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mit der heiligen Schrift. Als er 1103 vom Kaiser zum Bischof von Bamberg erhoben wurde, widmete er sich seinem Amte, vor allem der Seelsorge und Armenpflege, mit allen Kräften. Auf die Einladung des Polenherzogs zog er mit tüchtigen Gehülfen und einem glänzenden Gefolge, mit Büchern, Messgewändern und anderen Kirchengeräthen, mit Geschenken und Reisevorräthen reichlich versehen, über Polen nach Pommern 1124, gewann durch seine begeisterte Predigt, mehr noch durch seine Werke der Barmherzigkeit Viele für das Evangelium und gründete eine Anzahl von Gemeinden(die erste in Pyritz), war aber mehrmals dem Märtyrertode nahe. Auf einer zweiten Reise 1128 ermuthigte er, wiederholt mit Lebensgefahr, die Christen, vollendete fast die Bekehrung des Landes und setzte einen Bischof ein. Von Bamberg aus sorgte er mit unermüdlichem Eifer für die Befestigung seines Werkes.
Die Preussen zeigten sich dem Christenthum ausserordentlich feindlich und tödteten jeden Missionar, auch den Erzbischof Adalbert von Prag 997. Erst nach Eroberung des Landes durch den deutschen Orden(1126— 1183) nahmen die Reste des Volkes das Evangelium an. Ebenso konnte das Christenthum in Livland, Esthland, Kurland erst dann Wurael schlagen, als diese Länder durch den Orden der Schwertritter unterworfen waren.— Am längsten heidnisch blieben in Europa die Litthauer; als der Grossfürst Jagello 1380 die polnische Erbprinzessin heirathete, nahm er mit seinem Volk das Christenthum an.
Die griechische Kirche hatte schon vor 800 die in das griechische Reich eingedrungenen slavischen Völker bekehrt, nun nahm sie sich auch der übrigen Slaven an. Zu den Bulgaren berief (um 860) die in Constantinopel bekehrte Schwester des Bulgarenfürsten griechische Mönche. Ein Gemälde, das jüngste Gericht darstellend, erschütterte diesen so, dass er Christ wurde, mit ihm sein Volk. Später traten die Bulgarenfürsten aus politischen Gründen mit Rom(Nikolaus I.) in Verbindung; seitdem war die bulgarische Kirche ein Zankapfel zwischen Rom und Constantinopel, bis endlich letzteres siegte. Die Erfolge griechischer Mönche in Ungarn und Mähren gingen zwar für die griechische Kirche verloren, dagegen gewann dieselbe die Russen. Die Grossfürstin Olga nahm in Constantinopel das Christenthum an(950), ihr Enkel Wladimir, der Gemahl einer griechischen Prinzessin, liess sich im Dniepr taufen, ihm folgte das ganze Volk und zerschlug seine Götzenbilder(980). Durch Berufung von Priestern und Bischöfen, durch Anlegung von Kirchen, Schulen und Klöstern machte sich Wladimir und seine Nachfolger um die Hebung der Kirche sehr verdient.
§. 13. Das Papstthum.
Nachdem durch Pipin und Karl d. Gr. der Papst ein weltlicher Gebieter geworden und sein Ansehen im Abendland fest begründet war, suchte sich derselbe von der Oberhoheit des Kaisers unabhängig zu machen und sich den ganzen Clerus unbedingt zu unterwerfen. Dazu diente die Sage von der Schenkung Constantins d. Gr.(dieser habe dem Papste die weltliche Herrschaft über ganz Italien gegeben und deshalb seinen Sitz nach Constantinopel verlegt) und die pseudoisidorischen Decretalen. Isidor, B. von Sevilla, hatte um 630 eine Sammlung von Decretalen herausgegeben; um 840 erschien unter seinem Namen eine neue Sammlung, die eine Menge gefälschter Documente enthielt. Zweck derseiben war die Befreiung der Geistlichkeit, besonders der Bischöfe, von der weltlichen Obrigkeit wie von der Gewalt der Metropoliten und der Provinzial- synoden und die Begründung der päpstlichen Allgewalt in der Kirche; daher stellen diese Decretalen die Priester als den Augapfel Gottes hin, erklären jede Verletzung eines Priesters, auch eines unwürdigen, für Todsünde, machen den Papst, dessen Primat von Petrus herrühren soll, zum allgemeinen Bischof der Kirche.


