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einmal zu wandeln auf den leichten Sohlen der Phantasie.“„Mehr als ein Mittelding zwischen der Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse und einem frei geschaffenen Kunstwerk wird diese Erzählung erst durch die geschlossene, ganz unabhängig von ihrem geschichtlichen Hintergrunde ergreifende und rührende Menschengeschichte, welche sich hier vor unseren Blicken abspielt.“„Der Leser ist bei Freytag sicher gegen störende oder irreführende Zeitverwechslungen. Was dieses Dichters eigenste Stärke ist, das darf nicht dazu verleiten, ihn im spezifisch Poetischen schwächer zu finden als andere, die es mit dem Kolorit und dem Kostüm weniger genau nehmen, weil es ihnen an Kenntnis gebricht.“„Poesie heilst Illusionen hervorrufen. Diese Tendenz wird hier so konsequent verfolgt, daſs die Sprache sogar, nicht nur der redenden poetischen Figuren, sondern des Erzählers selbst altertümlich gemodelt erscheint und in Ingo noch um eine starke Schattierung altertümlicher als im Ingraban. Sie liest sich oft geradezu wie Verse, was einige curiose Kritiker wieder für unabsichtlich anzusehen scheinen und in aller Form dem Richter Publikum denuncieren. Andere schelten es wenigstens ermüdend; sie werfen es ohne weiteres mit den Eigenthüm- keiten des Freytagschen Stils zusammen, der sich durchaus dem Berliner Konversationston anbequemen soll..... Es wäre schlimm, wenn alle unsere Schriftsteller sich in Schablonen pressen mülsten, die ihnen der eine oder andere moderne Nicolai, der sich für einen Lessing hält, aufnötigen möchte. Von Berlin aus will man, scheint es, uns armen Provinzialen neuerdings auch ohne Akademie das Joch korrekten Schreibens auf den Nacken legen. Es ist ein Labsal, wenn man einen Freytag die Würde seiner schriftstellerischen Selbständig- keit und Eigenheit unantastbar behaupten sieht. Selbst was daran bloſse Zufälligkeit oder willkürliche Manier ist, wollen wir uns im Notfalle lieber noch gefallen lassen, als das öde Einerlei eines Geschwätzes, das Papageien ebenso leicht von sich zu geben lernen können, wie der stärkste und freiste Kopf. Allerdings scheint Freytag seiner Manier etwas mehr, als für den Eingang seiner herrlichen Dichtung zu wünschen war, nachzuhängen. Der Vernichtungskrieg, welchen er gegen das kleine Beziehungswörtchen„es“ führt, eine zu weit getriebene Scheu vor den nächstliegenden Worten und Wendungen, die ihn statt der Scylla der Trivialität nicht selten in die Charybdis der Schwerverständlichkeit fallen lälst, die Sucht nach neuen Beiwörtern, mancherlei Umstellungen der Sätze u. dgl. mehr sondern ihn von dem Strome der allgemeinen Entwickelung des nationalen Sprechens und Schreibens ab, mehr nur unnötig ab, als daſs sie dieser Entwickelung auf frischen Pfaden vorwärts helfen. Aber auch bei anderen Romanschriftstellern finden wir gewisse Manieren, z. B. bei Fanny Lewald die Anhängung zweier Verben hinter einander an dasselbe Subjekt ohne Copula. Edmund Höfer hat sich dergestalt gewöhnt, bei jedem halbwegs drastischen Ausdruck erst durch ein„sagen wir einmal“ u. dgl. gewissermaſsen Mut zu schöpfen, daſs es am Ende komisch wirkt. Daraus auf ein gewisses geistiges Altern bei Freytag zu schlieſsen wäre sehr voreilig..... So reich wie dieser Erquickungsquell rinnt uns der-— malen kein anderer.“
Die„Neue Evangelische Kirchenzeitung“ 1873, Nr. 2(S. 17 ff.) enthält eine kurze, markige und treffende Beurteilung, welche die Hauptvorzüge und die nationale Bedeutung von Ingo und Ingraban schön hervorhebt.„Der Dichter greift in die Ver-


