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Verhandlungen mit Burgund ſchon vor der Heerfahrt nach Reims) eingefädelt und durch ſeine Verwandten am herzoglichen Hofe betrieben hat. Wie verſtändlich wird im Lichte dieſer An⸗ nahme das Verhalten des Königs vor und während des Krönungsfeldzuges! Aus der Vertragspolitik,— welche der thatenſcheue Fürſt mit beiden Händen ergriff, ergab ſich als natürliche Folge die über⸗ triebene Schonung, welche man gegen die von den Burgundern beſetzten Städte und zwar ſo⸗ wohl gegen die Beſatzungen ſelbſt als gegen die Bürger beobachtete. In den einen wie den an⸗ dern ſchonte man den Herzog ſelbſt um ihn verſöhnlich zu ſtimmen, und zeigte durch dieſe Milde noch insbeſondere den Stadtbewohnern die königliche Herrſchaft im roſigſten Lichte. Friede, Milde, Schonung, wer wollte, wer übte ſie mehr als Johanna? Aber wie anders, als die Hofherrn! Mit wie heiliger Energie wußte ſie im Falle der Noth für das heilige Recht einzuſtehen, weil ſie das Auge auf Gott und ſeinen Willen richtete. Wie gewißenlos traten dagegen die koͤniglichen Räthe, weil ſie nur auf ſich und das Ihre ſahen, Pflicht und Recht mit Füßen; wie ſo gar keinen Anſtand nahmen ſie, um des lieben Friedens, d. h. ihres lieben Ichs willen, Ehre und Wohlfahrt des Königs und des Vaterlandes in die Schanze zu ſchlagen. Die Namen Auxerre und Troyes ſprechen die Sachen aus. In ihren Blüthenſtand trat die Unterhandlungs⸗ politik ſeit der Kroͤnung zu Reims. Die Größe ihres Gegenſtandes— die Hauptſtadt Frauk⸗ reichs!— trieb ſie von ſelbſt zu dieſer Höhe. Weder der Herzog noch die Räthe des Hofes durften es dahin kommen laßen, daß Paris durch Waffengewalt erobert wurde. Jener mußte Paris möglichſt zu halten ſuchen, und ſollten die Königlichen die Stadt dennoch haben, ſo durfte nur er ſie ihnen geben. Dieſe glaubten Paris wohl der Gnade des Herzogs verdanken, nicht aber aus den Händen der Jungfrau und des Heeres empfangen zu dürfen. So ungleich die Gedanken im Grundo, gleich waren ſie in mehr, als einem Außenpuncte, und damit der An⸗ halt für das Lügengewebe gegeben, welches von den Geſandten des Herzogs in Reims ange⸗ zettelt und von den Hofleuten als das Ergebnis ihres eigenen Wirkens begrüßt, zu der Moſis⸗ decke geworden iſt, welche dem Könige Sinn und Verſtand verfinſtert hat. Daß Paris nicht gefallen, iſt zweifelsohne das Werk der von dem Herzog ſchlau benutzten Höflingspolitik, welche keinen ſolchen Waffenerfolg der Jungfrau und des Heeres vertrug. Denn Paris erſtürmt, und der Strom des Krieges war nicht mehr zu hemmen. Die Einnahme der Stadt, welche die Be⸗ geiſterung der Krieger auf's höchſte ehteigert hätte, würde unfehlbar die Brücke nach der Nor⸗ mandie geworden ſein, wo der Connetable, La Trémouilles Todfeind, mit ſeinen Truppen ſtand und ſeine Hand nach dem königlichen Heere hinüberreichte. Geſtalteten ſich die Dinge ſo, dann ſtand für die Herrn des Hofes alles auf dem Spiele, zumal La Trémouille ſchwebte in Gefahr, nicht allein Amt und Würden, ſondern das Leben zu verlieren. Mit gutem Gewißen ſprechen wir daher die Ueberzeugung aus, daß der König, bethört von ſeinen Räthen und von der eigenen Sünde verblendet, die ſchwere Schuld verwirkt hat, daß Paris nicht erobert und Johannas göttliche Miſſion nur zur Hälfte erfüllt worden iſt.*) 1 Wahrhaft teufliſch erſcheint das Verfahren des Herrn von La Trémouille und ſeiner Helfershelfer in der Auffaßung Quicherats und, nach deſſen Vorgang, der meiſten franzöſiſchen
*) Wahrſcheinlich gleich nach dem Zerwürfnis Philipps mit Bethford über Orleans.
**) Wallon I, 169: Ne valait-il pas mieux prendre Paris sans le duc que par le ducl OQui, sans doute, de l'aven de tout le monde, à l'exception toutefois de ceux qui dominaient dans les conseils du roi. Prendre Paris sans le duc de Bourgogne, c'était le prendre par la seule force de la Pucelle et de l'armée; ⁵était faire passer anx capitaines toute Pimportance que se donnaient les favoris: car il ne suffisait pas de le prendre, il le faillait garder, il eut donc fallu que le roi fut des lors ce qu'il devint plus tard, qu'il entrat sérieusement dans la conduite de son gouvernement; et pour cela, il avait besoin d'autres hommes. Prendre Paris par le duc de Bourgogne, cëtait peut-etre le lui laisser; mais on acquérait la sécurité sans contracter l'obligation d'agir, et le roi
pouvait continuer plus à Paise la vie qu'il menait dans ses chàteaux de la 1 see 3*⁴


