Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
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Den Ort der Handlung haben wir natürlich im Thüringerlande zu suchen. An den Abhängen des Inselsberges beginnt die Geschichte, durch das Reinhardsbrunner Thal(S. 9) kommen wir an den Hof des Fürsten Answald. Mehr gegen die Ebene hin, im freien Moor(Frimar) werden die freien Bauern gedacht, und darüber hinaus, in nordöstlicher Richtung von Gotha geht es an den Hof des Bisino. Die neue Ansiedelung befindet sich am Idisbach d. i. der Itz, auf der Berglehne, welche heute die Feste Koburg trägt (S. 204, 209). Nun verstehen wir auch die Worte am Schlufs der Widmung an die damalige Kronprinzessin Viktoria, unsere Kaiserin Friedrich, daſs die Erzählung eine Landschaft schildere, in der ihr Menschen, Berge und Wälder lieb seien, denn es ist die Heimat ihres Vaters, des am 14. Dezember 1861 gestorbenen Prinzen Albert von Sachsen- Koburg-Gotha.

Die Personen des Romans und ihr Verhältnis zu einander. Die Haupt- personen sind Ingo und Irmgard, ein Nebenspiel zu ihnen bilden Wolf und Frida. Die Dichtung ist reich an Konflikten, wie schon oben die Inhaltsangabe zeigt. Die Haupt- antagonisten in diesem Spiel sind Ingo auf der einen, Theodulf(mit Sintram), dann Bisino, endlich die ihm anfangs freundlich gesinnte Gisela auf der anderen Seite. Kampf- objekte sind Irmgard oder Ingo. Ingo weiter im Widerstreit mit Gundrun und Answald. Auf seiner Seite Irmgard mit Frida und Wolf, seine Vandalen(Berthar), ein Theil der freien Thüringe(Bero und Rothari), dann die Marvinge. Widerstreit zwischen Irmgard und ihrer Mutter Gundrun, sowie ihrem Vater Answald. Konflikt zwischen Gisela und Bisino, Gisela und Irmgard, leichtere Konflikte zwischen Ingo und Irmgard, Wolf und Frida. Reibereien zwischen Vandalen und Thüringen, Widerstreit der freien Thüringe in den Wald- lauben gegen den König Bisino, Gegensatz zwischen den Römerfeinden und Römerfreunden an Answalds und an Bisinos Hofe. Völkerkonflikt der Römer unter dem Cäsar Julianus und der Alemannen(Ingo), Zusammenstoſs des Germanentums und Römertums. Schon hierin ein groſser Reichtum die Handlung treibender oder hemmender Motive.

Dichterische Analogieen. Neben dem im Vordergrund stehenden Liebespaar Ingo und Irmgard stehen im Nebenspiel Wolf und Frida, zu vergleichen den beiden Paaren bei Lessing: Tellheim und Minna und daneben der Wachtmeister und Franziska; dieses Verhältnis jenem auch ähnlich in dem scherzhaften und neckischen Ton, in dem sich dasselbe entwickelt. Ingos Ehre und Ruhm durch den Sänger verkündigt gleicht der Verkündigung der Ehre und Ruhmesthat des Grafen von Habsburg bei Schiller. Wie der Sänger Volkmar Ingo seine Rettung verdankt, so erscheint beim Krönungsmahle Rudolfs als Sänger der Priester, dem einst der Graf den edlen Dienst erwiesen. Ingo wird durch den Anblick Irmgards zumKönigssprung ermutigt, wie der Knappe in Schillers Taucher durch den Anblick der Königstochter zum Sprung in die Tiefe. Der Streit der Königinnen am Quell aber hat ein Analogon im Streite der Elisabeth und Maria in Schillers Maria Stuart.

Eine reiche Zahl von Analogieen finden wir im Beowulf. Der Inhalt desfelben ist den Schülern nun nicht näher bekannt. So ist dies eine Gelegenheit für den Lehrer, sie wenigstens mit einigen wichtigen Scenen und charakteristischen Seiten dieses altgermanisches Heldenleben so trefflich schildernden Gedichtes bekannt zu machen, das offenbar Freytag bei