Druckschrift 
5 (1863)
Entstehung
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Johanna vergaß alle ihre Qualen und Schmerzen. Nur Freude ſtrahlte auf ihrem Heldenantlitz, nur Siegeszuverſicht durchdrang anch das ganze Heer, kurzniemand war da, wes Standes er ſein mochte, der nicht ſagte: Sie wird den König nach Paris bringen, wenn's nicht an ihm gebrichts. Johanna ſtand in der Mittagshöhe ihrer Herrlichkeit. Volk und Heer ſahen in ihr eine Botin Gottes, mehr Engel, als Weib, und ihre Verehrung verſtieg ſich bis zum Aberglauben. In der Hoffnung auf beſonderen göttlichen Schutz trugen viele Krieger ſchon ſeit dem Abmarſch nach Orleans Fähnlein, welche nach dem Muſter von Johannas Fahne gefertigt waren, ungeachtet Johanna ihre Siegeszuverſicht weder auf die Fahne noch auf das Schwert baute, ſondern allein auf den Segen Gottesss. Auch in Saint⸗Denis drängte ſich wie allenthalben das Volk auf ihren Wegen und feierte ſie wie eine Heilige. Namentlich war ſie der Armen Troſt und Horts*. Zwei Kinder hob ſie daſelbſt zur Taufe. Die Eltern getröſteten ſich außerordentlicher Gnadengaben für ihre Neugeborenen, wenn ſie die Eottgeſandte zu deren Pathin erwähltenss. Die Weiber von Saint⸗Denis ſchätzten ſich glücklich, wenn es ihnen ge⸗ lang, Johannas Ninge, denen ſie die Kraft, geſund zu machen, beilegten, mit ihren Ringen zu berühren. Die Jungfrau gab dazu keinerlei Veranlaßung, denn ſo beſtimmt ſie ſich von Gott geſchickt wußte, ſo wenig ſchrieb ſie ſich, geſchweige ihren Ringen, Wunderkräfte zuss. Was das Volk zu dieſer maßloſen Verehrung hinriß, war außer den Thaten Johannas die Weihe ihres himmliſchen Sinnes, der je auffälliger er gegen das Waffenwerk abſtach, deſto mehr wie ein Strahl aus der Höhe erglaͤnzte. Unwandelbar dieſelbe auf dem Gipfel ihres Ruhmes, wie zu Anfang ihrer Kriegeslaufbahn, ſtrebte ſie fortwährend, denſelben Geiſt chriſtlicher Zucht im Heere zu erhalten, den ſie den Orleansſtreitern eingeflöͤßt hatte. Denn ſie hielt beharrlich an dem Glauben, den ſie in Orleans ausgeſprochen, daß um der Sünden willen Gott die Schlachten verloren gehen laße. Angeſichts entſcheidender Ereigniſſe wurde dieſer Eifer natürlich um ſo flammender, der Greuel der Unſittlichkeit für Johanna unerträglicher. 57 Vor nichts aber hegte ſie einen größeren Abſcheu, als vor der Schamloſigkeit luͤderlicher Dirnen, welche ihrem Verbote zuwider dem Heere folgten. Beim Anblick einer ſolchen wurde ſie in Saint⸗Denis wahrſchein⸗ lich nach dem Einzug des Königs vom heftigſten Zorn übermannt. Sie zog das Schwert und hieb dermaßen auf das Weibsbild ein, daß die Klinge in Stücke zerſprang. Es war das Schwert von Fierbois, das ihr die Stimme der Heiligen bezeichnet, das Johanna von Sieg zu Sieg getragen hatte. Das Rettungsſchwert Frankreichs zerbrochen! zerbrochen unmittelbar vor dem Angriff auf Frankreichs Hauptſtadt! Ein Ereignis trüber Vorbedentung.*)

Der König war darüber ſehr mismuthig und ſagte der Jungfrau, ſie hätte lieber mit einem tüchtigen Stocke draufſchlagen, als ſo das Schwert preisgeben ſollen, das ihr von Gott ge⸗ kommen ſei, wie ſie behauptess. Der Tadel hat Grund, der König aber hätte vor allem in den eigenen Buſen greifen und ſich fragen ſollen, wer mehr, als die Jungfrau, den Bruch des Ret⸗ tungsſchwertes verſchuldet habe. Dann würde er, der alles gethan, um den Heldenarm ſeiner Retterin zu lähmen und Gottes Gnadenwillen zu vereiteln, vielleicht in der letzten Stunde ſich auf ſeine königliche Pflicht beſonnen und vor Paris gethan haben, was vor Gott recht war. Ein gründlicher Herzbruch, ein Bruch mit ſeinem ÜUnglauben und ſeiner ſchlechten Politik hätte den Schaden des Schwertbruches reichlich gut gemacht, und ein thatfreudiger Glaube hätte ihn auch trotz des gebrochenen Stahles und aller Gegeurüſtungen der Pariſer in ſeine Hauptſtadt getragen. Johannas Muth und Hoffen blieb ungeſchwächt.

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ſprochen oder dem Biſchof die Summe, wozu das Pferd geſchätzt war, ausgezahlt habe, weiß Johanna nicht, vermuthet aber, es ſei weder das eine noch das andere geſchehen. Nach. V. 267 ſcheint der Biſchof Zahlung erhalten zu haben, wenigſtens ſind hier 137. 1. 10. s. tournois für ein Pferd verzeich⸗ net, welches der König der Jungfrau in Senlis verabfolgen ließ..

*) H. Martin I. I., p. 210: Comme l'épée mystique, allait se briser la force divine que Dieu avait envoyée aux hommes et dont les hommes n'étaient pas dignes. Kein Waffenſchmied vermochte das Schwert wieder zuſammenzuſchmieden oder umzuſchmelzen, Q. IV, 93.