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Der Benedictiner-Orden war am Anfang des Mittelalters tief gesunken(Laienäbte). Um eine Reform herbeizuführen, gründete 910 ein frommer Abt(Berno) das Kloster Clugny in Burgund, das bald das Haupt eines grossen und einflussreichen Ordens wurde. Derselbe beschäftigte sich eifrig mit der Jugenderziehung und Wissenschaft und gehörte zu den eifrigsten Vorkämpfern für die Reform und Unabhängigkeit der Kirche. Der Cistercienser-Orden(gegründet 1098 durch Robert von Cistercium bei Dijon) war anfangs unbedeutend, erlangte aber durch Bernhard von Clairveaux ausserordentlichen Einfluss(daher auch Bernhardiner genannt).
Bernhard von Clairveaux(1091— 1153), geboren zu Fontaines in Burgund, stammte aus ritterlichem Geschlecht. Seine fromme Mutter Aleth bestimmte ihn zum Mönch; das Bild der früh Verstorbenen übte eine solche Macht auf ihn aus, dass er im 23. Jahr in den Cistercienser-Orden trat; sein Beispiel bewog seine vier Brüder zur Nachfolge;(auf das Wort des ältesten:»Siehe, nun sind alle unsere Güter und Schlösser dein!« erwiederte der jüngste:-Also euch der Himmel und mir die Erde, das ist keine gleiche Theilung«). Mit glühendem Eifer erfüllte Bernhard alle Pflichten eines Mönches, ja er ging in der Selbstpeinigung so weit, dass er seine Gesundheit schwächte. Um so grössere Verehrung gewann er bei seinen Zeitgenossen und seine gewaltige Predigt und der Ruf der Wunderthätigkeit erhöhte dieselbe noch. Alles drängte sich in den Orden, bald mussten neue Klöster errichtet werden; in einem, Clairveaux(Clara vallis), wurde er, 25 Jahre alt, Abt. Auch zu diesem war der Zudrang so stark, dass 160 Klöster von Clairveaux gegründet wurden. Seinem Amte widmete sich Bernhard mit allem Eifer. Für angefochtene Seelen war er ein treuer Seelsorger, viele Verbrecher errettete er vom leiblichen und geistlichen Tode, unzählige Ketzer und Schwärmer führte er zur Kirche zurück. Unerschrocken trat er für alle Bedrückten auf, so am Rhein für die heftig verfolgten Juden. Oft wurde er berufen, um Frieden zu stiften, Päpste und Fürsten fragten ihn um Rath, ihm verdankten mehrere aus Rom vertriebene Päpste den Sieg über ihre Feinde, aber freimüthig strafte er auch die Missbräuche am päpstlichen Hofe. Als einer seiner Schüler (Eugen III.) Papst wurde, hielt ihm Bernhard in einer besonderen Schrift die hohen Pflichten seines Amtes ernst und eindringlich vor, warnte vor Verweltlichung der Kirche und des Papstthums und weissagte, wenn der Papst die höchste geistliche und weltliche Macht vereinigen wolle, werde er beides verlieren. Welch gewaltigen Einfluss er auf seine Zeit übte, zeigt der zweite Kreuzzug, dessen Misslingen ihn tief schmerzte.
Obwohl Bernhard ein eifriger Asket war, hielt er doch das Mönchthum an sich nicht für verdienstlich, ebenso verwarf er die Ueberschätzung des Fastens, hielt es überhaupt für Pharisäismus auf Aeusserlichkeiten Werth zu legen, vielmehr wies er auf die Gerechtigkeit in Christo als den festen Grund alles Vertrauens hin:„Wer zerknirscht über seine Sünden nach Gerechtigkeit hungert und dürstet, glaube an den, welcher den Gottlosen rechtfertigt, und durch den Glauben allein gerechtfertigt, wird er Frieden mit Gott haben.“ Die uneigennützige Liebe zu Gott, die nichts für sich sucht, galt ihm als das Höchste, daher betonte er die stille Betrachtung, das beschauliche Leben. Die Wissenschaft verachtete er nicht, aber verlangte, dass sie auf Demuth gegründet sei, und dass die Gotteserkenntniss von der Selbsterkenntniss und Gottesliebe ausgehen solle:„Durch Gebet wird Gott würdiger
gesucht und leichter gefunden als durch wissenschaftliche Untersuchung“;„soweit wird Gott erkannt, als er geliebt wird.“— Bernhard gehört auch zu den bedeutendsten Hymnendichtern des Mittelalters.
Die Begeisterung der Kreuzzüge bewirkte eine Verbindung des Mönchthums mit dem Ritterthum in den drei Ritterorden, 1. die Johanniter, seit 1118 auch zum Kampf gegen die Ungläubigen verpflichtet, 2. die Templer, gestiftet 1119 zur Beschützung der Pilger in Palästina, 3. die
Deutschen Ritter, gestiftet 1190 durch Friedrich von Schwaben vor Ptolemais. 2


