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der ganze Zauber des Nibelungenliedes und Homers goldige Wunderwelt beim Lesen Ingos lebendig in unserer Seele auf.
Ein schönes Analogon aus der Ilias aber ist noch, daſs Ingo und Answald so wie Glaukos und Diomedes sich als Gastfreunde von den Vätern her erkennen.
Manche der übereinstimmenden Züge, besonders die aus der Odyssee und dem Nibe- lungenliede, sind gewiſs mit Bewuſstsein vom Dichter aufgenommen, anderes ist unbewulſste, manches ohne Zweifel ganz zufällige Übereinstimmung. Des Dichters Verdienst wird durch jene Bemerkung nicht geschmälert(vgl. Scherer S. 497, B. Auerbach unten S. 21).
4.
Es wird nun nicht ohne Wert für den Lehrer sein, eine Reihe von Urteilen kennen zu lernen, wie sie bald nach dem Erscheinen von Ingo und Ingraban in Zeitungen und Zeitschriften gefällt wurden, und es mag manches daraus auch den Schülern zur Klärung ihres Verständnisses und Urteils mitgeteilt werden. Denn es gilt hier in vollem Maſse, was Berthold Auerbach in seiner nachher noch näher zu betrachtenden Besprechung unseres Romans sagt:„Der gebildete Leser ist so in den Stand gesetzt nach freier Wahrnehmung zu vergleichen und abzuwägen, inwie- weit die litterarisch-künstlerische Betrachtnahme mit dem einfachen Eindruck und Urteil übereinstimmt. Ich glaube, daſs mit solcher nachträglichen Verständigung Heilbringendes für Autor und Publikum sich bilden kann; denn das ist doch hoffentlich bereits anerkannt, daſs Einsicht in Aufbau und Ausführung eines Kunstwerks die reine Lust an demselben nicht auflöse, ebensowenig als Erkenntnis der Mängel das Wohlgefühl für das Ganze zerstört.“ Da ich aber beim Sammeln dieser Urteile selbst die Erfahrung gemacht habe, wie schwer zugänglich uns eine ganze Reihe derselben schon geworden ist, so setze ich den Hauptinhalt und die für uns wichtigsten Stellen hier zusammen, mir das Lessingsche Wort aneignend: „Nun denke ich, keine Mühe ist vergebens, die einem andern Mühe ersparen kann.“
Am abfälligsten unter den mir bekannten Recensenten urteilt R. Gottschall in den Blättern für litterar. Unterhaltung 1873 Nr. 1. Er sagt u. a.: »Wir bedauern bei aller Achtung vor dem begabten Autor seinen Roman nur als ein litterarisches Kuriosum bezeichnen zu können, welches aus einer unglücklichen Mischung von Gelehrsamkeit und künstlerischem Wollen hervorgegangen ist.“„Als Beiträgen zur deutschen Kulturgeschichte in poetischer Form werden wir den Erzählungen Freytags alles Lob spenden müssen; er hat aus den Überlieferungen der Sage und alten Geschichte, aus dem, was über Rechtsaltertümer und sonstige Sitten und Bräuche deutscher Vorzeit bekannt geworden ist, anschauliche Bilder derselben entworfen, und die von ihm frei erfundene Handlung erfüllt den Zweck, altdeutsches Leben uns nach allen Seiten hin vorzuführen. Als selbständige Dichtungen aber haben diese Erzühlungen nur geringen Wert. Die Erfindung ist im ganzen nüchtern und schablonenhaft.“„Die Art der Grenzbewachung, Milchwirtschaft u. s. w., das wird uns alles in der Erzählung„Ingo“ mit einer wir möchten sagen erschöpfenden Vollständigkeit geschildert.“„Dafs Winfried sich


