Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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Begabung in den Glanzstücken epischer Schilderung und sinnvoller Naturbetrachtung durch eine teilweise manierierte Einkleidung immer siegreich hindurchbricht(vgl. o. S. 17). Am Schluſs wird von Ingraban noch gerühmt:Es gehört, für sich als ein geschlossenes Werk betrachtet, zu den am reichsten und vollständigsten ausgeführten Bildern aus der deutschen Vergangenheit. Halb Geschichtsstudie, halb erfundene Geschichte reiht es sich im ganzen und groſsen den historischen Romanen an. Die Geschichte ist reich an wundervollen Offenbarungen der Dichtkunst; auch erhebt sich der altertümlich schwere Entwicklungsgang der ersten Erzählung hier zu einem reicheren Orts- und Personenwechsel, wie zu bewegteren Leidenschaften.

Sehr eingehend und durchaus anerkennend ist die Recension in derBeilage zur Augsburger Allgem. Zeitung 1872, Nr. 352 und 353:Freytag geht gern seine eigenen Wege und wählt sich zum Ort, wo er seine Lese hält, lieber abseit liegende, für unergiebig oder ausgebeutet geltende Stellen, so früher inSoll und Haben, dann in der Verlorenen Handschrift, so jetzt inIngo und Ingraban. Den Leser wird einerseits die Ursprünglichkeit, Gedrungenheit und Groſsartigkeit der ihm hier erschlossenen Welt dergestalt überwältigen und hinreiſsen, anderseits aber wird er sich von der Blutsverwandt- schaft, Geistesgemeinschaft und Ebenbürtigkeit der ihm in derselben entgegentretenden Gestalten in dem Grad innerlichst angesprochen und angezogen fühlen, daſs sich beide Ein- drücke einander zu wirklicher Einheit ergänzen und ihn vermöge dieser Totalwirkung die unmittelbare Gegenwart zwar vergessen, aber nicht vermissen, vielmehr ihn in dem Recken und Strecken der Vorzeit zugleich das Ringen und Vollbringen der Gegenwart bewulst oder unbewufst mit empfinden lassen. Im allge- meinen die Mittel zu bezeichnen, durch welche Freytag dies erreicht hat, ist eine nicht zu lösende Aufgabe. Ohne Frage sind dieselben ebensowohl im Inhalte als in der Form zu suchen; aber das Hauptverdienst an der Leistung glauben wir gleichwohl der Form zu- schreiben zu müssen..... Nachdem dann betont ist, daſs Freytag zwischen altertümlicher und moderner Redeweise die rechte Mitte gehalten und beide wirklich einheitlich ver- schmolzen habe, heiſst es:Je öfter an ähnlichen Problemen schon die besten Kräfte gescheitert sind, um so mehr müssen wir in der ebenso sehr von angeborenem Takt, wie von vollendeter Durchbildung zeugenden Art und Weise, mit welcher er diese schwierige Aufgabe gelöst, das eigentliche Meisterstück seiner diesmaligen Leistung erblicken(siehe dagegen oben Gottschall!).Wer Sinn und Verständnis für ideale typische Gestaltung hat, wer eine Darstellung zu würdigen weiſs, die im Ver- schiedenen auch das Gemeinsame, im Vergänglichen zugleich das ewig Bleibende, im längst Entschwundenen zugleich das sich immer neu Verjüngende zum Ausdruck zu bringen ver- steht, der wird sich in der Sprache, die hier an sein Ohr klingt, sehr bald nicht nur voll- Lommen heimisch und zu Hause fühlen, sondern er wird sich auch von Schritt zu Sohritt mehr ihrer allgemeinen wie ihrer charakteristischen Schönheit zu erfreuen vermögen. Hervorgehoben wird die durch kein Fremdwort getrübte und doch in keiner Weise nach erzwungenem Purismus schmeckende Reinheit, sodann die mit Vorliebe sich in Stamm- und Wurzelwörtern bewegende Urwüchsigkeit und Gedrungenheit, ferner die hiermit