Druckschrift 
1 (1888)
Entstehung
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Auf einem schönen Vasengemälde,¹⁰) auf dem sie im Flug einen Hasen verfolgt, haben dem Künstler vielleicht beide Beziehungen vorgeschwebt, und sicher nicht mit Unrecht sieht Stephany ¹¹) in einer Flügeljungfrau, die sich einem Reh traulich nähert, dieselbe Personi- fikation. Das Vorkommen auf Vasengemälden und die Fassung der Kephalossage bei Ovid bürgen dafür, daſs die Verknüpfung der Aura mit dem Jagdleben nicht erst von Nonnos erfunden ist.

Wie Kephalos die Personifikation des Morgensterns, so ist der riesenhafte, gewaltige Orion, der wilde Jäger des griechischen Himmels, die des Sternbildes, dessen volles Erscheinen am winterlichen Himmel rasende Stürme und wildes Wetter¹²) begleiteten, so ist Artemis, die über Bergeshöhen und durch Thalgründe stürmende Jägerin, die ihre goldenen Pfeile durch das Laub des Waldes dem fliehenden Wild nachsendet, der Mond, der über Höhen und Gründe sein Licht gieſst, dessen Strahlen durch das Laubdach dringen und auf den feuchten Wiesen und über den Quellen des Waldes erzittern. Sie wurde zur Göttin der Wälder und Berge und der Jagd und gern verweilte das Weidmannsherz bei der Schilde- rung ihrer Schönheit und hohen Gestalt, durch die sie über die Nymphen der Berge, ihr ständiges Jagdgefolge, emporragt. So tritt uns ihr Bild bei Homer ¹³) entgegen.

Als Göttin der Jagd wurde sie entsprechend der Beliebtheit und allgemeinen Ver- breitung dieser Beschäftigung von Griechen aller Stämme und in allen Städten, auf Bergeshöhen und in Thälern, in schattigen Wäldern und heiligen Hainen verehrt.¹¹) Dem entsprechen ihre ungemein zahlreichen, der Jagd und den Jagdrevieren entlehnten, teils all- gemein gebräuchlichen, teils örtlich eigentümlichen Beinamen. ¹⁵) Ueberall standen ihre

¹1⁰) Stephany, 1867 p. 88. 1¹¹) Stephany, 1862. Taf. I. No. 8. ¹²) Preller I, 351. ¹³) Od. 6. 102 ff. ¹⁴) Menander, d. encom. 1. 3 sagt von dem Dichter Alkman, daſs er von unzähligen Bergen und Städten die Artemis angerufen habe. 15) Als Göttin des Wildes und der Jagd ist sie ganz allgemein d οοταενοσαdie Jägerin(Paus. 1. 19. 6; 41. 3; 7. 26. 3; Arrian, de venat. 32,), die nicht nur selbst im schattigen Gebirge und auf luftigen Höhen am Jagen sich ergötzt, daſs rings die Bergesgipfel und der dichte Wald laut widerhallen(Hym. Hom. ed Baumeister 27. 4 ff.), sondern auch Sterbliche in der Kunst unterrichtet, alles Wild zu treffen, das der Bergwald nährt(Il. 5. 51), sie ist naturgemäls 710 900die Herrin der Tierwelt(II. 21. 470), die Wild- und Hirschtöterin 9 006 ½(Eur. Herc. fur. 378), 900xν 16(Iph. A. 157, Arist. Lys. 1262) und Aορᷣ⁶ος(Hym. 27. 2. Soph. Trach. 214. Kallim. Dian 262), wie auch der sterbliche Jäger II. 18. 319 à4.α.eαόη*ςο⁶σςο oαμη heiſst; dieselbe Bedeutung hat ε1νσ(Kall, Dian. 190), denn E440g ist der junge Hirsch(Od. 19. 228);&lα†ραæ hieſs sie in Elis(&* τνν ε2ααι, ⁸εαι ϑννεεν, 1* ,& Paus. 6. 22. 10 f.) diæruvvα in Sparta(Paus. 3. 12. 8; 24. 9), wobei vielleicht an die Verwendung der Netze zur Jagd gedacht wurde; andere Epitheta sind 9 000½0 1dem Wild auflauernd, nach Wild ausspähend(Hym. 27. 11),&iGxO0&(Plut. quaest. graec. 47), αό ναοdie ferntreffende(Hym. 9. 6), 10x½61œdie Pfeilschützin(Od. 6. 102, Hym. 27. 2), vαeνςdie Jägerin(S. El. 563. Aesch. Ag. 678) und xε2ααeειννσπ(II. 16. 183, Hym. 21. 1) die Lärmende, denn 10¼ιέε(d)⁴νοννοᷣι ευυν*‿νν έιν, Laxer" εꝓιι dϑαἀασσ d1 deuεεν υeυ 21Gꝓνν ϑ0(21. 6 ff.). Vgl. Poll. V. 9:* ⁴οπειιις eνιεεοαα νσα ννννέυαςι τα †ρ●⁴oνσφο za 69i ⁶νστ τ⁶ιν 6ονν νααάχ dæic dνπ zi Iy ead diuruvoh dντ νυ dιινυν να ννςο⁵οο me⁷⁶ 1 Lrν oia Sdldetr zudl 1oddd dνναœα ϑαε. Bei Nonnos finden wir sogar, wohl

erst eine Frfindung des Dichters, foxéανοσσ 1..ꝓαάιοοdie Hasenjägerin. Vgl. den Index zu Paus. ed. Schubart unter Diana. 2