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1 (1888)
Entstehung
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das Gemälde, auf dem zwei Jünglinge an einer über ihre Schultern gelegten Stange ein erlegtes Wildschwein, an den Läufen aufgehängt, nach Hause tragen.⁵⁰) Einen Fuchs, ein in der ältesten Kunst überaus selten dargestelltes Tier, sehen wir im Fuſseisen gefangen auf einem Vasengemälde aus dem vierten Jahrhundert.5*) Sehr zahlreich sind die Darstellungen von Jagdtieren und Hunden, die auf den Gefäſsen meist auſser Beziehung zum Hauptbild nur des reicheren Schmuckes wegen, namentlich auf den Binden angebracht sind. Von diesen sind die Darstellungen von Hunden am wichtigsten, da wir durch sie in den Stand gesetzt werden, zugleich gestützt auf die schriftlich überlieferten Merkmale, eine Vorstellung von dem Auſsern der gangbarsten Hunderassen zu gewinnen.

Der Beliebtheit der Jagd und dem Werte, den man auf die Geschicklichkeit in dieser ritterlichen Kunst legte, entspricht es, daſs sich vornehme Griechen zuweilen auch auf der Jagd begriffen darstellen lielsen. Lysippos und Leochares fertigten eine Gruppe von mehreren Bronzestatuen, die Alexander den Groſsen auf der Löwenjagd darstellten,?²) unter den Werken des Euthykrates, eines Sohnes des Lysippos, wird die Statue eines Jägers und mehrerer Jagdhunde erwähnt ⁵³), und von einer langen Reihe von Künstlern aus der Zeit zwischen Phidias und dem Beginn der neuen Zeitrechnung wird berichtet, daſs sie Jäger in Erz gebildet,) und von dem berühmten Toreuten Akragas, daſs seine Jagddarstellungen auf Bechern groſsen Ruf genossen hätten. 5⁵)

Die Stellung der Jagd im Leben des homerischen Griechen.

Die homerischen Gedichte, die uns ein getreues Bild der Lebensverhältnisse geben, in denen wir uns die hellenischen Stämme vor der groſsen Wanderung zu denken haben, sind überaus reich an anschaulichen Vergleichen, die, dem Wild- und Weidmannsleben ent- lehnt, namentlich zur Belebung der Kampfesschilderung dienen und demgemäſs am häufigsten in der Ilias und hier wieder in den Teilen angetroffen werden, die sich mit den tapfern Thaten der hervorragenden Helden beschäftigen. So wird Hektor im Kampfgewühl dem Wildeber im Getümmel der andringenden Meute,¹) und wenn er die Troer zum Angriff auf die Achäer anfeuert, dem Jäger verglichen, der seine Hunde auf das Wild hetzt.*) Der von Kampfeslust glühende Diomedes gleicht dem angeschossenen Löwen ³) und die Troer, die sich dem langsam zurückweichenden Ajax nachdrängen, den Hunden, die wütend den

50) Panofka, Bilder, V. 2. Millin, Peint. d. Vas. Pl. 18. Wieseler, I. 212. Weisser, 29. 4. 51) Panofka, Musée Pourtalès-gorgier Pl. 29. Stephany, 1870, IV. p. 178 ff. 5⁵²) plut. vit. Al. 40. Plin. h. n. 34. 63: nobilitatur Lysippus canibus et venatione. ⁵³) Plin. 34. 66. 5⁵⁴) 34. 91. 55) 33. 155: Acragantis et venatio in scyphis magnam famam habuit.

¹) Ilias 12. 41.*) 11. 11. 292.*) II. 5. 136.