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Gregor antwortete mit dem Bann, ja er setzte den Kaiser ab, entband die Unterthanen ihres Eides und verbot ihnen Heinrich als König anzuerkennen. Der Abfall der deutschen Fürsten verschaffte dem Papst den Triumph, dass sich Heinrich in Canossa demüthigte 1077. Bald begann der Kampf zwischen Kaiser und Papst heftiger als je und führte zu einer heillosen Verwirrung in Kirche und Staat. Gregor führte ihn mit immer grösserer Erbitterung und wies alle Friedensanerbietungen Heinrichs zurück, † 1085 in Salerno mit den Worten:»Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das
Unrecht gehasst, darum sterbe ich in der Verbannung«.
Auch den übrigen Fürsten Europas gegenüber machte Gregor VII. sein Ansehen geltend, verfuhr aber gegen Wilhelm den Eroberer, der die Simonie noch schlimmer trieb als Heinrich IV. in seiner schlimmsten Zeit, weit schonender als gegen Heinrich. Gregors Grundgedanke war die Gründung einer Welttheokratie, deren Haupt, der Papst, der Stellvertreter Christi, die höchste geistliche und weltliche Macht in sich vereinige. Die Fürsten erhalten ihre Macht vom Papst, dieser, ihr Richter und Oberlehnsherr, kann ihnen ihre Gewalt auch wieder entziehen.— Nicht allein aus Ehrgeiz oder Herrschsucht begann er sein Werk, sondern in der Ueberzeugung von der N othwendigkeit desselben zum Heil der Kirche, und bei allen seinen Fehlern haben ihm selbst seine erbittertsten Gegner den Ruhm der Sittenstrenge und Unbestechlichkeit lassen müssen.
Gregors zweiter Nachfolger, Urban II., begeisterte auf den Synoden von Piacenza und Clermont das Abendland für die Befreiung des heiligen Grabes. Bald war er allgemein anerkannt und erlangte eine Macht, wie sie kein Papst vor ihm gehabt hatte. Durch ein Kreuzheer vertrieb er den kaiser- lichen Gegenpapst aus Rom und zwang den französischen König(Philipp I.) zur Unterwerfung, den er wegen unerlaubter Ehe gebannt hatte. Sein Nachfolger scheute sich nicht, den greisen Kaiser Heinrich IV. durch dessen Sohn, Heinrich V., aufs tiefste zu demüthigen. Aber sobald dieser die Herrschaft allein besass, begann er den Investiturstreit von neuem und nahm sogar den Papst gefangen. Endlich wurde der Streit 1022 durch das Wormser Concordat mit Calixt II. beigelegt. Die Wahl solle nach dem Kirchenrecht in Gegenwart des Kaisers, die Investitur mit Ring und Stab durch den Papst, die Belehnung mit dem Scepter durch den Kaiser geschehen.
Als Friedrich I. Barbarossa die kaiserlichen Rechte in ihrem vollen Umfang wieder geltend machen wollte, begann der Kampf der Päpste gegen die Hohenstaufen, der mit dem Untergang dieses Herrschergeschlechtes endigte. Friedrich I. selbst musste sich nach der Schlacht bei Legnano 1176 in Venedig dem energischen Alexander III. unterwerfen.
Auf den Gipfel der Macht gelangte das Papstthum durch Innocenz III.(1198— 1216). Dieser machte die von Gregor VII. erstrebte Gewalt im ganzen Abendland geltend. In Deutschland masste er sich die Entscheidung im Kampf zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. an und erhob später seinen Mündel Friedrich II. auf den Kaiserthron. In England demüthigte er Johann ohne Land und zwang ihn zum Vasalleneid, in Frankreich nöthigte er Philipp August durch Bann und Interdikt, seine verstossene Gemahlin wieder anzunehmen, Portugal und Arragonien zwang er zu einem Tribut, in den östlichen und nördlichen Ländern Europas brachte er seine Würde als Oberherr der Christenheit und Schiedsrichter zur Geltung. Durch den 4. Kreuzzug beugte er auch Constantinopel unter seine Gewalt. 1215 hielt er ein Lateranconcil, auf dem die Transsub- stantiation als Dogma bestätigt und Massregeln gegen die Albigenser berathen wurden.
Nach Innocenz' Tod begann der Kampf zwischen dem Kaiser und Papst von neuem. Als Friedrich II. den versprochenen Kreuzzug verschob, bannte ihn Gregor IX. Friedrich machte trotzdem den 5. Kreuzzug und krönte sich selbst zum Könige von Jerusalem. Nach seiner Rückkehr erfolgte zwar eine Versöhnung mit dem Papste, als aber der Kaiser Neapel mit Deutschland vereinigen wollte, that ihn der Papst, angeblich wegen Unglaubens und Gotteslästerung, abermals in


