Druckschrift 
1 (1888)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Feierabend gebot. Ein Vater seines Volkes ist in ihm dahingeschieden, und mit Recht flieſsen um ihn in diesen Tagen vieltausend Thränen; auch euch, meine lieben Schüler, ist in ihm ein treuer Vater gestorben, und mit Recht trauert um ihn insonderheit auch unsere Anstalt, welcher seinen Namen zu

führen vergönnt ist. Von Schmerz und Wehmut erfüllt, aber auch voll Dankbarkeit gegen Gott sehen wir in diesen Tagen auf das Leben und die Regierung

unseres Kaisers Wilhelm zurück. Das Gebet, welches sonntäglich Tausende seiner treuen Unterthanen zum Himmel emporsandten:Erhalte ihn uns bei langem Leben zu beständigem Segen und christlichem Vorbilde, das ist durch Gottes Gnade buchstäblich in Erfüllung gegangen. Ein langes Leben an und für sich ist noch keine Quelle der Verehrung und Liebe für einen Fürsten, aber für unsern Kaiser ist es von Tag zu Tag mehr geworden eine reiche Quelle der Verehrung und Liebe des deutschen Volkes. Denn von Tag zu Tag würdigten wir es mehr, was Gott der Herr durch ihn Groſses an uns gethan, und danken es ihm auch jetzt noch und für alle Zeit mit vollem, warmem Herzen. Seine Regierung ist für sein Preufsenland und für das deutsche Vaterland ein beständiger Segen gewesen. Deutsche Lande hat er, der sieg- reiche Feldherr, zurückgewonnen, Deutschland als ein Friedensfürst in sich geeinigt und verbunden und das deutsche Kaisertum wieder hergestellt als eine erbliche Macht: in ihm ist erfüllt, was die edelsten Deutschen mit Seufzen vermiſst, mit männlichem Ernste gefordert und erstrebt, mit prophetischem Blick vorausgesagt hatten. Darum denkt und fühlt man auch mit ihm das neue Reich so unzertrennlich verknüpft.

Vor allem aber ist es sein edler, frommer, gerechter und treuer Sinn, der ihm alle Herzen gewann. Wie ein Patriarch stand er inmitten seines Volkes, überallhin segnend, versöhnend, Frieden stiftend und Frieden erhaltend.