Druckschrift 
5 (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

unſer Urtheil ſchwankt keinen Augenblick. Johanna iſt vor Paris dieſelbe geweſen, wie vor Orleans. Weder ihr Genie hat ſie verlaßen, noch iſt die Inſpiration von ihr gewichen, ſo wenig ihr auch für den 8. September das Gelingen von den Heiligen verbürgt war. Die ganze Schuld des unglücklichen Ausganges trägt der König mit ſeinen ſchlechten Räthen. Karl VII hat alles gethan, wovor ihn Gerſon und Gelu gewarnt, und alles nicht gethan, wozu jene Männer ihn ermahnt haben. Hüte ſich Frankreich, hatte Gerſon geſagt, daß es nicht durch Unglauben, Undank oder ſonſtige Ungerechtigkeiten die ſo deutlich und wunderbar begonnene Hülfe Gottes zu nichte mache, wie das Volk Israel gethan. Denn Gott ändert, wenn auch nicht ſeinen Rathſchluß, doch ſein zeitweiliges Urtheil, je nachdem die Verdienſte der Menſchen ſich andern. Und Gelu hatte es dem Köͤnig zur Pflicht gemacht, in allen Fällen zuerſt die An⸗ ſicht der Jungfrau einzuholen, und wenn dieſe etwas beſtimmt ausſage, ihr unbedingt zu folgen. Was die Vorbereitungen zum Kriege anlange, d. h. das Beſchaffen von Geſchütz, Brücken, Lei⸗ tern, ferner die Sorge für Geld und Lebensmittel, ſo reiche menſchliche Einſicht dazun aus; in ſolchen Dingen dagegen, wozu göttliche Weisheit gehöre, müße ſich die menſchliche Klugheit beugen und demüthigen. Hier gerade müße Johannas Rath zuerſt und vorzugsweiſe gelten, weil zu hoffen ſei, daß Gott, der ſie geſchickt habe, ihr ſolche Gedanken eingeben werde, wodurch das begonnene Werk zu einem glücklichen Ende gedeihe. Von allem dem hat Karl VII gerade das Gegentheil gethan. Er hat es vor Paris fehlen laßen an den Anſtalten und Vorrichtungen, welche jede Vernunft als nothwendig erkannte, und dagegen den Rath und Willen der Jungfrau durch Pnhe Maßnahmen zu Schanden gemacht. Und fragen wir nach den Gründen ſolcher Sündenthat: Er hat der burgundiſchen Lüge, die ihm die Selbſtſucht ſeiner Räthe empfahl, und nicht dem Gott geglaubt, der ihn bisher durch Johannas Mund und Arm zum Heile geleitet hatte. Und dies darum, weil das burgundiſche Trugbild dem ſündhaften Egoismus ſeiner Trägheit ſchmeichelte und der Glaube an Johannas himmliſche Sendung in ihm nie zu Kraft und Klarheit geworden iſt. Es gehört kein ſcharfes Beobachterange dazu, um die bedauerliche Entdeckung zu machen, daß Karls Glaube an den göttlichen Beruf der Jungfrau ſich in dem⸗ ſelben Verhältnis minderte, in welchem dieſe ſich der Sonnenhöhe ihres Ruhmes näherte. Je mehr Wunder ſie verrichtete, deſto ungläubiger wurde er. In der Feigheit ſeines Unglaubens hat er zweimal die Hand Gottes muthwillig von ſich geſtoßen, die ſich ebenſo nach der Krönung in Reims, wie nach Bethfords Abmarſch in die Normandie, ſichtlich und greifbar nach ihm aus⸗ treckte, um ihn triumphierend in ſeine wehrloſe Reichshauptſtadt einzuführen. Vor Paris, wohin ihn nicht der Drang der Pflicht, ſondern die Gewalt des Heereswillens führte, hat er ſeinem Unglauben die Krone aufgeſetzt. Nur zu einem Verſuch, Paris, wie Troyes, durch drohende

avoit envoié ung hérault devers ledit Charlez, en disant qu'il tendroit l'apointement qu'il avoit fait avec ledit Charlez, et qu'il cessast lui et ses gens; mes s'il y avoit appointement entre eux, ne quel il estoit, je n'en sauroye parler; mes toutesvois il y eut treves jusques à Nouel ensuiant. Et ainssi fit ledit Charlez audit assault sonner de retraite, et se retrairent; et croy qu'ilz eussent gaignée ladicte ville de Paris, se l'en les eust lessié faire. IV, 323(Le doyen de Sain-Thibaud de Metz): Encores fut il dit pour le temps qu'elle regnoit avec le bon roy Charlez, que tantost après son sacre, qu'elle conseilloit bien d'aller devant Paris, et disoit pour vray qu'ilz la pran- rient; mais ung sires appellé La Trimouille, qui gouvernoit le roy, destriat icelle chose; et fut diet qu'il n'estoit mie bien loyaux audit roy son seigneur; et qu'ii avoit envie des faicts du elle faisoit, et fat coupable de sa prinse. Ebend. 324: mais elle ne fut mie bien xeute(suivie). Vergl. über die zu geringe Kriegerzahl und die mangelhafte Vorbereitung d. Anm. 81 3über La Trémouille S. 32, Anm. 2. O.IV, 200(Journal): Et certes aucuns dirent depuis que, se les choses se feussent bien conduictes, qu'il y avoit bien grant apparence qu'elle en fust venue à son vouloir ect. Buchon I. l., p. 365(Chronik der Jungfrau): Et disoit-on qu'il ne vint oncques de lasche courage de vouloir prendre la ville de Paris al'assaut, et que s'il y eussentlesté jusques au matin, il y eust eu des habi-

tants de cette ville qui se fussent advisés. 4 9 8 1239 VA

5