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Eine neue Epoche des Mönchthums beginnt mit den Bettelorden, den Franziskanern, gegründet durch Franz von Assisi, und den Dominikanern, gestiftet durch Dominicus Guzmann.
Franz von Assisi, einem Städtchen unweit Spoleto, geboren 1182 als der Sohn eines reichen Tuchhändlers, war ein lebensfroher Jüngling, aber eine Krankheit änderte seinen Sinn. Er erwählte die Armuth Christi, schenkte alles den Armen, widmete sich der Pflege der Armen und Aussätzigen und erbettelte sein Brot. Den Ruf Christi:»Franziskus, gehe hin und stelle mein Haus wieder her, das zerfallen will«, verstand er zuerst wörtlich. Sein Vater misshandelte und verfluchte ihn, Franz blieb standhaft, legte Kutte und Sandalen an und marterte seinen Leib durch Fasten, Gei sseln, Nachtwachen. Das Evangelium Matthäi 10, 8 ff. ergriff ihn tief; seitdem zog er als Bettler und Busspr ediger umber, bald verböhnt, bald bewundert. Gleichgesinnte sammelten sich um ihn, die er ausser zu den drei Mönchsgelübden zur Armuth und Demuth verpflichtete(daher fratres minores). Zu Zweien schickte er sie zur Reisepredigt durch Italien, dann durch alle Länder Europas, er selbst wollte den Muhammedanern das Evangelium bringen, drang bis zum Sultan von Egypten vor und wurde ungekränkt entlassen, freilich ohne etwas ausgerichtet zu haben. 1223 bestätigte der Papst den Orden. Franz † 1226; der Grundzug in seinem Wesen war innige Liebe zum Heiland, das Lob Gottes zu verkünden sein liebstes Geschäft(sein Lied an die Schwester Sonne und den Bruder Mond). Gebet, Andacht, Betrachtung galt ihm mehr als alle Weisheit der Welt.— Der Franziskaner-Orden widmete sich von Anfang an der Predigt und der Seelsorge, wozu er vom Papst unbeschränkte Volimacht erhielt, später beschäftigte er sich, durch die Erfolge der Dominikaner angetrieben, eifrig mit der Wissenschaft und eine bedeutende Anzahl grosser Theologen gingen aus ihm hervor. An der Spitze stand ein General mit dem Sitz in Rom; die Ordenstracht war eine Kutte mit Kapuze.
Dominicus Guzmann wurde 1170 zu Osma in Altkastilien geboren und von seiner Mutter zum geistlichen Stand bestimmt, studierte in Valencia und zeichnete sich früh durch Enthaltsamkeit und Wohlthätigkeit aus. Dann widmete er sich zehn Jahre lang im südlichen Frankreich der Bekebrung der Albigenser und zog barfuss und schlicht umher. Im Albigenserkreuzzug schloss er sich dem Heere an und war als Inquisitor thätig. Seinen Verein bestätigte der Papst 1216; erst 122 0 erklärten sich Dominicus und sein Orden nach dem Vorbild der Franziskaner für Bettelmönche. Dominicus † 1221 in Bologna, in Asche liegend, in härenem Gewand, mit eiserner Kette umgürtet; kurz vor dem Tod verfluchte er den, der sichere Einkünfte und Güter in den Orden einführen würde.— Der Dominicaner-Orden erhielt ebenfalls vom Papst das Recht, überall zu predigen und Beichte zu hören, mit der besondern Aufgabe, die Ketzer zu bekehren; zugleich strebte er von Anfang an nach wissenschaftlicher Bildung; v iele bedeutende Gelehrte zählte er unter seinen Mitgliedern und übte grossen Eipfluss durch Besetzung der akademischen Lehrstühle. Besonders eifrig war er für die Mission und Ketzerbekehrung, weshalb ihm später die Inquisition übertragen wurde.
Unter den später gestifteten Bettelorden erlangte grössere Bedeutung der Augustiner- orden, gegründet 1256 vom Papst(Alexander IV.)
§. 15. Emntadlcklung der Kirchenlehre.
Um 844 lehrte der Abt Paschasius Radbertus im Kloster Corbie über das heilige Abendmahl:»Durch die Consecration des Priesters werde Brot und Wein in den Leib und das Blut


