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mälsigen Berufes, die Wohlhabenden aber zur Beschäftigung mit der Philosophie, Reitkunst und Jagd angehalten hätten. Auf dem Boden dieser altattischen Anschauung steht Plato,) wenn er an den Gesetzgeber die Forderung stellt, sein Augenmerk auch auf die Jagd als ein wichtiges, erziehliches Moment zu richten, aber nur diejenigen Jagdmethoden als em- pfehlenswert zu bezeichnen, die eine Anspannung aller Kräfte erforderten. Jäger, die diesen huldigten, solle man ungehindert überall ihrer Lust fröhnen lassen, andern aber, die dem Wilde nachts mit Netzen und Schlingen nachstellten, allenthalben das Handwerk legen. Einen andern nicht zu unterschätzenden Vorteil der Jagd neben der körperlichen Ausbildung sieht er in dem Umstand, daſs die jungen Männer bei der Ausübung derselben überall im Lande herumkämen, dadurch ihre Heimat genau kennen lernten und deshalb im Falle eines feindlichen Einfalls schätzenswerte Dienste leisten könnten.“) Das Zurücklegen weiter Ent- fernungen war freilich besonders für den athenischen Jäger schon früh Bedingung, wenn er ausgiebige Jagdreviere erreichen wollte, da die nächste Umgebung der Stadt schon nach dem peloponnesischen Krieg überaus arm an Wild gewesen sein muſs, denn selbst einen Hasen zu finden war nicht leicht. ¹0) Daſs das Lichten der Wälder, das teils durch die weitgehende Benutzung des Bodens zu landwirtschaftlichen Zwecken, teils durch den groſsen Bedarf an Schiffsbauholz veranlafst war, die grölseren jagdbaren Tiere, wie Hirsche, Sauen und Rehe, schon sehr früh aus der Umgebung der attischen Städte vertrieb, bedarf kaum eines Hin- weises. Unter diesen Umständen war für die Pflege und die Erhaltung des Jägergeistes die Verbindung der Jagd mit den übrigen Zweigen der Ephebenausbildung von groſser Wichtigkeit. Auch die Benutzung der Epheben zur Grenzwacht ist in dieser Beziehung nicht ohne Bedeutung, da mit den militärischen Streifzügen auf Attikas Grenzgebirgen gelegentlich wohl auch Jagden abwechselten. Das Vorkommen von Hunden auf Vasen- bildern, die die„Ausrüstung attischer Epheben zur ersten Kriegsprobe der Grenzbewachung“ anschaulich machen sollen, kann darum nicht befremden. ¹¹)
Bei dem Hineinziehen der Jagd in den Rahmen der gymnastischen Ausbildung war hauptsächlich der Hinblick auf die Erlangung kriegerischer Tüchtigkeit maſsgebend. Sie galt als vortreffliche Vorschule zum Krieg ¹²) und ward als solche geprieſsen, denn sie ver- leiht, wie Xenophon ausspricht, ¹) dem Körper die Kraft, auf beschwerlichem Weg unter der Last der Waffen nicht zu ermatten, härtet ihn ab gegen alle Unbilden des Wetters und hartes Lager, weckt und schärft die Sinne und befähigt sie, sich in waldigen Gegenden oft zum Heile des Heeres unter schwierigen Verhältnissen zurechtzufinden.¹³) Der Seele giebt sie Mut und Entschlossenheit, dem Geiste Verschlagenheit und Erfindungsgabe. Den
⁵) Leg. 822 ff. Fischfang und Vogelstellerei nennt er eine träge und nicht sehr edle Jagd(eine doyde rod und einen à0½ σσρςα dενιει⁵³. ⁹) Leg. 763 B. ¹⁰) Nausicrates b. Meinecke 3: (&y Auτνν*—) dαπσπν εέᷣνοεενν 6oτνν d xα d601»„. 11¹) Grasberger 3. p. 91. vgl. Gerhard, A. V. 4. Taf. 267. ¹²) Xen. de rep. Lac. 4. 7: sie befähigt Gορασαιισατιις ττυνοναι πηοςεςσεε. Cyn. 1. 18: 2νo rοιτσνν(sc. æννεινν) pdoο*πινονται τ eis 20 01⁴ον dναoi. Athen. I. c. 19. p. 24 C.: d ευν νηυννννεοεςα ε eεÆiαιν oi*εμοι σQOεσ μεdεντμmν Ʒυνντ τεινιιόανmυπι⁵⁶ινιινν ¹³) Cyn. 12. 1—5.


