Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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Motive der deutschen Sage und Poesie, das Verhältnis der Liebe und Liebeswerbung zwischen Ingo und Irmgard zu anderen Überlieferungen deutscher Sage es erscheint ihm das Liebesverhältnis und insbesondere die Erklärungsscenezu modern, zu sentimental gedacht, wenn auch andere Motive der alten Liebespoesie schön hereinklingen(der Fichten- baum, der Raubvogel, s. S. 491) das Motiv der Treue zwischen dem Herrn und seinen Mannen, den Gegensatz der Frauencharaktere und entwirft eine treffliche Charakteristik Bisinos. Dann bespricht er die kulturgeschichtliche Bedeutung des Romans, die Sprache und den ethischen Gehalt. Von letzterem sagt er, daſs er nicht poetisch ausgeschöpft sei; er vermiſst im Ingoden Fanatismus der kriegerischen Leidenschaft, wie im Bonifatius der zweiten Erzählungden Fanatismus der hierarchischen Leidenschaft. Diese zweite Erzählung wird nur ganz kurz besprochen.

Die wärmste Anerkennung findet Freytags Roman bei O. Frick in der Zeitschr. für G. W., 1873 S. 154 f., der ihn besonders auch als ein Lesebuch für unsere Gymnasiasten würdigt. Diese Besprechung, einem jeden Gymnasiallehrer leicht zugäng- lich, wird jeder bei Behandlung des Romans in der Prima gründlich lesen müssen. Frick nennt das Werkdie reinste und köstlichste Poesie unserer nationalen und deutschen Kulturgeschichte, betont den groſsen pädagogischen Wert, in dem hier der Jugend unserer höheren Schulen eine Gabe geboten werde,aus welcher ihr die Herrlichkeit unseres deut- schen Volkes, seine Gesundheit, seine Tiefen, sein ethischer Gehalt in solchem Reichtum entgegentreten und obenein in dem Glanze wahrhaft künstlerischer Darstellung. Dann hebt er aus Ingo die Verhältnisse hervor, welchedie Höhepunkte der mannigfachen Kon- flikte erzeugen, an denen die Dichtung so reich ist, und weist darauf hin, wie wir in der Dichtung mit fast allen Gebieten des öffentlichen und häuslichen Lebens unserer Ahnen bekannt gemacht werden.Wir fühlen die Verwandtschaft mit den Bildern und Schilde- rungen, welche wir aus Cäsar und Tacitus, aus der Edda, dem Hildebrands- und Nibelungen- liede, die wir aus des Paulus Diakonus Longobardengeschichte, aus der Chronik von Novalese kennen lernten; wir fühlen die Verwandtschaft vor allem mit unserem eigenen Sein und Empfinden.An homerische Dichtung klingt auſserordentlich vieles an, nicht weil der Dichter kopieren wollte, sondern weil die Kongenialität der Zeiten verwandte Zustände und Verhältnisse schafft.Die Kampfes- und Schlachtscenen aber sind auch hier so homerisch, wie diejenigen im Walthariusliede.Auch ist Held Ingo, wie er eine Burg, eine Kultur, ein Reich sich gründet, eine Art Robinson; und an den letzten der Mohikaner, den Pfadfinder und verwandte Coopersche Romane wird man stets erinnert durch die Verwandtschaft der Zeiten und Zustände. Er rühmt die archaistische Form und die an vielen Stellen rhythmische Sprache.Solche Sprache, dazu die Atmosphäre uralter Sitte mit fremdartigen und den Gebildeten doch bekannten Bezeichnungen dient als ein sehr wirksames Mittel, den Eindruck aller falschen Modernisierung fern zu halten; ein jugendliches Gemüt wird aber gerade durch solche vom reinsten dichterischen Hauch durch- wehte Diktion sich auf das höchste angezogen fühlen. Ebenso eingehend und anerkennend wird der zweite Teil, Ingraban, besprochen. Zum Schluſs hebt Frick noch besonders das lebendige und tiefe Naturgefühl hervor,welches aus dem Inhalt und der Form der