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1 (1892)
Entstehung
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einer der letzten Geschichtsstunden der Obersekunda von der Schlacht bei Strafsburg im Jahre 357 gehört, in der Julianus die Alemannen besiegte und ihren König Chnodomar gefangen nahm: mit dieser beginnt unser Roman. Dann haben sie in denselben Geschichtsstunden schon mancherlei von den Zuständen des alten Germaniens und den Sitten des Volkes gehört: von diesen entwirft uns Freytag ein lebensvolles Bild; sie haben in Ober- sekunda das Nibelungenlied gelesen: vieles in dem Roman wird auch daran erinnern, und ferner ist derselbe reich an homerischen Analogieen aus der Odyssee, deren Lektüre in Obersekunda abgeschlossen ist, denn in Bezug hierauf sagt sehr richtig Herbst in seiner Biographie des Joh. Heinrich Voſs II a. S. 94:Es würde ein nicht uninteressantes Thema bilden, die Fäden blofszulegen, welche von der Volsischen Odyssee in die eigene Litteratur wie in die vaterländische Kunst zurücklaufen bis herab zu den Anfängen des jüngsten Nationalepos in Romanform, G. Freytags Ingo, der ohne Homer und ohne Voſs auch schwer zu denken ist, da der groſse Dichter den halbleeren Raum urgermanischer Zu- stände mit homerischen Analogieen auszufüllen verstanden hat. So ist eine reiche Anknüpfung an Bekanntes gegeben, eine innere Beziehung zu dem neuen Stoffe in reichem Maſse schon vorhanden, das Interesse von vornherein schon geweckt zur Gewinnung tieferen Verständ- nisses und reicherer Belebung des Wissens in der angegebenen Richtung. Der Geschichts- Unterricht der Prima wiederholt dann gleich am Anfang die altgermanischen Zustände, wie sie in Obersekunda geschildert sind, wofür es keine lebensvollere Ergänzung gibt als eben unseren Roman, und wir sind so zugleich in der günstigen Lage den Geschichtsunterricht mit dem Deutschen in engste Fühlung zu setzen und jenen durch die von diesem darge- brachten Geschichts- und Kulturbilder zu vervollständigen. Bei der Besprechung des Ingo wird dann auch auf Parallelen im Beowulf und andere altgermanische und deutsche Dichtungen hingewiesen werden*) und sich somit Gelegenheit zu einer wertvollen Ergänzung der Litteraturkenntnis bieten. Dazu kommt dann im Lateinischen Unterricht die Lektüre von Tacitus' Germania und Annalen I u. II(Darstellung der Freiheitskämpfe der Germanen).

Ein Vierteljahr später(etwa in den Juliferien) mag dann Ingraban zu lesen auf- gegeben werden, zu der Zeit, wo im Geschichtsunterricht jener epochemachende Höhepunkt in der Entwickelung unseres Volkslebens behandelt ist, und in Wiederholung der in Ober- sekunda gewonnenen Kenntnis des Parzival wird, nun erst zu rechtem Verständnis auch dieses, das gröſste psychologische Epos in Parallele zu dem groſsen psychologischen Roman gestellt werden. Eine reiche Anzahl von Vergleichungspunkten wird hier auch der Heliand bieten.

Nun ist es freilich ein wichtiger und nie genug zu betonender Grundsatz der Pädagogik, die Lektüre zu beschränken nicht nur auf die hervorragendsten Gattungen der Litteratur, sondern auch diejenigen typischen, wahrhaft klassischen Vertreter und Erzeugnisse derselben, welche ihr Wesen am vollkommensten und durchsichtigsten zum Ausdruck bringen und inhaltlich die reichste und am meisten lebenzeugende Nahrung bieten, deren Lektüre

¹) Über den Wert solches Parallelisierens vgl. Willmann Päd. Vortr. S. 94 f. 66.