Treitag den 9. März morgens 11 Uhr lief bei uns die erschütternde
Nachricht ein von dem früh um 8 ½ Uhr erfolgten Hinscheiden Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm.
Die Lehrer teilten den Schülern in den Klassen die Trauerbotschaft mit und entlieſsen sie für diesen Tag aus dem Unterricht. Sonnabends um 11 Uhr kamen sämtliche Lehrer und Schüler der Anstalt in der Aula zu einer Trauerandacht zusammen. Die Büste des Kaisers, welche über dem Katheder stand, war, wie auch das Katheder, schwarz umflort, die Fenster zu beiden Seiten desselben verhängt, und wehmütig feierlich erklang in getragenen Tönen die Orgel. Die Versammelten sangen die drei ersten Verse des Liedes:„Was Gott thut, das ist wohlgethan“; darauf las der Direktor die ersten 7 Verse aus dem 21. Kapitel der Offenbarung Johannis und sprach dann folgendermaſsen:
So hat es sich denn, meine Lieben, erfüllt, was wir mit banger Furcht seit Tagen schon geahnt,— das Leben unseres geliebten Kaisers, sein thaten- reiches, sein segensreiches, sein frommes Leben ist geendet. Schon rüsteten wir uns in den deutschen Landen zur Feier seines 92. Geburtstages,— aber der allmächtige Gott hatte es anders beschlossen und hat ihn heimgeführt zu seiner Seligkeit und ewigen Ruhe.
Voll Ehrfurcht blickten wir zu ihm empor, der noch bis vor kurzem in Kraft des Körpers und des Geistes seine Regierungsgeschäfte täglich be- wältigte und seine höchste Pflicht und heiligste Aufgabe stets darin sahl, so lange er es vermochte, die Last des Regimentes zu tragen,— bis Gott ihm


