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5 (1863)
Entstehung
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Barriere legte*). Johanna befand ſich mit ihrer Fahne in der erſten Reihe der Stürmenden und rang im Handgemenge einem Burgunder ſein Schwert aus der Hand:6. Die erſte Stelle war auch die letzte, wo an dieſem Tage Mann gegen Mann gefochten wurde. Die Einnahme des Außenwerkes führte die Sieger noch keineswegs an die Ringmauer der Stadt. Um dieſe zu erreichen, mußten erſt noch zwei tiefe Gräben überſchritten werden. Johannas Entſchluß war gefaßt. Obwohl nicht Urheberin des Gedankens, am Geburtsfeſte der heiligen Jungfrau gegen Paris vorzugehen, war ſie doch nicht vor die Stadt gekommen, um vor ihren Gräben Halt zu machen und ein bloßes Scharmützel der gewöhnlichen Art zu beſtehen. Die Gräben zu über⸗ ſchreiten und die Mauern zu erſtürmen, war ihr Vorhaben.**)

Die raſche Flucht der Engländer beſchleunigte nur Johannas Vorſatz. Um zwei Uhr trat ſie, die Fahne in der Hand, an den Saum des erſten Grabens, mit ihr der Marſchall von Rais und eine große Schar von Rittern, Knappen und Kriegern. Schnell war dieſer Graben zurückgelegt, denn es fand ſich kein Waßer darin, und der Erdaufwurf(dos d'âne) er⸗ klommen, welcher die Scheidewand zwiſchen dem erſten und zweiten Graben bildete. Auf der Höhe angelangt, rief Johanna den Pariſern zu: Ergebet die Stadt dem König von Frank⸗ reich*e*) Schmähreden, ſo gemein, wie die vor Orleans, wurden ihr zur Antwort. Ohne Aufenthalt ſchritt ſie bis zum Rande des zweiten Grabens. Derſelbe war tief und mit Waßer gefüllt.Man hatte Johanna nicht gut unterrichtet, ſagt die Chronik der Jungfrau,über das tiefe Waßer, welches in den Gräben war, und gleichwohl ſtanden mehrere an dieſem Platze, die es recht gut wußten, und die nach allem, was man ſchließen und muthmaßen konnte, aus Neid gern gewollt hätten, daß es ihr misglückt wärc*es). Die Jungfrau verlor den Muth nicht. Am Rande des Waßers hin und hergehend, unterſuchte ſie mit ihrer Lanze die Tiefe

*) Die Worte, womit das Tagebuch, 0. IV, 198, und die Chronik der Jungfrau, Buchon 1. 1., 363, die Erzählung einleiten: Aucuns seigneurs Françoys se voulurent approucher plus pres etc. berechtigen zu dem Schluße, daß es nicht in Johannas Abſicht lag, den Angriff ſo ſchnell zu beginnen. Wahrſcheinlich wollte ſie in ihrer drohenden Stellung den Pariſern noch einige Zeit laßen, ſich eines Beßeren zu beſinnen.

**) S. Seite 25, Anmerkung.

**) Nach dem bourgeois de Paris(Q. IV, 465) hätte Johanna geſagt:Rendez-vous, de par Jhesus, à nous tost; car se vous ne vous rendez avant qu'il soit la nuyt nous y eutrerons par force, veuillez ou non, et tous serezmis à mort sans mercy. Den letzten Worten ſieht man die bösliche Erfindung an. Auf die Frage der Richter(1, 148), ob ſie die Worte:Rendez la ville de

ar Jhesus gebraucht habe, entgegnet Johanna: Que non, mais dist:Rendez-la au rox de France.

Was die Richter zu ihrer Frage veranlaßt hat, liegt auf der Hand: ſie wollten im Falle der Be⸗ jahung den Widerſpruch darlegen, daß Johanna in Jeſu Namen die Uebergabe von Paris gefordert und bei dem Verſuch der Erſtürmung den Segen des Herrn entbehrt habe. Sie thun dies im 57. Ar⸗ tikel des Promotors(0. 1, 298 sd.) auf Grund des Gerüchtes, daß Johanna ihren Kriegern ver⸗ ſprochen habe, quod civitatem Parisiensem ingrederentur illo die et quod hoc sciebat per reve- lationem, und ihrer vorgehlichen Aeußerung, sibi adstitisse mille millia angelorum, qui parati erant eam deferre in paradisum, si mortua fuisset; et nihilominus fertur cum hoc respondisse ad inter- rogationem sibi factam, cur contra promissa sic evenerat quod Parisius non solum fuerat non in- gressa, sed de exercitu ejus quam plures et ipsamet atroci vulnere sauciati fuerunt, et quidam in- terlecti,quod Jhesus ei de promisso defecerat. Johannas Erwiderung auf die letzten Worte iſt 1. 1. 299 in folgender Weiſe aufgezeichnet: Et quoad finem articnuli, quod Jhesus defecerat ei, negat. Wahrſcheinlich hat die Jungfrau ihre gewöhnliche Formel(0. 1V, 18: Rendez-vous au roy du ciel et au gentil roy Charles) auch vor Paris angewandt.

e-) Henri Martin I. I., p. 212: Qui donc savait ici ce qu'ignorait Jeanne! Il semble que le soin des informations regardait surtout les moréchaux. Le maréchal de Retz(Rais) était aupres de Jeanne, et l'on n'a point a craindre de calomnier le maréchal de Retz.