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deſſelben und befahl, die Reisbündel und Faſchinen, deren man mehrere Wagen voll von La Cha⸗ pelle mitgebracht hatte, in den Graben hinabzuwerfen. In dieſem Augenblick erhob ſich ein Ge⸗ ſörei in allen Theilen der Stadt: Alles iſt verloren, der Feind iſt in Paris eingedrungen, rette ich, wer kann. Die Partei des Königs war es, welche verabredetermaßen durch dieſen Schreckens⸗ ruf die Anhänger der Fremdherrſchaſt in Beſtürzung zu ſetzen und das Volk zu einem Aufſtande zu treiben ſich beeiferte. Aber es half den getreuen Franzoſen dieſe Liſt nichts. Die Leute, welche in großer Menge in den Kirchen Troſt geſucht hatten, ſtürzten voll Angſt, als ſie den Lärm auf den Straßen hörten, aus den Kirchthoren, aber ſie dachten nicht daran oder ſie wagten es nicht, ſich für ihren König zuſammenzuſcharen. Größtentheils liefen ſie in ihre Häuſer und ſchloßen die Thüren hinter ſich ab; die Uebelgeſinnten rannten nach den bedrohten Maznuern und leiſteten den Vertheidigern kräftigen Beiſtand. So brachte der wohlgemeinte An⸗ ſchlag ſtatt Nutzen nur Schaden::, indem durch das Mislingen deſſelben ſowohl die Zahl wie der Eifer der Belagerten vermehrt wurde.„Ein wenig nach vier Uhr“, ſagt der vorgebliche Bürger von Paris,„faßten ſich die Pariſer ein Herz“ und ſchleuderten mit Bogen und Arm⸗ bruſt, aus Kanonen und Feldſchlangen eine unzählbare Maſſe von Wurfgeſchoßen auf die An⸗ greifer.„Aber trotzdem“, verſichert Perceval von Cagny,„daß die Jungfrau und eine große Menge von Rittern, Knappen und andern Kriegern in die Gräben hinabgeſtiegen, die andern am Rande derſelben oder in der Nähe waren, wurden doch nur ſehr wenige davon verwundet, viele i Fuß wie zu Pferd wurden zwar getroffen und zur Erde geſtreckt durch Steine, aus Kanonen ge⸗ hoden, aber durch die Gnade Gottes und zu Chren der Jungfrau ſtarb kein Menſch davon, wurde auch niemand ſo verwundet, daß er nicht hätte ohne hrrut Hülfe bequem in ſein Quartier zurückkommen können*s.“ Johanna rief der Wuth des Feindes gegenüber die Ihrigen zu verdoppelter Anſtrengung auf, den Graben mit Reiſig zu füllen. Allein das mit⸗ gebrachte Faſchinenwerk reichte nicht aus, die Uebergangsmittel waren zu mangel⸗ haft. Bis zum ſinkenden Tagre arbeiteten ſich die Krieger ad, ohne des Waßers Herr zu werden und ſich eine Straße nach den Mauern bahnen zu können. Schon war die Sonne unterge⸗ gangen, da traf der Pfeil einer Armbruſt die Jungfrau, welche fortwährend am Rande des Grabens ſich hielt, in den Schenkel und ſchlug ihr eine nicht eben ſchwere Wunde. Ein anderer Pfeil durchbohrte ihrem tapferen Bannerträger den Fuß.*) Dieſer öffnete das Viſier, um das Geſchoß aus dem Fuße zu ziehen, als ein neuer Pfeil, der ſeine eutblößte Stirn zwiſchen beiden Augen ſpaltete, ihm die Todeswunde gabro. Es war nicht das erſte Mal, daß Johanna ver⸗ wundet wurde. Sie dachte nicht daran, das Unternehmen aufzugeben, ſondern zog ſich nur auf die von der Stadt abgewandte Böſchung des Erdhügels zurück. Hier ſich niederlegend, feuerte ſie ihre Krieger mit begeiſternden Worten an, die Füllung des Grabens zu vollenden, um ſtür⸗ mend gegen die Mauern vorzuſchreiten, und ſprach allen Muth ein durch die Verheißung: Der Platz wird genommen werden!80..
Werden die Großen den Ruf der Jungfran glaubend in's Herz faßen? Vor der Brücken⸗ feſte bei Orleans haben ſie's gethan, und die Rettung der Stadt iſt der Lohn ihrer Folgſamkeit geworden. Dort war, wie hier, Johanna verwundet, das Heer durch dies Ereignis betroffen und durch die vergeblichen Anſtrengungen eines ganzen Tages abgemattet, die Nacht brach her⸗ ein, und noch war kein Fuß breit Bodens den Feinden abgewonnen. Sie thaten nach Johannas Wort und ſiegten! Weit günſtiger dem Anſcheine nach ſtehen die Sachen jetzt vor Paris. Die Nacht iſt nicht den Belagerern feind, ſondern den Belagerten. Unter dem Schutze der Dunkelheit laßen ſich die Gräben füllen oder mit Balken überbrücken, die Sturmleitern an die Mauern ſchaffen, die Geſchoße der Vertheidiger haben kein Ziel. Aber die Truppen ſind erſchöpft! Wohlan man löͤſe ſie ab, die Maſſen hinter Saint⸗Roch haben noch keine Hand geregt. Auch
.*) Ludwig von Contes hatte ſich aus unbekannten Gründen noch vor dem Zuge gegen Paris von Johanna getrennt, 0. III, 72. 73.


