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appellierten an ein allgemeines Concil und der französische Kanzler nahm den Papst gefangen. Das Volk befreite ihn zwar, aber er starb noch in demselben Jahr.— Bonifaz erweiterte auch das Ablasswesen durch Anordnung eines Jubeljahres; wer nach Rom wallfahrtete, erhielt vollkommenen Ablass.
Nun wurde Clemens V., der sich im Geheimen Philipp IV. verkauft hatte, Papst; er verlegte den päpstlichen Hof nach Avignon. Während der babylonischen Gefangenschaft 1309— 1377 gerieth das Papstthum in die grösste Unsittlichkeit und war von Frankreich ganz abhängig, aber anmassend gegen andere Länder. Clemens V. selbst musste auf Philipps Verlangen den Tempel- orden aufheben 1312. Sein Nachfolger Johann XXII. nahm in dem Streit zwischen Ludwig von Baiern und Friedrich dem Schönen von Oesterreich das Schiedsrichteramt in Anspruch und verhängte Bann und Interdikt über Ludwig und seine Anhänger. Als auch alle Bemühungen Ludwigs, sich mit dem friedliebenden Nachfolger Johanns XXII. zu versöhnen, vergeblich waren, erklärte der Kurverein von Rhense 1338, dass der von den Kurfürsten Gewählte auch ohne die Bestätigung des Papstes römischer Kaiser sei. Die Zerrüttung in Italien wurde immer grösser, so dass der Papst Gregor XI. wieder nach Rom zurückkehrte. Nach seinem Tode trat von 1378— 1409 ein Schisma ein; zwei Päpste, in Rom und Axignon, verfluchten sich gegenseitig. Endlich kam, namentlich durch die Bemühung Johann Gersons, des frommen und gelehrten Kanzlers der Pariser Universität, der eine Reform an Haupt und Gliedern forderte, das Concil von Pisa 1409 zusammen; dieses setzte beide Päpste ab, aber statt die Reform zu beginnen, wählte es einen neuen Papst, Alexander V., der sogleich das Concil vertagte. Die abgesetzten Päpste blieben, so war das Uebel nur vergrössert. Alexander † 1410, wahrscheinlich vergiftet von seinem Nachfolger Johann XXIII., einem früheren Seeräuber. Diesen zwang Kaiser Sigismund das Concil zu Costnitz 1414 zu berufen. Gerson und Peter d'Ailly setzten es durch, dass das Concil die Reform an Haupt und Gliedern für die Hauptaufgabe erklärte, die Abstimmung nach Nationen annahm und den Grundsatz aussprach, ein allgemeines Concil stehe über dem Papst. Johann XXIII. wurde wegen seiner Verbrechen abgesetzt, auch die andern Päpste beseitigt. Nun forderten Sigismund und die Deutschen vergeblich, die Reform vor der Papstwahl vorzunehmen. Martin V. wurde gewählt, schloss mit den einzelnen Völkern besondere Concordate ab und löste dann 1418 das Concil auf, mit dem Versprechen, es bald wieder zu berufen. Unter Martins Nachfolger(Eugen VI.) trat das Concil zu Basel 1431 zusammen. Dieses machte mit den Reformen Ernst, gerieth aber sofort mit dem Papst in Streit, beide bannten sich gegenseitig. Der Papst wusste die tüchtigsten Mitglieder des Concils und die bedeutendsten Fürsten, auch den schwachen Kaiser Friedrich III. für sich zu gewinnen und das Concil löste sich endlich von selbst auf. Das Papstthum hatte über die Reformbewegung vollständig gesiegt, versank aber in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts noch einmal in die grösste Liederlichkeit und frivolen Unglauben. Diese sittliche Entartung und die zahllosen Gelderpressungen der Päpste unter allerlei Vorwänden(Jubeljahr, zuletzt auf 25 Jahre herabgesetzt, Türkenkrieg, Ablässe, Dispensationen, Verzehntung des Kirchenvermögens, Annaten, Exspectanzen u. s. w.) machten das Papstthum verächtlich und verhasst, und Bann und Interdikt wurden wenig geachtet, vor allem in Italien.
Innocenz VIII.(† 1492), der den Hexenprocess in Deutschland einführte, war ein höchst ausschweifender Mensch. Alexander VI.(† 1503) schändete seine Würde durch Unzucht, Giftmischerei, gräuliche Simonie und brachte den Reformator Savanarola auf den Scheiterhaufen(„Sterben muss er und wenn er Johannes der Täufer wäre“!), † an Gift, das sein Sohn für einen reichen Cardinal bereitet hatte. Julius II.(† 1513), der sich als „Zweiten Gott auf Erden“ anreden liess, war ein gewaltiger Kriegsheld, hatte aber nichts von einem Hirten der Christenheit


