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Jäger nennt Plato schlecht, der es nicht versteht, an ein Wild heranzuschleichen, sondern es aufscheucht und verjagt, bevor er es erlegen kann.¹⁴) Um einen festen Sitz auf dem Pferde zu gewinnen, um zu lernen von ihm herab die Waffen zu gebrauchen und das Tier selbst an schnellste Gangart auf mannigfachem Boden zu gewöhnen, wird von Xenophon ¹⁵) das Reiten auf der Jagd, da wo Jagdreviere Gelegenheit böten, empfohlen. Die durch häufige Jagdzüge beförderte Kenntnis des eigenen Landes wurde oben schon erwähnt.
Die innige Beziehung zwischen Jagd und Krieg fand auch bei der Namengebung der Jagdhunde Berücksichtigung, denn Iooeς(Schild), Xνσας(Lanzenschaft), Aöyxν, Aixur (Speer) u. a. werden genannt.¹6) War doch auch Artemis ανοεοσα mnicht nur Göttin der Jagd und des Wildes, sondern auch des wilden Jagens der Schlacht. ¹⁷) Plato ¹s) stellt die Jagd auf Menschen im Krieg(lνν νν εν⁶ϑυυισππ/ Ʒνποαων, v 2α μεέηα)„ neben die auf Wild, und Sophokles ¹⁸) gebraucht von dem den Fuſsspuren des Ajax sorgfältig nachfolgenden Odysseus die Ausdrücke dνᷣeeog und zvryyerd und läſst Athene sagen, sicher führe ihn sein Spähen zum Ziel, wie den lakonischen Jagdhund seine feine Nase.
Daſs diese ritterliche Beschäftigung nicht nur beiläufige Erwähnung in den Schriften der Griechen fand, sondern der Gegenstand einer besonderen ausführlichen Schrift des Xenophon aus Athen ²⁰²) geworden ist, auf die dann wieder spätere Autoren fuſsten, ist all- bekannt. Der Verfasser bespricht darin erschöpfend die Jagd auf Hasen und die Natur dieses Wildes, die Jagd auf Rot- und Schwarzwild, den dazu gehörigen Apparat und seine zweckmälsigste Verwendung, die geeignetsten Hunderassen, ihre Aufzucht, Pflege und Füh- rung, und ergeht sich zum Schluss in einer begeisterten Anpreisung des Nutzens der Jagd. Die ganze Schrift atmet den Geist eines echten Jägers, der in der Begeisterung für seine Kunst auch einmal über das Ziel schieſsen kann, wenn er die eifrige Uebung derselben als Grundlage aller Tugenden hinstellt. ²*) Wenn er aber seine Schrift mit der Mahnung an seine jungen Landsleute beginnt, die Jagd nicht zu verachten, ²²) so muſs es zur Zeit der Abfassung um den Jagdeifer derselben gerade nicht zum besten gestanden haben. Der lange pelopon- nesische Krieg hatte zuerst mit seinen feindlichen Einfällen, dann durch die Besetzung von Dekelea und schlieſslich gar durch die Belagerung der Stadt Jagdausflüge aus Athen oft auf längere Zeit unmöglich gemacht und dadurch bei vielen jägerische Neigungen gar nicht aufkommen lassen. Das aber, was sonst die Ausübung der Jagd auch unter nicht sehr günstigen Verhältnissen aufrecht erhalten hatte, die Jugenderziehung und mit ihr die Pflege der Gymnastik, die auch jetzt wieder belebend hätte einwirken können, war selbst in Verfall geraten. Abneigung gegen Körperübung(dνιυικηαασαια, über die Aristophanes ²³) öfters spottet,
¹4) Lysis 206 A: IIoεG 1G 00„ àν 9οαϑνε ϑοευνιιτmα εtα, st dνααααmσσσ ϑeενιαωιν εα Sασαιιαεεοιασν τiνν dοασπιπαοοο; iν τιραασαιοο. ¹⁵) IIeOl 1nl. 8. 10. ¹⁶) Cyn. 7. 5. 1¹7) Preller, I. p. 236. ¹⁵) Leg. 823 B. ¹⁸⁹) Aj. 1— 8. ²⁰) Xenophontis opera ed. G. Sauppe, vol. V.(edit. ster.) p. 254 ff. Kap. 1. 1— 17 und Kap. 13 gelten als Zusâtze, doch aus früher Zeit. ²¹) Cyn. 1. 18: dE d d ᷣemάꝶ εαάαανς»Oεᷣεν να eyeuν val dτεν. ²²) Cyn. 1. 18(s. Anm. 20). ²³⁸) Frösche 1101, Wolken 989.


