14
verwundeten Keiler anspringen, aber so oft er schlagend herumfährt, zur Seite weichen. ¹) Geradezu überraschend ist in allen diesen Bildern die Treue und Schärfe der Beobachtung, denn da findet sich kein Zug, der nicht wohlerwogen ist und wesentlich zur Anschaulichkeit beiträgt, keiner, der nicht mit der Natur übereinstimmte, ja mancher, der an sich unbedeutend erscheinen könnte, veranlaſst den mit den Lebensgewohnheiten des Wildes vertrauten Leser zur Annahme, daſs der oder die Dichter, welches auch immer der Ursprung der Gedichte gewesen sein mag, selbst eifrig dem Weidwerk obgelegen haben. Wenn 2. B. Camman ausspricht, daſs Homer vom geängsteten Hasen sage, er laufe meckernd 1ρκια⁴ει vor den ihn verfolgenden Hunden her, und deshalb an einer Bekanntschaft des Dichters mit den Dingen der Jagd zweifelt,³) so unterscheidet er sich eben dadurch von dem Dichter, daſs dieser die Eigenschaften der Hasen recht wohl kannte, jener aber sicher nie in der Lage war, das quäkende Klagen des geängsteten Tieres zu hören, das es wirklich. auch ohne ver- wundet zu sein und ohne schon die Zähne des Hundes zu fühlen, in der Not und Todes- gefahr ausstöſst, wenn ihm kein Rettungsmittel mehr zur Verfügung stehté). Mæεε ist darum trefflich gewählt, ist aber natürlich nicht durch„meckernd“ sondern durch„quäkend“ oder durch„klagend“ wiederzugeben. Homer behält umsomehr recht, als er in unserer Stelle ausdrücklich von zwei Hunden spricht, und zwar von solchen, die sich auf die Jagd verstünden. Denn auch zwei Hunden gelingt es nur selten, einen Hasen in solche Ver- legenheit um einen Ausweg zu bringen, dals er in der Verzweiflung sein Angstgeschrei hören läſst, es sei denn, daſs sie, auf die Hasenhetze gleich unsern Jagdwindhunden dressiert, gelernt haben, das Wild trotz seiner geschickten Manöver dadurch in die Enge zu treiben, daſs der eine verfolgt, der andere, etwas zurückbleibend, ihm, falls es einen Haken schlägt, den Bogen abschneidet. Schnelligkeit, die zu dieser Jagdart Haupterfordernis ist, wird ja als Kardinaltugend der Jagdhunde erwähnt.
Spricht schon der grosse Reichtum an Bildern, die dem Jägerleben entlehnt sind,?) für das Interesse, das der homerische Grieche an der Jägerei nahm, so tritt doch sein weid- männischer Geist in das schönste Licht durch das Verhältnis zwischen Jäger und Jagdhund. Ist das Verhältnis zu den Haustieren überhaupt ein fast vertrauliches und inniges,s) so ist es dies ganz besonders zwischen dem Weidmann und seinem treuesten Gehilfen. Dieser gegenseitigen Anhänglichkeit ist ein Denkmal von unvergänglichem Werte durch die innig empfundene Erzählung vom Tode des Hundes Argus ⁹) gesetzt, den Odysseus, ehe er nach Troia zog, selbst zur Jagd aufgezogen hatte. Seitdem er, von Alter stumpf, nicht mehr
4) Ilias 17. 725. ⁵) E. L. Camman, Vorschule zur Iliade und Odyssee, Leipzig 1829, p. 373 zu Il. X. 360 ff. Vgl. dagegen die Bemerkung von E. Buchholz, die homerischen Realien, II. 1. p. 160; 6G d' öre„αονιαιdοννε dic e, 8166 6 ον,*1*έιααν ⁴ρι‿έ 1ανον ενεleνεον εειπμεee ale!’ 76500» de d1ννέννν, 6 d 1ε 10096% ιάαQ66, z. x. 1. 0 t bezieht sich natürlich nur auf das maskul. 7..e6ν. ⁶) von Wildungen, Gesammelte Schriften für Jäger und Naturfreunde. Cassel 1879. II. p. 129; Brehm, Säugetiere II. p. 464.*) Über andere nicht minder zutreffende Züge siehe den zweiten Teil dieser Abhandlung. ⁸⁴) Buchholz II. p. 133. ³⁹) Odyssee 17. 290 ff.


