Über die Jagd bei den Griechen.
D1104, 10 1⁸Oονυ(ςοων'νqõᷣ☚. Xen. mem. 3, 11, 7.
Die nachfolgende Abhandlung wird sich mit der Jagd bei den Griechen in der Weise beschäftigen, dass ihr erster Teil im allgemeinen die Stellung, welche dieselbe im Leben des Volkes einnahm, der zweite das Wild, der dritte die Ausübung der Jagd, den gesamten Jagdapparat und seine Verwendung bespricht.
Erster Teil. Von der Stellung, welche die lJagd im Leben der Griechen einnahm. —— 4 Die Jagd in der Götter- und Heroensage, im Kultus und in der bildenden Kunst der Griechen.
Altgriechische Naturdichtungen, welche auffallende Erscheinungen der Natur gern im Bilde riesenhafter Tiere des Waldes und kraft- und mutbegabter, über das gewöhnliche Mals menschlicher Natur hinausragender Jäger vorstellten, zeigen, daſs die Jagd im Vor- stellungskreis des griechischen Altertums eine hervorragende Stellung einnahm, wie es dem Leben in den vielen Gebirgen und Wäldern des Landes entsprach. Der ungezügelte Berg- strom Erymanthus, der im Winter und Frühjahr wie die meisten griechischen Gebirgswässer Bäume entwurzelnd und Felder verwüstend vom gleichnamigen Waldgebirge an der Nord- grenze Arkadiens ins Thal brauste, erschien dem mit den Freuden des Weidwerks erfüllten Volksgeist Arkadiens als riesiger Wildeber, der, aus dem Waldesdunkel des Gebirges her- vorbrechend, die Arbeit des Landmanns zu nichte machte, und dementsprechend erschien die Glut der Sommersonne, unter deren verzehrenden Strahlen die Gewalt des Stroms all- mählig erlahmte, so daſs er, zahm und matt geworden, bald versiegte, als der Jäger Herakles der die wilde Bestie durch das erymanthische Revier bis zum Bergesgipfel hetzte, auf dem der Erymanthusfluſs entsprang, und hier in der Schlinge fing.:)
¹) Preller, Griechische Mythologie. 2. Aufl. II, 194.


