Druckschrift 
1 (1888)
Entstehung
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Heiligtümer ¹⁶) und Bildsäulen ¹⁷) und überall waren ihr die Tiere der Jagd heilig und lieb, vor allen aber die Hirschkuh, die auch als ein sehr gewöhnliches Attribut der Göttin erscheint. Ihr galt in Athen das Fest der Elaphebolien im ersten Frühlingsmonat, das Fest der Hirch- jagd, an dem ihr Hirsche geopfert wurden,) und ohne Zweifel gingen in der ältesten Zeit, als noch Hochwildreviere in Attika bestanden, Hirschjagden der Feier voraus. Das Programm eines solchen Artemisfestes im kleinen liegt uns in einer Schilderung Xenophons vor, ¹⁹) der zur Zeit, als er, aus Athen verbannt, in Skillus nahe bei Olympia wohnte, von Beutegeld, getreu einem auf dem Rückzug aus Hochasien gethanen Gelübde, der Göttin Artemis ein Stück Land kaufte, einen Altar und Tempel errichtete und alljährlich mit den Bürgern und Ortsnachbarn, Männern und Weibern, der Göttin ein Fest feierte, an dem ihr unter andern Opfern auch Hirsche, Rehe und Wildschweine dargebracht wurden. Hierzu wurden vorher von den Söhnen des Stifters, von Bürgern aus Skillus und jedem, den die Lust trieb, im heiligen Bezirk selbst und der benachbarten Pholoe, einem Zweig des Erymanthosgebirges auf der Grenze zwischen Elis und Arkadien, Jagden veranstaltet, deren Strecke recht be- deutend gewesen sein muss, da auch die zahlreichen Festteilnehmer, die zu Fuſs und zu Wagen zusammenkamen, Anteil an dem Wild erhielten. Dieser Wildbretschmauſs und die vorher- gehende Jagd werden wohl nicht geringe Anziehungskraft ausgeübt haben. Uebrigens gab jeder Jagdtag dem griechischen Weidmann Gelegenheit und Anlaſs, Artemis anzurufen und ihr einen Teil der Jagdbeute ²⁰) oder, der Grösse des Wagnisses und ersehnten Jagdglückes entsprechend, wohl auch gröſsere Ehren zu geloben.

Es erübrigt noch, einer Heldensage zu gedenken, die mehr als alle, die in Griechen- land im Schwange waren, Verbreitung und Beliebtheit genoſs, der Sage von der kaly- donischen Jagd. Wenn ihr auch vielleicht eine ähnliche Naturdichtung zu Grunde liegt, wie den oben erwähnten, da der wütende Eber im blühenden Saatfeld das natürliche Bild der Landplage ist, so ist diese doch durch das höhere Interesse an den Personen, ihren Jagdthaten und Leidenschaften verdrängt und lag dem Bewulstsein der Zeit, aus der die älteste bekannte Fassung ²¹) stammt, jedenfalls schon fern. Vor dieser Fassung, die sie bereits mit dem Heldengedicht von Meleager verknüpft, war sie sicher in Griechenland durch Lieder gefeiert. Um das von der erzürnten Artemis in die gesegneten Fluren und Wein- berge des ätolischen Kalydon gesandte borstenumstarrte, mit gewaltigen Hauern bewehrte Wildschwein zu jagen, kommen aus vielen Gegenden und Städten von Hellas die mutigsten Jäger mit ihren Hunden. ²²) Ihre Zahl, die Homer nur im allgemeinen als eine grosse an-

¹16) Paus. 1. 19. 6 in Athen, 7. 26. 10 f. in der wild- und waldreichen Gegend von Phelloe in Achaja: vε‿ οσαα ⁵μαεεοαςν*π ᷑οασσι ϑοωννς ε eiαα ακᷣ ϑοα, ᷣ2œρ νάα νςσ e⁰νοιοο. Die Zuhl ihrer Heiligtümer übertraf selbst jene Apollos. ¹⁷) Darstellungen der Artemis bei Wieseler, Denkmäler II, p. 70 91 und Taf. XV XVII. ¹⁸) Becker, Anekd. 249. ¹⁹) Anab. 5. 3. 7 13. 2²⁰) d. ven. 6. 13: val uεαeνμμενο τmν Moενιε τꝶνmἀooνοσσ εμεᷣͥdodat ijg 9iæeν. ¹. 4. 7O ist hier die Jagdbeute wie Od. 9. 158 ali†νασ ,ε⁶αμφμςε%ς μένοεααιέςα ϑeονν. 2²¹) II. 9. 529 fl. ²¹²) II. 9. 544: Ms44ανο 710116c En 10110]Oτοοασς ⁴έeν οας dysloes] νναe&.