Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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eng zusammenhängende Klangfülle und Eurhythmie, auf der anderen Seite aber auch die dem Stoff und Zeitalter angemessene Eigentümlichkeit, Bestimmtheit und Auſserordent- lichkeit der Sprache.Er hat die Elemente der Sprache gerade aus den Quellen geschöpft, welche befruchtend und erquickend bis in die jüngste Zeit gewirkt haben, d. i. aus den Quellen der ältesten deutschen Poesie, wie sie noch heute in den Liedern der Edda, in den gotischen und altdeutschen Hymnen und Schlachtgesängen, Heldengedichten und Minneliedern, Zaubersprüchen und Trinksprüchen für jeden sprudeln, der von der Urquelle zu kosten Lust hat. Anerkannt werden die archaistisch zusammengesetzten Wörter, die rhythmische, oft nahezu versartige Wortstellung und Satzbildung, ähnlich wie sie sich in den Nachbildungen altnordischer uud anderer Sagen von Goethe, Talvj, Simrock, Chamisso, Jordan u. a. findet und selbst in rein modernen Dichtungen, z. B. in HeinesNordseebildern mit Erfolg angewandt ist. Als ein besonders schönes und charakteristisches Beispiel der Sprache wird das erste Zusammentreffen zwischen Ingo und Irmgard S. 11 vonSie betraten die Lichtung bis S. 13nach dem ich mich leidvoll sehne abgedruckt.Markiger als in dieser idyllenartigen, kaum weniger an die hellenische als an die germanische Urvätersitte und Redeweise gemahnenden Schilderung offenbart sich natürlich der charakteristische Stil dieses Romans in den bewegteren Partien desselben, welche die Darstellung gegen einander stürmender Leidenschaften und blutiger Kämpfe zum Inhalt haben. So z. B. schon in dem Wortgefecht, welches Ingo mit Theodulf dem von ihm im Kampfspiel um Mannesehre und Frauengunst in den Sand gestreckten und darum von Haſs und Eifersucht gegen ihn erfüllten Freier Irmgards zu bestehen hat, S§. 45 f. In noch höherem Wellenschlag aber bewegt sich der Rhythmus der Rede, wo es die Schilderung des blutigen Würfelspiels um Tod und Leben gilt. So im Bericht des Sängers S. 50 f. In der Weise eines Klage- gesangs schildert sodann der Sänger weiter, wie sich die flüchtigen Alemannen in den Rhein stürzen u. s. w.; hier wird S. 53 noch besonders hervorgehoben.Der Form entspricht ein gleich Paſentomior und auſserordentlicher Inhalt.Die erste Geschichte zeigt uns hauptsächlich den Charakter und die Willenstüchtigkeit der deutschen Rasse, wie sie sich neuerdings in den Heldenthaten von 1870 erprobt hat, die zweite vorzugsweise die Gemütstiefe und Erkenntniskraft des deutschen Wesens u. s. w. Schön werden noch die(nationalen, politischen und socialen) Konflikte, der bewegte und drastische Verlauf der ersten, der ruhigere, einfachere Verlauf und die Konflikte mehr innerlicher, geistiger Art der zweiten Geschichte hervorgehoben, schlieſslich der innere Konflikt des Bonifatius erwähnt, in dem er sich Lullus gegenüber gegen das Streben Roms erklärt S. 506.

Die eingehendste und gründlichste Besprechung von Ingo, die auch jeder Lehrer, welcher Ingo im Unterrichte der Prima behandeln will, lesen sollte, ist die des leider allzu früh für uns gestorbenen Wilhelm Scherer in den Preufsischen Jahrbüchern 1873, Heft 5, S. 481 ff. Er bespricht das Verhältnis derAhnen zu FreytagsBildern aus der deutschen Vergangenheit, die Motive, welche Beowulf und dann Homer an die Hand gaben, führt aus, wie wir hier auch in das alltägliche Treiben unserer Ahnen wahr und lebensvoll eingeführt werden bespricht, die örtlichkeiten, wo wir die Handlung sich ab-

spielend zu denken haben, sehr gründlich die Motive der Handlung und die verwandten *