Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ergänzen und zu vertiefen*). Ihr habt das Nibelungenlied eingehend kennen gelernt: vieles in dem Roman wird euch daran erinnern; und endlich ist derselbe sehr reich an Analogieen zu der euch nun vertrauten Odyssee.(Vgl. oben S. 6).

Ingraban kann dann, wie oben schon gesagt, in den Juliferien gelesen werden. Zu dieser Zeit ist die Geschichte von Karl Martel und Pipin eben erledigt, Bonifatius hat das besondere Interesse der Schüler gewonnen, sie stehen etwa an dem Kampf der Sachsen gegen das Christentum: also auch wieder unmittelbare Verknüpfung mit dem Geschichts- unterricht.(Vgl. oben S. 6.)

Der Lehrer wird natürlich in den betreffenden Ferien den Roman selbst wieder sorg- fältig lesen und sich ein bestimmtes Urteil darüber bilden, sich aber auch mit einigen her- vorragenden Besprechungen des Romans bekannt machen, von denen ich am Ende dieser Abhandlung eine Anzahl im Auszuge mitteile, besonders mit denen von Scherer und Friock, auch, wenn möglich, die betr.Bilder aus der deutschen Vergangenheit von neuem lesen, von denen die drei ersten Ingo, das vierte Ingraban entspricht.

Die Schüler erzählen dann in der ersten deutschen Stunde den Inhalt des Ingo zunächst zur Orientierung für den Lehrer, ob sie einen richtigen Überblick über den Gang der Handlung haben, dann um bei dieser Gcelegenheit schon auf die mannigfachen Konflikte und Höhenpunkte, die Personen und ihre wesentlichen Eigenschaften u. dgl. hinzuweisen bezw. auf das, was Thema für den Aufsatz werden soll. Ich gebe eine etwas ausführlichere Skizzierung des Inhalts, aus der die Hauptmomente leicht herausgehoben werden können. Eine Erleichterung der Wiedergabe des Inhalts wird es für die Schüler sein, wenn der Lehrer zuvor immer die Überschrift der einzelnen Kapitel mitteilt.

Ingos Begegnung mit Wolf, dem Wächter der Thüringe, Hindeutung auf die Alemannenschlacht und ihre Folgen(vgl. auch S. 17, 34, 42), Geleit zum Herrenhof, erste Begegnung mit Irmgard auf der Waldweide, ihre Teilnahme für ihn(attrativa des Helden, die sich auch bei Wolf, Answald, Gundrun, den Thüringen, Bisino bes. S. 166 u. s. w. geltend macht), das Verhältnis zwischen Wolf und Frida(Necken und Streit). Ingos Aufnahme bei Answald und sein Bericht über die Römerschlacht und ihre Folgen. Beide erkennen, dafs altheiliges Gastrecht von den Vätern her sie verbindet, Ingo berichtet über sein Geschick, herzlicher Willkomm, aber Gundrun, Answalds Frau, rät zur Vorsicht, und so bleibt der Held zunächst unerkannt am Hofe,zu unterst an der Bank.[Kap. 1. Im Jahre 357.]

Steigende Neigung Irmgards für den Helden(S. 32 ff.), Groll und Neid seines Nebenbuhlers Theodulf, der ihm auch beim Wettkampf im Rossesprung unterlegen, welchen Ingo zur Wahrung seiner Ehre unternommen(die Ehre hier wie öfter ein Hebel der Geschichte, s. S. 24). Beim Festmahl Volkmars Lied von der Alemannen- schlacht(S. 49 ff.), Ingos Ruhm, Erkennung(dναυρννυασισςf, er, der gefeierte Gast, rückt

*) Vgl. Scherer a. a. O0. S. 498:Die moralischen Grundkräfte dieser Zeit sind im Einzel- schicksal thätig u. s. w. S. 500:Wie in Ingo die römische Kultur und Kaiserherrlichkeit hereinragt in abgestuftem Einflusse, so in Ingraban die fränkische vorgeschrittene Civilisation und das Papsttum. Auf den UÜbergangstypen ruht das Hauptinteresse.