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5 (1863)
Entstehung
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Inngfrau Sturz und Verderben? So würde der Entwickelungsverlauf der Sünde in dem ſelbſt⸗ ſüchtig ungläubigen Herzen La Trémouilles zu denken ſein. Vor dieſem Aeußerſten ſo lange haltend, bis unwiderſprechliche Beweisſtücke dafür beigebracht werden, zeihen wir ihn ſammt dem Erzbiſchof vorläufig bloß des geringeren Vergehens, daß er theils aus Furcht vor einer unauf⸗ haltſamen Entfeßelung des Krieges und der Verbreitung deſſelben nach der Normandie, theils in Hoffnung auf ein friedliches Uebereinkommen mit Burgund, welches zugleich die Beſorgnis der Pariſer vor neuen Racheſcenen zerſtreuen ſollte, den König überredet habe, das unerläßlich ge⸗ wordene Unternehmen gegen Paris auf eine unkräftige Demonſtration zu beſchränken, und daß er, als dieſe nicht das gleiche Reſultat herbeiführte, wie vor Troyes, der Haupturheber aller der Maßnahmen geworden de welche es der Jungfrau unmöglich gemacht haben, ihren Angriff auf Paris mit beharrlicher Ansdauer durchzuführen. Hierauf und auf die Verhinderung eines neuen Angriffes an den beiden folgenden Tagen, nicht direct anf Johannas Ruin, waͤre demzu⸗ folge ſein Augenmerk gerichtet geweſen. An ein Beſtreben, Johanna zu Grunde zu richten, glauben wir ſo wenig, daß wir vielmehr uüͤberzeugt ſind, die Furcht vor ihrem gefeierten Namen ſei ein Hauptfactor in der Berechnung La Trémöounilles geweſen. Wie er den Köͤnig durch die reizende Ausſicht auf einen Vertrag mit dem Burgunder köderte, ſo brauchte er das Schreckhild der Jungfran, um den Herzog zum Frieden zu ſtimmen, und ſo wenig er Johannas Wege als Gottes Wege dachte, ſo ſehr bedurfte er des Zaubers, der auf der Heldin ruhte, um auf eigenen Wegen zum Ziele zu gelangen. Daß übrigens, wie manche annehmen, La Trémouille die Ein⸗ nahme von Paris für ein Ding der Unmöglichkeit gehalten und aus dieſem Grunde das Heer vor einer gewiſſen Niederlage, die Friedensunterhandlungen vor möglicher Störung habe be⸗ wahren wollen, mithin von ſelbſtiſcher Rückſicht bei ſeinem Verfahren völlig frei geweſen ſei, das iſt in Wahrheit mehr, als wir dem Charakter deſſelben zutrauen und die vorliegenden That⸗ ſachen rechtfertigen.

Vom 10. September an wurden in Saint⸗Denis drei Tage lang Berathungen gehalten.*) Karl und ſeine geheimen Räthe, denen die bourboniſchen Prinzen beitraten, wollten Rückkehr an die Loire. Vergebens kämpfte Johanna mit ihrem Anhang dagegen, vergebens berief ſie ſich auf ihre Stimmen, welche ihr und damit auch dem König geboten, in Saint⸗Denis zu bleiben: Der Rückzüg an die Loire ward beſchloßen.**) Unfähig, den Sinn des Königs zu brechen, faßte ſie den Entſchluß, ſich von ihm zu trennen, um dem Gebote ihres Gottes zu gehorchen. Wer es weiß, was der Köͤnig für Johanna bedeutete, wie ihr Patriotismus ſowohl als ihr Beruf mit ſeiner Perſon verkettet war, der ermißt, was dieſer Entſchuß ihr gekoſtet hatss. Doch war es keineswegs, wie man fälſchlich geglaubt hat, ihre Abſicht, ſich von der kriegeriſchen Thätigkeit gänzlich zurückzuziehen und ihre Miſſion niederzulegen. Im Gegentheil erkannte ſie in dem Rufe ihrer Stimmen den Wink Gottes, von Saint⸗Denis aus ſowohl die ge⸗ machten Eroberungen zu behaupten, als die Stadt Paris auch ohne die Gegenwart und wider den Willen des Königs zu überwinden. Damit aber war dieſem durchaus nicht ge⸗ dient. Vorſtellungen in Güte halfen nichts; es kam, ſo ſcheint es, zu ſcharfen Auftritten, und Johanna lief bei anhaltender Weigerung Gefahr, wie vor Paris mit Gewalt fortgerißen zu

*) Wallon J. I., I, 167:II s'y fit introniser, selon l'usage, dit Thomas Basin(Hist. de Charles VII, liv. II. chap. XIII). Mais il semblait qu'une fois investi de tous les symboles de la royauté, il put sans inconvénient en abandonner tous les gages. 1

*) Wallon J. 1., I, 170: On partit, sans vouloir se. dire que partir après une at- taque sans résultat, c'⁄6tait en faire un véritable échec: c'était exalter dans Paris les enne- mis du roi, et mettre le due de Bourgogne, P'edt-il voulu, dans Pimpossibilité de lui donner la ville.