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Machtentfaltung zu gewinnen, war er zu bewegen. Als dieſer Verſuch ſcheiterte, hatte er nichts zu thun, als die Heldin mit Gewalt zur Unthätigkeit zu zwingen und weiterhin ſich der bur⸗ gundiſchen Verſprechungen zu getröſten. Darum hat er denn auch geerntet, was ſeine Thaten werth waren. Paris iſt ihm nicht ſo leichten Kaufs in den Schoß gefallen, der Herzog v. Burgund hat ihn für Narren gehalten, und erſt nach jahrelangem Ningen iſt ihm mit ſchweren Opfern gelungen, was ihm ſchon jetzt als Preis eines herzhaften Glaubens zugedacht war. Im tiefſten Grunde iſt demnach Karls ſchmähliche Umkehr vor Paris das verdiente Gottesgericht über ſei⸗ nen unverzeihlichen Unglauben. Auch Gottes Langmuth und Geduld hat ihre Grenzen und nicht unwiderſtehlich wirkt die Gnade. Johanna war ſich deſſen klar bewußt. In Chinon hat ſie dem Könige den Gnadenrath Gottes über ihn mit dem Zuſatz angekündigt:„ſofern du es willſt.“„Die Krieger werden kämpfen und Gott wird den Sieg verleihen“, hat ſie in Poitiers ausgeſprochens, und ſo überall ausdrücklich oder ſtillſchweigend das Heil, welches ſie in Gottes Namen verhieß, an das freie Entgegenkommen des menſchlichen Willens und die Beharrlichkeit menſchlicher That geknüpft. Nur unter dieſer Vorausſetzung hat ſie auch die Einnahme von Paris verbürgt. Der Köͤnig aber erfüllte die Bedingung nicht, und mit Recht traf ihn, der noch jede Glaubensprobe ſchlecht beſtanden, endlich das Gericht des lebendigen Gottes.*) Die unſeligſte Einwirkung auf den Willen des Königs haben unſtreitig ſeine Räthe, inſonderheit der Erzbiſchof und der Herr von La Trémouille, geübt. Weder der eine noch der andere glaubte an Johannas göttlichen Beruf. Jener wie dieſer war ſeit der Rettung von Orleans beſtrebt, dem Kriege Einhalt zu thun, weil derſelbe ihre Machtſtellung gefährdete. Beide hatten Verſtand genug, zu begreifen, und der Loirefeldzug hatte es ihnen vor die Augen gemalt, daß große Kriegserfolge, von Johanna und dem Heere erſtritten, dieſen einen Einfluß auf den König ver⸗ ſchaffen mußten, neben dem ſie ſich für die Dauer nicht zu behaupten vermochten. Denn ihre Gedanken waren nicht Johannas Gedanken, und der Herzog von Alençon wie das ganze Heer glühten in Begeiſterung für die großen Ideen der Heldenjungfrau. Wo dieſe galten, da war ihr Reich zu Ende, war ihres Bleibens nicht mehr. Die Höflinge fühlten, daß es ihnen an der nöthigen Geiſtesſtärke gebrach, um die gewaltigen Triebkräfte zu beh errſchen, welche Johanna in Thätigkeit ſetzte, es bangte ihnen vor der Menge deren, welche, unzapeleden mit der ſeitherigen Regierungspolitik, tüchtigere Steuerleute für die ſturmbewegte Zeit begehrten; ja ſie mußten ſich's ſchweigend geſtehen, daß ſie zu klein waren für das große Werk, das und wie Johanna es dachte. Darum arbeiteten La Trémouille und der Erzbiſchof mit vereinten Kräften an dem Schandſtück, dem Einfluß der Jungfrau auf den Willen des Königs Schranken zu ſetzen. In dem Hange deſſelben zum Nichtsthun bot ſich ihnen von ſelbſt der natürliche Verbündete. Was Johanna dem Köͤnig als Preis thatkräftigen Handelns verhieß, das zeigten ſie ihm auf dem glat⸗ ten Wege einer Unterhandlungspolitik, die ihnen nicht, wie der Krieg, Gefahr drohte, ſondern, wenn ſie Erfolg hatte, ſogar Ehre und Vortheil verſprach. Wie geſchickt und wie vollſtändig ſie Karl VII in ihre Garne gelockt haben, hat uns die Geſchichte gelehrt. Steht es auch nicht in ihren Büchern geſchrieben, ſo iſt es doch zwiſchen ihren Zeilen zu leſen, daß La Trémouille die
*) Wallon l. I., I, 171: Jeanne disait auxsiens que la place serait prise; mais à une condition, c'est qu'on persévéràt. Pour prendre une comparaison dans la Bible, alle n'avait pas dit que de- vant son étendard les murs de Paris crouleraient comme ceux de Jéricho devant l'Arche, mais qu'on allät à l'assaut, qu'on fit effort, et que Dieu aiderait.... 172: L'affaire de Paris ne prouve donc rien contre la Pucelle et sa mission. Sa mission était d'y mener le roi, pourvu qu'il n'y ftt point obstacle. Ses voix lui avaient marqué ce but; meme apres son échec, elles lui commandaient(c'est Jeanne qui le déclare) de persévérer en demeurant à Saint-Denis; mais elles ne lui avaient pas révélé qu'on y entrerait, quoi qu'on fit, ni que l'assaut dút réussir ou échouer. C'est à ceux qui Parrètèrent quand elle disait d'aller en avant, et le lendemain quand elle voulait renouveler la ten- tative, c'est à ceux-là de répondre de l'échec.


