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2 (1880) Kirchengeschichte des Mittelalters / [von Ferdinand Schantz]
Entstehung
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verhandelte, lernte er recht das Verderben der Curie kennen und bezeichnete nach seiner Rückkehr den Papst offen als Beutelschneider und Gelderpresser, ja als Antichrist. Dann zog er sich auf seine Pfarrei Lutterworth zurück; hier predigte er fleissig und stiftete einen Verein von Männern, die als Reiseprediger wirkten. Besonders drang er auf das Lesen der heiligen Schrift, erklärte es als Ketzerei, dem Volk die Bibel zu verbieten und übersetzte die ganze heilige Schrift nach der Vulgata. Der Papst(Gregor XI.) verdammte zwar 19 seiner Sätze als ketzerisch, aber der König (Richard II.) und das Parlament waren für Wyeliffe, daher mussten sich die Bischöfe mit einer mildernden Erklärung von ihm zufrieden geben. Zugleich sprach er offen aus, so lange noch ein Athemaug in ihm sei, wolle er Christi Gesetz bekennen und vertheidigen, und trat auch ferner gegen die Missbräuche der Kirche unerschrocken auf. Als er später die Transsubstantiation im Abendmahl leugnete und Berengars Lehre erneuerte, stiess ihn die Universität aus und eine Synode verdammte seine Lehre als ketzerisch. Doch behielt er seine Pfarrei und widmete sich hier mit unermüdlichem Eifer der Predigt und Seelsorge, am 31. December 1384. Auf dem Concil von Costnitz wurde seine Lehre verdammt; seine Gebeine wurden später ausgegraben und verbrannt. Wyeliffe hat zuerst die beiden Hauptprincipien der Reformation, das der Schriftautorität und der Rechtfertigung durch den Glauben, ausgesprochen, er betonte, dass alle Wahrheit entweder ausdrücklich oder mittelbar in der heiligen Schrift enthalten sei, dass Christus der alleinige Mittler zwischen Gott und den Menschen und sein Tod der Grund unserer Sünden- vergebung sei. Daher bekämpfte er nachdrücklich die Werkheiligkeit und den Ablass. Sein Hauptirrthum war die strenge Prädestinationslehre.

In den höheren Ständen und im Volk hatte Wycliffe viele Anhänger, auf die der Ketzernamen Lollarden übertragen wurde, und seit dem Ende des 14. Jahrhunderts begannen die Verfolgungen der verhassten Secte. Einer der Hauptmärtyrer war John Oldcastle, Baron von Cobham, der 1417 in Ketten gehängt und von unten auf verbrannt wurde.

Johann Huss, geboren 1369 im Flecken Hussinecz an der bairischen Grenze von frommen

Eltern, studierte in Prag und fand schon früh im Glauben an den Sohn Gottes den Trost der Sündenvergebung. 1398 trat er als Lehrer an der Universität Prag auf und wurde 1401 Prediger an der Bethlehemskapelle, wo er unter reichem Segen predigte. Um dieselbe Zeit kehrte Hie ronymus von Prag von Oxford zurück und machte Huss mit wyeliffes Schriften näher bekannt. Bald entstanden an der Universität Streitigkeiten über Wycliffes Lehren, dazu kam noch eine nationale Spaltung zwischen Deutschen und Czechen. Als die Universität 45 Sätze Wycliffes verdammte, bewirkten Hussens Anhänger einen Erlass des Königs(Wenzel), dass die Czechen drei Stimmen, die Ausländer nur eine haben sollten. In Folge dessen verliessen die deutschen Professoren und Studenten Prag. 1412 trat Huss gegen den Ablass(zum Kreuzzug gegen Neapel) auf und Hieronymus verbrannte die Bulle. Als Huss gebannt und über Böhmen das Interdikt ausgesprochen wurde, appellierte er an den einzig gerechten Richter Jesum Christum und zog sich auf die Burgen seiner Freunde zurück, wo er seine Hauptschrift»Von der Kirche« verfasste. Huss betonte besonders den Glauben an die Schrift, dagegen die Rechtfertigung aus dem Glauben hob er weniger hervor. Auch er vertrat wie Wycliffe die strenge Prädestination, erklärte die wahre Kirche für die Gemeinschaft der Prädestinierten und lehrte, nur ein erwählter Priester könne die Sakramente wirksam verwalten. In der Abendmahlslehre blieb er bei der Transsubstantiation.

Unterdess war das Concil von Costnitz berufen und Huss vorgeladen worden. Der Kaiser Sigismund stellte ihm freies Geleite für die Hin- und Rückreise aus und obwohl Huss von seinen Freunden gewarnt wurde, beschloss er doch hinzugehen. In Costnitz wurde Huss bald nach seiner