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Recht sieht Grasberger in den Worten des Isokrates,²) daſs die Spartaner ihre Knaben täglich sogleich vom Nachtlager weg angeblich auf die Jagd, in der That aber auf Be- stehlung der Landbewohner ausschicken, eine„gehässige Uebertreibung“ nachbarlicher Eifer- sucht, und macht aus der in Xenophons Cyropädie vorliegenden Schilderung der Dienst- leistungen persischer Jünglinge, in der er ein spartanisch-attisches Vorbild erkennt, den Rückschluſs auf hellenische Verhältnisse. Dort heiſst es,) daſs die Knaben sich bis zum sechzehnten oder siebenzehnten Jahr unter der Leitung ihrer Lehrer bilden, von da an als Epheben in leichter Bewaffnung zehn Jahre, sowohl um Wache zu halten, als um der Zucht willen dienen.„Wenn der König auf die Jagd zieht, so begleitet ihn die Hälfte dieser Wache und jagt bei schmaler Kost unter seiner Aufsicht; denn die Jagd halten die Perser für die beste Vorbildung zum Kriege.“ Was die Beschäftigung der den Jünglingsjahren entwachsenen hellenischen Männer betrifft, so hebt Xenophon ⁴) den Unterschied der auf sie bezüglichen Institutionen bei den Spartanern und andern Hellenen hervor, indem diese sie, abgesehen von der Heranziehung zum Felddienst, der Sorge für die Erhaltung der Körper- kraft enthöben, Lykurg aber ausdrücklich verlange, daſs sie die Jagd als die ehrenvollste Beschäftigung für Männer ihres Alters ansähen und ausübten, wenn nicht öffentliche Ange- legenheiten davon abhielten. Alle andern Hindernisse, die der fleiſsigen Ausübung der Jagd hätten entgegenstehen können, waren so weit als möglich beseitigt. Während sonst die Bestimmung, dals jeder Spartiate der gemeinsamen Mahlzeit beiwohne, überaus streng gehandhabt wurde, war die Jagd eine genügende Entschuldigung des Ausbleibens und stand als solche mit einem den Göttern dargebrachten Opfer auf einer Stufe; ⁵) und damit auch der Mangel an Hunden einen Jagdausflug nicht hindere, war es Brauch, daſs der Jagdlustige einen Hundebesitzer zur Teilnahme aufforderte und dieser sich entweder anschloſs, oder, wenn er keine Zeit hatte, wenigstens seine Hunde mitgab. ⁵)
Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daſs die Jagd zur Zeit der Blüte der nationalen Gymnastik nur neben dem Besuch der Gymnasien und nicht ausschlieſslich und als einzige Leibesübung betrieben wurde. Bei dem athenischen Epheben verkürzte sich die für Jagd- ausflüge zur Verfügung stehende Zeit noch wesentlich durch die rege Beschäftigung mit anderen Künsten und Geistesübungen, die in dem Erziehungsplan seines spartanischen Alters- genossen nur eine sehr bescheidene Rolle spielten. Trotzdem war man sich auch in Athen der Wichtigkeit der Jagd als einer Veranlassung, jede in der Ringbahn gewonnene Fertig- keit zu festigen, vollauf bewuſst. Isokrates,*) zu dessen Zeit der Verfall der alten, streng durchgeführten Gymnastik längst besiegelt war, rühmt von den Vorfahren, daſs sie auf eine richtige Anleitung des Jünglingsalters bedacht, die Armeren zur Ergreifung eines erwerbs-
²) Panath. c. 84,§ 211 ff. Grasberger p. 100, ³) Cyr. 1. 2. 9. Grasberger III. p. 88. ⁴) de rep. Lac. 4. 7. ⁵) Plutarch, Lykurg. 12. 5: EEiſ„doorlxον ⸗deεμeeν, de Hασασς αςι˙ vvν dυιεε⁸, 10 ⁸ dε λαοιααο ⁸⁴dει απάαιεεναι ⁶) Xen. de rep. Lac. 6. 3: æl*ευννανιυ ςσ ϑφeοευντιιιν quithe(sc. Auunνοο) 20ενόαeνν υοεςσ ο μάϊνspddsονμμνεννοι πμμαιαρααονσm εαν hö*συ ϑεέ οe⁴ aαισς G. ½ν⁴ντꝙ—ές εένιεμραε. ⁷) Areop. ed. Hermann§ 45.


