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1 (1892)
Entstehung
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gangenheit unseres Volkes und läſst sie wieder lebendig werden vor unseren Augen, wie jeder echte Dichter von Gottes Gnaden, der aus der Fülle der Phantasie nachschafft, was Gott der Herr werden lieſs in Natur und Geschichte.Aus trümmerhafter Kunde und toten Denkmalen der Vergangenheit erweckt der Zauberstab des Dichters volles warmes Leben; wir schauen das Leben unserer Ahnen, wir hören ihre Sprache, wir lernen mit ihnen fühlen, mit ihnen lieben und leiden, bangen und ringen, sorgen und streben in Haus und Hof, in Kampf und Streit.In die graue Vorzeit des 4. Jahrhunderts führt uns die erste Erzählung, wo die Römermacht feindlich vordringt gegen die Grenzen der deut- schen Stämme, wo der Zauber wälscher Glorie und Uppigkeit den deutschen Sinn zu umstricken beginnt. Ingo, der deutsche Held, ist zugleich Feind der Römer und Römerfreunde in seinem Volke.Das Groſse, das uns als der Ruhm unserer Ahnen aus der Geschichte entgegenklingt, das wir als das Erbgut der Väter hüten und pflegen sollen, deutscher Mannesmut und deutsche Treue, Mannentreue und Liebestreue sind in Ingo und Ingraban verkörpert wie in so manchen anderen Gestalten seiner Helden. Es wird die Schönheit der Sprache gerühmt, die sich oftin klingenden Rhythmen bewegt als ob es Verse wären, oft töntwie Orgelton und Glockenklang in feierlicher Würde. Dann heiſst es vom Dichter:Die Herzen unserer Jugend, die jetzt oft kalt bleibt für die Gestalten der Dichtung, die uns einst begeistert hat zu idealem Streben, wird er wiedergewinnen. Denn nier verbindet sich die Gewalt idealster Dichtkunst mit dem nationalen Zuge, der durch unsere Zeit geht. Die Ideale verkörpern sich, sie beginnen zu uns die Muttersprache zu reden, und so wird der Dichter, das hoffen wir, in manchem jugendlichen Herzen Begeisterung entzünden für das Schönste, das unsere Voreltern besessen, und für das Höhere, das ihnen das Evange- lium gebracht hat.

In demAllgem. litter. Anzeiger für das evangel. Deutschland (Gütersloh, Bertelsmann), Jahrg. 11, S. 231 ff. heiſst es:In den Tagen welthistorischer Ereignisse und gewaltiger politischer Umgestaltungen erwacht die Lust, aus der geschicht- lichen Wirklichkeit in das vertraute Element der geschichtlichen Poesie uns wieder unter- zutauchen; ja es erwächst die Neigung, das Leben der Vorfahren in Bildern und Geschichten in helleren Farben darzustellen, als die strenge Historie es zu thun vermag.Aus der Überlieferung der alten Sage und alten Geschichte, aus dem, was über Rechtsaltertümer, Sitten und Gebräuche deutscher Vergangenheit bekannt geworden ist, hat Freytag anschauliche Bilder für Ort und Zeit entworfen; in der zweiten Erzählung tritt uns in einer der beiden Hauptfiguren eine historische Persönlichkeit von allgemeiner Berühmtheit entgegen. Den beflügelten Schritt der Phantasie stützt der feste Stab gewissen- hafter historischer Forschung, sowie die Grundlage ernster Kulturstudien.Freytags Helden und Weiber, seine Thüringer und Vandalen des 4. Jahrhunderts, wie seine Thüringer, Franken und Sorben des 8. Jahrhunderts, überzeugen den Leser, daſs sie das in Wirklichkeit sind, was sie vorstellen sollen.Ein uns fremdes Denken ist auch in einer fremdartigen Sprache wiedergegeben. Recensent findet freilich auch manche Wortbildungen und Wen- dungen gesucht, geschraubt, ästhetisch unschön u. s. w., rühmt aber, wie Freytags talentvolle