Druckschrift 
1 (1888)
Entstehung
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Der eifrige Jäger Kephalos, der vor Tagesgrauen hinauszieht und in der erfrischen- den Kühle des Morgens das Revier durchstreift,²) wird zum Symbol des Morgensterns, der über dem Bergwald strahlend aufsteigt,²) und da die Morgenfrische den Weidmann besonders begünstigt und die männliche Lust und Thätigkeit des Jagens fördert, so erscheint im Mythus Eos, die Göttin des Frühlichts und der Morgenröte, zu rüstigen Jägern in Liebe entbrannt, und Kephalos wird von ihr entführt.¹) In der Weiterentwickelung der Kephalossage, die wie alle Heroensagen ein weites Feld für Neudichtung bot, und das Gemüt der Dichter und bildenden Künstler) zu allen Zeiten beschäftigte, erfährt auch die frische, leicht wehende Luft, das Element, in dem sich der Jäger bewegt, Berücksichtigung. Ovid, der nach griechi- scher Quelle den durch ihre Eifersucht herbeigeführten Tod der Prokris, Kephalos' Gemahlin, nachdichtet,) läſst diesen nach anstrengender Jagd sich nach Kühlung sehnen und den frischen Luftzug(aura), der ihm die erhitzte Brust kühle, herbeirufen. Aura ist aber lateinisch wie griechisch die Bezeichnung der leicht wehenden Luft und zugleich weiblicher Eigenname, und Prokris, die von argwöhnischer Eifersucht gequält Kephalos zum Walde gefolgt ist, stürzt, eine Nebenbuhlerin vermutend, herbei und wird, ein Opfer des Irrtums und ihrer Leidenschaft, von dem nichtsahnenden Gatten, der seinen Jagdspeer in der Richtung des von ihr verursachten Geräusches entsendet, tötlich verwundet. Bei Pherekydes?) wird die- selbe unheilvolle Verwechslung durch das Herbeirufen der die Sonnenstrahlen abwehrenden Wolke(eoHεαmν) herbeigeführt. Um aber seinen römischen Lesern verständlich zu bleiben, muſste Ovid einen andern Namen wählen, der zugleich griechisch und lateinisch war und ebenso wie Nephele eine doppelte Deutung zulieſs. Auch sonst finden wir Aura, die Personifikation der erquickenden Luft, in Beziehung zur Jagd. Sie erscheint ebenso wie Nephele unter den Gefährtinnen der Jagdgöttin Artemis und mit ihrem Mythus und dem Jag dleben eng verknüpft,s) denn die leichtwehende Luft ist für den Jäger von nicht geringer Wichtigkeit, da sie ihn nicht nur beim heiſsen Verfolgen des Wildes erquickt, sondern, was wichtiger ist, auch das Lager des Wildes finden läſst, da sie seinen Hunden die Witterung zuträgt. Bei Nonnos, der ihr Bild ins einzelne ausmalt, ist sie die Lenkerin des mit Rehen bespannten Wagens der Artemis und zugleich schnellfüſsige Jägerin, denn mit Windeseile setzt das gehetzte Wild durch Wald und Flur.?) Darum erscheint auch Aura geflügelt.

²) Ovid. met. 7, 804: sole fere radiis feriente cacumina primis venatum in silvas iuvenaliter ire solebam. ³) Preller II, 145. ¹) I, 344.) Die Entführung durch Eos Eurip. Hippol. 454. Häufig haben sich die bildenden Künstler, namentlich des 4. Jahrhunderts, mit dem Jäger Kephalos beschäftigt, Pausan. ed. Schubart, 1. 3. 1, 3. 18. 12, besonders oft aber haben die Verfertiger der Vasengemälde dieser Periode seine Entführung durch Eos dargestellt, indem sie durch entsprechende Zuthaten ihn als auf der Jagd begriffen kennzeichneten. Stephany, comte-rendu de la commission impériale archéologique (St. Pétersbourg) pour l'année 1867, p. 87 f. O. Jahn, Archäol. Beiträge, 93 ff. Ed. Gerhard, Aus- erlesene griechische Vasenbilder hauptsächl. etrusk. Fundorts. Berlin 1844. III, 39. 33. Roulez, choix d. v. peints. t. 6.) Met. 7. 804 ff.*) Schol. z. Odyss. 11. 320: ³ Negsi* ανοασαꝙννοο. 85) Ovid. Met. 3. 171, Nonnos, Dionys. XLVIII. 238 978.) Nicand. Ther. 453: vεεεαεντια 2αeσν vergl.

mit dνεένσνεσςσσ auο Va Trach.(Nauck) 953; sogar εο αωυάων Hesych. Der Hund der Atalante heilst Aoοα Poll. V.