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2 (1880) Kirchengeschichte des Mittelalters / [von Ferdinand Schantz]
Entstehung
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den Bann. Auch Innocenz IV., früher ein Freund Friedrichs, erneuerte denselben auf einem Concil in Lyon 1245 gegen den Kaiser und dessen Söhne Konrad und Manfred. Letzterer fiel in der Schlacht gegen den vom Papst herbeigerufenen Karl von Anjou, Konradin starb durch Henkershand 1268. Das Papstthum hatte gesiegt, aber bald trat Frankreich gegen Rom auf; schon Ludwig IX. der Heilige sicherte sein Reich gegen die Erpressung des Papstes.

Die Kreuzzüge. Seit Constantin d. Gr. waren die Wallfahrten nach Palästina immer häufiger geworden, da man den Gebeten an den heiligen Stätten ganz besonders sündentilgende Kraft zuschrieb. Der Chalif Omar hatte bei der Eroberung Jerusalems 637 den Christen unter einigen Beschränkungen freien Gottesdienst zugestanden. Aber die Seldschuken, seit 1075 Herren von Palästina, misshandelten die Pilger und entweihten die heiligen Stätten. Peter von Amiens bewog den Papst Urban II. die Christenheit zur Befreiung des heiligen Grabes aufzufordern; eine allgemeine Begeisterung ergriff das Abendland. Der 1. Kreuzzug unter Gottfried von Bouillon hatte die Befreiung Jerusalems und die Stiftung eines christlichen Königreichs zur Folge. Zum Schutz der Pilger entstanden die geistlichen Ritterorden. Doch schnell gewannen die Moslim wieder die Oberhand, auch die folgenden Kreuzzüge, meist von den mächtigsten Fürsten des Abendlandes unternommen, konnten Palästina nicht sichern und allmählig erlosch die Begeisterung für die Kreuzzüge. 1291 ging Ptolemais, der letzte Platz der Christen in Palästina, verloren. Wenn auch die Kreuzzüge ihren Zweck verfehlten: immerhin war diese Begeisterung, die ganze Nationen ergriff und sie zu ausser- ordentlichen Anstrengungen für ein ideales Ziel entflammte, eine grossartige Erscheinung.

Die Kreuzzüge beförderten zwar in keiner Weise das wahre Christenthum, waren aber auf die damalige Kirche von grossem Einfluss. Sie trugen viel zur Hebung der Macht der Päpste bei, da diese das Kreuz predigen liessen und den Ablass ertheilten. Ausserdem verschaffte die Abwesenheit der Fürsten aus ihren Ländern dem Papste Gelegenheit, sich ins weltliche Regiment zu mischen; auch benutzte er die Kreuzheere in seinem Interesse oder sammelte Heere gegen seine Gegner. Zugleich wurde die ganze Kirche fester an Rom geknüpft und die Macht der Bischöfe beschränkt; auch stieg der Reichthum Roms und der Kirche überhaupt. Besonders wichtig war der Einfluss der Kreuzzüge auf das religiöse und sittliche Leben. Die Werkheiligkeit wurde befördert durch Anpreisung der hohen Verdienste, die sich der Mensch durch Dahingabe von Gut und Blut für die Kirche erwerbe, und der Ablass erhielt eine grössere Ausdehnung; die verderblichen Folgen davon im Volksleben traten hald hervor. Intoleranz und Fanatismus wuchsen und rissen die Menge zu manchen Unthaten fort(Judenverfolgungen). Wie gegen die Muhammedaner begann man auch Kreuzzüge gegen heidnische Völker(Preussen, Liven, Kuren) oder gegen Ketzer zu machen. Ausserdem hatten die Kreuzzüge grossen Einfluss auf das staatliche und sociale Leben, auf die Beförderung der Wissenschaften, der Gewerbe und des Handels und auf die Ausbildung des Ritterthums.

§. 14. Das Mönchthum.

Das Mönchswesen erreichte in der ersten Hälfte des Mittelalters seine höchste Blüthe und übte auf die Kirche den grössten Einfluss. Die Mönche waren die Säulen des Papstthums, ihnen verdankt dasselbe zum grossen Theil seinen Sieg über die weltliche Macht, daher beförderten die Päpste das Mönchthum auf alle Weise. Auch die Fürsten und das Volk begünstigten die Klöster und wandten ihnen Schenkungen und Belehnungen in reichem Masse zu. Aber mit dem Reichthum der Klöster begann auch stets ihr Verfall.