Und wie ist er uns besonders ein Vorbild christlichen, gottergebenen Sinnes geworden! Alles, was er erreicht hat, hat der greise Held nie sich, sondern ganz allein der Gnade Gottes zugeschrieben und hat ihm die Ehre gegeben. Bekannt ist das Wort des Siegers von Sedan:„Welch eine Wen- dung durch Gottes Führung!“ und dem entsprechend war eine der ersten Anordnungen nach seiner Rückkehr in die Heimat der am 19. März 1871 im Dom zu Berlin veranstaltete Dankgottesdienst.
Der Psalmist sagt:„Unser Leben währet 70 Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es 80 Jahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen;“ das heiſst: nur dann ist dein Leben köstlich gewesen, wenn es Arbeit war, und es hat keinen Wert, wenn es nicht reich an Arbeit war. Nun wohl! Treue Arbeit ist auch unsres lieben Kaisers Freude gewesen bis an das Ende seiner Tage, die Gott ihm in seiner Gnade über das sonst den Sterblichen gesteckte Mafs hinaus beschieden, und darum hat er auch seine Mühe und Arbeit gekrönt gesehen durch den herrlichsten Lohn: für sich seines Volkes Liebe und Verehrung, und Segen und Ruhm für unser Vaterland.—
Wenn wir nach einem heiſsen Tage eine Anhöhe ersteigen und sehen, wie allmählich die Schatten sich immer dichter über die Ebene lagern, und unser Auge nun mit Wohlgefallen auf den von der Abendsonne vergoldeten Gipfeln der Heimatberge ruht und auf der Sonne, die am goldroten Himmel zur Rüste geht,— dann pflegen wir, Ruhe und stillen Frieden im Herzen, unserer Heimat zuzuwandern. Solch ein Lebensabend, ruhig und ungetrübt,
war, so wähnten wir, unserem Kaiser beschieden. Da sollte nach Gottes unerforschlichem Ratschlusse noch ein tiefer herber Schmerz die letzten Tage seines Lebens trüben, der Schmerz um den von schwerem Siechtum heim- gesuchten Sohn. Er hat auch diesen Schmerz mit gottergebenem Sinn ge-


