18 einem sauber ausgebackenen Heiligenschein.“(z) Auch von diesem Teil sagt Recensent: „Die Erfindung des Autors erweist sich nicht gerade reich und originell, und die Abenteuer Ingrabans erinnern an diejenigen, welche die Helden Coopers und Gerstäckers bei den Rothäuten zu erleben pflegen.“ Anerkannt wird nur in Ingo die„sauber gezeichnete alt- germanische Milchwirtschaft“ und daſs„einzelne Bilder dieser schroffen wilden Heldennovelle sich mit plastischer Anschaulichkeit hervorheben.“ Von beiden wird anerkannt, dalſs trotz der oft drolligen Spracharabesken, trotz der altgermanischen Rococostuccatur mit ihren tropfsteinartigen Wortgebilden einzelne Partien der Erzählung durch echt poetischen Duft, Grazie der Darstellung und Wärme des Kolorits künstlerische Bedeutung beanspruchen dürfen.“ Von Ingraban aber heilſst es noch:„Gegen den Schluſs hin erhebt sich die Darstellung etwas; das Hereinbrechen eines neuen Geistes in die alte Welt wird lebendiger und stim- mungsvoller geschildert, und die anmutige Darstellung der Waldidylle übt einen anziehenden Reiz aus.“„Zu den sauber ausgeführten, oft ergötzlichen Genrebildern gehört die Dar- stellung des Sorbenlagers u. s.w. Unleugbar hat dies Gemälde ethnographische Verdienste.“
Gottschall widmet dem Werke auch eine kurze Besprechung in„Über Land und Meer“ 1873 Nr. 17 S. 234(Vom Büchermarkt und den Brettern Leipzigs); natürlich ganz in dem Sinne der vorstehenden.„Selbständigen poetischen Wert“ kann er ihm nur sehr zum Teil zugestehen.„Die Sprache klingt an einzelnen Stellen wie eine Travestie.“„Das moderne Weib(Gisela) tritt in altdeutschem Gewande auf..... Wir fühlens heraus, daſs sie sich in das 4. Jahrhundert nach Christi Geburt bloſs durch eine Maskerade verirrt hat.“ Er spricht von„bizarren und gespreitzten Künsteleien“ und sagt, daſs am meisten„Ingo“ an dieser„altdeutschen Manieriertheit leidet.“„Ingraban“ ist freier davon; erinnert dafür aber oft an alte Glasbilder, auf denen die Heiligenscheine mit besonderer Kunst angefertigt sind.“„Eine etwas gekünstelte legendarische Beleuchtung schwebt über dem Ganzen; denn der Autor hat für diese Seite seines Stoffes selbst kein rechtes Herz“(i!) Im Anschluſs daran, daſs eine Reihe von Gesohichten in Aussicht gestellt wird, sagt er zum Schluſs: „Freilich einen Roman wird man einen solchen Rattenkönig von Geschichten niemals taufen können.“
Die„Nationalzeitung“ 1872 Nr. 576(8. Dezember) enthält eine über Ingo wenigstens ungünstige Besprechung, aus der ich folgende Sätze heraushebe.„Der kundige Leser fühlt bald heraus, daſs er nur Bilder aus der deutschen Vergangenheit in einer eigen- tümlichen Form vor sich hat.“„Der Gedanke ist nicht neu, W. Hauff beabsichtigte etwas ähnliches, Walter Scotts Romane fügen sich zu einer Art von schottischer Geschichte zusammen, liest man Wilibald Alexis' Romane in chronologischer Reihen- folge, so hat man jene verklärte Geschichte der Mark Brandenburg, die uns jetzt Freytag für ein gröſseres Gebiet geben will.“„Unter dem flatternden Mantel des Poeten guckt der Talar des Archivarius, des gelehrten Professors vor, welcher die verlorene Handschrift des Tacitus suchte.“„Daſs nun einmal die Verse nicht als Verse gedruckt sind, anderseits der Rhythmus auf die Dauer nicht streng eingehalten wird, macht ein längeres Lesen dieser Blätter ermüdend. Man hat die unruhige und unbehagliche Empfindung des beständigen Schaukelns und kommt nicht zu Ruhe im Genuſs. Die Neigung, altertümliche Worte und


