen Wichtigkeit, die man der Jagd beilegte, die gesetzliche Bestimmung, daſs auf eine Anzahl von Stadien im Umkreis die Nachtjagd untersagt sei. ³³) Heilige Inseln, wie Delos,
²⁵) Grasberger, 3. p. 225; vgl. auch(die dem gleichnamigen Stücke des Atheners Menander nachgedichtete) Andria des Terenz ed. R. Klotz v. 26, wo es von den adolescentuli heiſst, daſs sie ihren Eifer darauf wenden, aut equos alere aut canes ad venandum. ²⁶) de Puchesse, de venatione apud Romanos. Paris 1869. p. 26 ff. ²⁷) Aristoph. Ach. 520 u. 878. ²⁸) Vgl. Plato Leg. 824 A. ²³⁵) II. 21. 844. 3⁰) Theokr. 4. 49; 7. 128. vgl. Poll. onom. 4. 120: 705 dε μ̈ ό G1eG⁹mτοσεοσσι ταχα̈ ασσαεꝙννςα α Lxαννιοε, 6 10 dyοοlxοιςσ εαέsοv. ³¹) Karl Wörmann, über den landschaftlichen Natursinn der Griechen und Römer. München 1871 p. 76 ff. ³²) Theokr. 6. ³³) Xen. cyn. 12. 7.


