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5 (1863)
Entstehung
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Freilich war das Unternehmen auf Paris, das in den erſten Tagen nach der Krönung in Reims und unmittelbar nach Bethfords Abgang nach der Normandie jede Ausſicht auf Erfolg bot, unter den jetzigen Umſtänden weit ſchwieriger. Karl hatte den Pariſern die ſchönſte Muße gewährt, ſich auf den Tag der Gefahr vorzubereiten. Seit der erſten September⸗ woche, alſo mehrere Tage nach Karls Ankunft in Senlis, hatten die durchaus engliſch geſinnten Stadtbehoͤrden die kräftigſten Maßregeln zur Gegenwehr getroffen. Fäßer, mit Steinen gefüllt, wurden auf die Mauern geſchafft; Kanonen in den Häuſern aufgepflanzt, welche an die be⸗ drohten Mauern ſtießen. Die Thore wurden mit Bollwerken verſehen und ſowohl von außen wie von innen mit Barrieren geſperrt, die Stadtgräben tiefer gezogen. Auch ſorgte man in Erwartung einer längeren Belagerung für bedeutende Vorräthe an Lebensmitteln. Um die Koſten dieſer Anſtalten zu erſchwingen und die zweitauſend Mann der Beſatzung zu unterhalten, welche ſich mit dem zuverläßigen Theile der Bürgerſchaft zu einer anſehnlichen Macht vereinigten, erhob man im Namen des Königs von England gezwungene Anleihen theils von Kirchen und Geiſt⸗ lichen, theils von Bürgern und anderen wohlhabenden Cinwohnern, ja man verſchonte ſogar die zur Verwahrung hinterlegten Gelder(depôts, Depoſitengelder) nichtss. Durch die abſcheu⸗ liche Verleumdung, Herr Karl von Valois wolle aus Rachſucht die Stadt Paris ſammt ihren Bewohnern, groß und klein, jedes Standes und Geſchlechtes, der Wuth ſeiner Soldaten preis⸗ geben und dann dem Erdboden gleichmachen, ſuchte man das Misbehagen der Beſteuerten zu beſchwichtigen, die Anhänger des Königs zu erſchrecken, alle zur Vertheidigung ihrer theuerſten Güter aufzureizen.*).

Was half es dagegen, daß der Herzog von Alencon mit ſeinem Siegel verſehene Briefe an den Oberrichter ſowohl des Pariſer Stadtgerichts als des Handelsgerichts ſowie an die Schöffen richtete, alle mit Namen anredete und ihnen in den ſchmeichelhafteſten Ausdrücken die beſten Verſprechungen gab. Die Mitglieder des Parlamentes und die Beamten aller Grade hatten ſich perſönlich zu ſehr gegen den König verſchuldet, hatten zu viele ſeiner treuſten Diener hingewürgt, als daß ſie zu dem Worte des Herzogs von Alençon hätten Vertrauen faßen können. Sie ließen den Herzog einfach bedeuten, er möge hinfort ſein Papier ſparen, ſich nicht ferner be⸗ mühen, die Völker in Paris wider einander aufzuhetzen. Warum aber ſandte nicht der König ſelbſt ſeine Wappenherolde mit einem feierlichen Manifeſte nach Paris und verſprach der Bür⸗ gerſchaft unbedingte Amneſtie, wie er dies allenthalben während des ganzen Feldzuges gethan?60 Warum wies er die Pariſer nicht auf die leuchtenden Denkmale von Milde und Schonung hin, die er zu Troyes, Reims und in allen Städten auf ſeinem Zuge hinterlaßen hatte? Auch in Paris gab es eine Partei entſchieden königlich Geſinnter, und viele ſelbſt der Vornehmſten be⸗ gannen bereits zu ſchwankensn. Jene galt es zu ſtärken, dieſe zu gewinnen. Und hatte Karl nicht an dem Verhalten des Biſchofs von Troyes das ſchlagendſte Beiſpiel, daß nicht allein der Bürgerſtand, ſondern auch die Geiſtlichkeit vor dem Aeußerſten zurückbebt und zur Vermittlung geneigt iſt, wenn ihr Pfründen und Würden geſichert bleiben? Gelangte Karl auf dieſem Wege nicht zum Ziele und war es ihm Ernſt um die Einnahme von Paris, ſo mußte er alsdann alle moraliſchen und materiellen Machtmittel, die ihm zu Gebote ſtanden, auf einmal in An⸗ wendung bringen. Vor allem heiſchte es die Königspflicht, daß er in Perſon an der Spitze der geſammten Kriegsmacht vor den Wällen ſeiner Hauptſtadt erſchien, gleich bereit zum Schlagen wie zum Vergeben. Ein König, gerüſtet zum Kampfe für ſeine Krone, iſt unter allen Umſtän⸗ den eine gewaltige moraliſche Macht. Gern gibt ſich das Volk dem Starken, ſeinem guten Rechte kühn Vertrauenden hin, ſelten fällt es dem zu, der nicht den Muth ſeines Rechtes hat. Nöͤthigte die Halsſtarrigkeit und das übermüthige Seibſtvertrauen der Abtrünnigen, das Schwert zu

*) Was für Geſpenſter man im Betreff Johannas heraufbeſchwören mochte, ſieht man aus der ſprechenden Aeußerung des prétendu bourgeois de Paris, Q IV, 464: Ein Geſchöpf in Weibesgeſtalt,

das man die Jungfrau nannte, war bei ihnen. Was es war, Gott weiß es.